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Langzeitbeobachtung: Wachsende Namib-Wüste gefährdet Hotspot der Artenvielfalt

19.08.202515:25 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Die Bilder aus Südafrika erinnern an die Verwüstungen während des berühmten „Dust Bowls“ im Mittleren Westen der USA, einem Mitauslöser der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren: Ehemals wertvolles Weideland wird unter Sand begraben, verlassene Farmhäuser von Dünen verschüttet. Nun ist in den meisten Gegenden des südafrikanischen Richtersveldes ein teils dramatischer Rückgang der Vegetation und der Artenvielfalt zu verzeichnen. Dies haben ein Botaniker und ein Bodenkundler der Universität Hamburg gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Südafrika und Namibia anhand von Daten festgestellt, die bis zu 45 Jahre zurückreichen. So lange überwachen sie das Gebiet bereits, das mit 10.000 Quadratkilometern etwa halb so groß wie Hessen ist.

Gemeinsam haben die Forschenden die Zusammensetzung und Menge von Pflanzenarten auf festgelegten Monitoringflächen in regelmäßigen Abständen analysiert, Zeitreihen von Satellitenbildern ausgewertet – und in diesem Jahr Fotos nachgestellt, die 1914 aufgenommen wurden.

„Zunächst schien es, als würde die Vegetation trotz aller Schwankungen immer wieder resilient in den Ausgangszustand zurückkehren. Doch nun mussten wir feststellen, dass die schleichende Verarmung der Pflanzenwelt bereits vor Jahrzehnten begann und auch nach dem Ende der jüngsten, extremen Dürreperiode weitergeht, die von 2012 bis 2022 volle zehn Jahre andauerte“, erklärt Prof. Dr. Norbert Jürgens. Der emeritierte Biologe der Universität Hamburg forscht seit 1980 in dem Gebiet. Seit 1992 untersucht er die Veränderungen des Bodens gemeinsam mit dem Bodenkundler Dr. Alexander Gröngröft, ebenfalls Wissenschaftler an der Universität Hamburg und Co-Autor der Studie.

Dabei haben die Forschenden entdeckt, dass der Artenverlust in immer ähnlichen Schritten verläuft. Zuerst verliert ehemals dicht bewachsenes Weideland die ökologisch wichtigsten Arten: langlebige, wasserspeichernde Zwergsträucher, die den Boden bedecken und vom Wind transportierten Sand und Staub festhalten können. Anschließend ersetzen spärlich wachsende, salzliebende Pflanzenarten die für das Ökosystem entscheidenden Sukkulenten. Und weil die Folgevegetation die Bodenoberfläche nicht dauerhaft schützen kann, wird der fruchtbare Bodenanteil vom Wind abtransportiert und es entstehen vegetationsfreie Sandflächen, die selbst nach Regenfällen kaum noch besiedelt werden. Der Wandel der Bodeneigenschaften wird zum Kipppunkt für den Wandel der Biodiversität.

Von den schätzungsweise 1000 endemischen Pflanzenarten, die weltweit nur im Richtersveld vorkommen, gelten mehr als 400 als bedroht. Das schätzt ein weiterer Mitautor der Studie, Pieter van Wyk, Kurator des südafrikanischen Forschungsgartens „Richtersveld Desert Botanical Garden“. Zum Vergleich: In ganz Deutschland sind weit weniger als 100 endemische Pflanzenarten bekannt.

Die Ursachen für die Wüstenbildung sehen die Forschenden zum Teil beim Klimawandel, der mit höheren Temperaturen, höheren Windgeschwindigkeiten und längeren Dürrephasen die Pflanzen schädigt. Doch sie mussten auch feststellen, dass die Menschen vor Ort stark zu dem weltweit einmaligen Vormarsch der Wüste beitragen. Denn Minengesellschaften, die nach Diamanten schürfen, lassen Tagebau-Abbaustätten meist offen zurück, wodurch große Mengen an Sand mobilisiert werden. Im Wind wirken die transportierten Sandkörner wie ein Sandstrahl, schädigen die Vegetation und begraben sie unter sich. Eine temporäre Überweidung durch Ziegen, Schafe und Rinder löst ebenfalls Sand- und Staubtransporte aus.

„In manchen Gebieten hat die Kombination von Dürre, Überweidung und häufigen Starkwindereignissen in dem empfindlichen und weltweit einmaligen Ökosystem bereits zu einer irreversiblen Veränderung der Bodeneigenschaften geführt“, so Prof. Jürgens. Die Veränderung des Bodens durch Erosion ist insbesondere im Norden des Gebietes zu beobachten, wo sukkulente Sträucher durch spärliche Wüstengräser ersetzt wurden. Im Süden und Westen sind mehr als 400 Quadratkilometer unter Sand begraben – eine Fläche, viermal so groß wie die Insel Sylt.

Zur Bekämpfung der Wüstenbildung schlagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Bündel von Maßnahmen vor, darunter eine strikte Kontrolle der Minen und eine Begrenzung der Beweidung. Besonders verwundbare Regionen sollten unter Naturschutz gestellt werden – ohne jegliche Landnutzung oder Offroad-Befahrung. Diese Regeln müssten ebenfalls für die zahlreichen in der Region geplanten Projekte zur Erzeugung regenerativer Energie aus Photovoltaik und Wind gelten, fordern sie. Denn auch wenn diese im globalen Norden als grüne Investitionen gelten, könnten sie – je nach Planung – weitere Verwüstungen auslösen oder aber zur Renaturierung des Gebietes beitragen.

Pressebilder zum Thema finden Sie unter https://www.uni-hamburg.de/newsroom/presse/2025/pm30.html

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Norbert Jürgens
Universität Hamburg
Fachbereich Biologie
Tel.: +49 170 1666500
E-Mail: E-Mail

Originalpublikation:
https://authors.elsevier.com/sd/article/S0140-1963(25)00143-0

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