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Ein Hightech-Herz für die neue Polarstern

15.09.202511:01 UhrEnergie & Umwelt
Bild: Ein Hightech-Herz für die neue Polarstern

(openPR) Die Brücke ist der Kopf eines Schiffes, die Maschine sein Herz – das jedenfalls sagen viele Seeleute. Für die neue Polarstern nimmt das Herz jetzt Gestalt an: Gleich mit drei Anbietern hat die Bauwerft TKMS Verträge für den Antrieb des Eisbrecher-Neubaus des Alfred-Wegener-Instituts abgeschlossen. Und dies sind keine Komponenten „von der Stange“. Die innovative Spitzentechnik ermöglicht besonders geräusch- und emissionsarme Forschung auf See und in den Polargebieten.

Der Polarstern-Neubau, finanziert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), erhält zwei Azimut-Antriebe, häufig auch als drehbare Propellergondeln bezeichnet, der finnischen Firma Steerprop. Das für die Eisklasse PC2 gebaute Schiff wird von zwei SP 160 PULL ARC LM genannten Azimut-Propellern angetrieben, den größten je gebauten mechanischen Einheiten ihrer Art, die jeweils 9 Megawatt Leistung über einen Propeller mit 4,8 Metern Durchmesser liefern. Sie sind eine Weiterentwicklung von Steerprops bewährter mechanischer Propulsorenplattform, die in der globalen Eisbrecherflotte weit verbreitet ist. Die Propellergondeln sind um 360 Grad drehbar und übernehmen daher das Manövrieren bereits mit. Eine klassische feststehende Mittelanlage vom finnischen Hersteller Aker Arctic mit Edelstahlpropeller, der einen Durchmesser von 5,4 Metern hat, ergänzt das Propulsionspaket.

Beide Antriebsarten erhalten ihre Energie über ein wahres Kraftwerk: Vier Hauptmaschinen von Wärtsilä erzeugen 33,1 Megawatt dieselelektrische Leistung. Zwei der Maschinen werden Dual-Fuel-fähig sein: Neben Diesel können sie auch grünes Methanol verbrennen. Es handelt sich um ein integriertes Hybrid-Elektroantriebssystem, das auf vier leistungsstarken Wärtsilä W31-Motoren basiert und höchste Effizienz mit modernster Umwelttechnologie vereint. So sind die Generatoraggregate geräuscharm und die Abgasnachbehandlungstechnologien erfüllen höchste Emissionsstandards. Außerdem bekommt der Polarstern-Neubau ein Energiespeichersystem: Ein Batteriesystem ermöglicht es, den Schiffsbetrieb für bis zu vier Stunden ohne laufende Generatoren sicherzustellen, und damit die kompletten Forschungsarbeiten emissionsfrei auszuführen.

Die bei der Fahrt auftretenden Abgase werden nach neuestem Stand der Technik gefiltert, damit möglichst wenige Partikel in die Umwelt gelangen. Der Polarstern-Neubau ist Erstkunde für Abgasfilter in dieser Größenordnung. Daneben erhält das Schiff einen Katalysator zur Abgasnachbehandlung. Außerdem ist die Antriebsanlage so ausgelegt, dass die besonders strengen, akustischen Anforderungen der Richtlinie „ICES 209“ erfüllt werden, die besonderes Augenmerk auf die akustische Belastung der Unterwasserwelt durch die Schifffahrt legt. Dadurch werden die Meereslebewesen vor Lärm geschützt.

Stimmen zur Vergabe der Aufträge für die Antriebseinheit:

Prof. Dr. Maarten Boersma, kommissarischer Direktor des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI):
„Wir freuen uns sehr, dass mit der Bestellung der Antriebseinheit jetzt ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur neuen Polarstern vollzogen ist. Mich faszinieren besonders die langfristigen Abstimmungen sämtlicher Produktionsabschnitte. Auch wenn es planmäßig noch bis April 2027 dauern wird, bis die ersten Schweißnähte des Schiffes entstehen, muss natürlich parallel die Konstruktion der innovativen Maschinen starten. Toll, dass das Neubauprojekt und die Zusammenarbeit zwischen AWI, TKMS und den Zulieferern nach Plan laufen.“

Oliver Burkhard, CEO von TKMS, der Bauwerft für die neue Polarstern:
„Mit der jetzt getroffenen Auswahl des komplexen Antriebssystems der neuen Polarstern stellen wir sicher, dass wir die hohen Kundenanforderungen an Zuverlässigkeit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit erfüllen. Wir haben mit diesen Vertragsunterzeichnungen den ersten Projektmeilenstein pünktlich erreicht und unterstreichen so unsere Stellung als maritimes Powerhouse.“

Detlef Wilde, AWI-Projektleiter:
„Dass wir jetzt die Verträge mit den Herstellern für das gesamte Antriebskonzept inklusive Abgasreinigung haben, ist ein toller Meilenstein. Ich kann mir bereits bildhaft vorstellen, wie unser ‚Kraftpaket‘ in polare Regionen vorstößt, um dort Daten zu erheben, wo weniger innovative Schiffe nicht arbeiten können. Es ist großartig, dass wir als Alfred-Wegener-Institut durch die Förderung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt der internationalen Forschungsgemeinschaft einen Eisbrecher zur Verfügung stellen werden, der wichtige Wissenslücken im Verständnis unseres Planeten Erde schließen wird.“

Yngvar Frodell, TKMS-Projektleiter:
„Bei diesem Projekt ist nichts von der Stange, alle Teile sind maßgefertigt. Die höchsten Standards, die das AWI in Sachen Nachhaltigkeit erwartet, sind für mich als Ingenieur eine spannende Herausforderung, der ich mich mit unserem Team gerne stelle. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir die Grenzen hin zu einer nachhaltigeren Schifffahrt verschieben – und das bei der Nachfolge der Polarstern.“

Über das Neubauprojekt Polarstern
Die neue Polarstern wird das Flaggschiff der deutschen Meeres-, Polar- und Klimaforschung. Der Neubau wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanziert, so dass das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, im Dezember 2024 den Auftrag für einen Neubau an die Werft TKMS vergeben konnte. Am Standort Wismar wird das eisbrechende Forschungs- und Versorgungsschiff gebaut. Es wird der Polarstern nachfolgen, die seit über 40 Jahren bahnbrechende Forschung in Arktis und Antarktis ermöglicht. So verfügt Deutschland auch künftig über eine der modernsten und nachhaltigsten Infrastrukturen zur Erforschung der Polarregionen auf höchstem wissenschaftlichen und technischen Niveau.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Detlef Wilde
+49 471 4831 1281
E-Mail

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