(openPR) Nachhaltiges Leben ist ein Thema, das bereits seit Jahren in der Ratgeberliteratur den Ton angibt und zuletzt durch den Atomausstieg und die Energiewende zusätzliche Popularität erhalten hat. Aber wie sieht es inhaltlich aus? Welche Schwerpunkte legen die großen oder auch kleinen Verlage bei der Ausrichtung dieses Themas? Geht es den Publikationen tatsächlich um sachliche Aufklärung und eine Veränderung der eigenen Lebensweise? Und wann handelt es sich stattdessen um die schlichte Monetarisierung eines Trends?
Abseits von Fachverlagen oder spezialisierten Publikationshäusern bietet sich ein recht einheitliches Bild: Eckart von Hirschhausen sorgt sich mit DTV über die Erde, Katharina Schickling präsentiert im Mosaik-Verlag den Konsum-Kompass und auch die Jugend wird mit Büchern wie Frieda im Unverpackt-Laden oder ähnlichen Titeln gut versorgt. Meist handelt es sich um Ratgeberliteratur aus dem Bereich zwischen Natur- und Umweltschutz mit starkem Bezug zum alltäglichen Leben und in der Regel wenig unangenehmen Wahrheiten; sozusagen „Nachhaltigkeit light“.
Als Beispiel für eine in diesem Feld besonders präsente Autorin kann die Transformationsforscherin Maja Göpel dienen, die in jüngster Zeit gleich vier Publikationen auf den Markt geworfen hat. Die vermittelte Haltung lässt sich als eine leichtverdauliche Mischung aus Antikapitalismus und philosophischen Allgemeinplätzen beschreiben, welche beim Publikum sicher ein engagiertes Gefühl hinterlassen, aber nicht wirklich viel Substanz vermitteln. So wird der allgemeine Konsumverzicht propagiert, nebenbei die Fridays-for-Future-Bewegung als „gesellschaftlicher Kipppunkt“ gelobt und nahezu alle Positionen, welche die großen Medien regelmäßig über den Klimawandel verbreiten, abgehandelt. All das ist sicher nicht falsch, allerdings bleibt unwahrscheinlich, dass sich in solchen Allgemeinplätzen etwas substanziell Neues finden lässt.
Welchen Mehrwert bringen Verzichtsaufforderungen und Appelle an das schlechte Gewissen dem Publikum? Schließlich könnte das sehr weit gefasste Themenfeld der Nachhaltigkeit auch in populärwissenschaftlicher Literatur unter einer ganzen Reihe unterschiedlichen Gesichtspunkte behandelt werden. Gern würde man mehr Hinweise dafür erhalten, welche konkreten Alternativen zum kapitalistischen System zur Wahl stehen. Auch würden interessierte Leser sicher gern erfahren, wie eine globale Nachhaltigkeitsstrategie aussehen könnte, die Länder wie China oder Indien und deren Lebensrealität einbezieht?
Auf derartige Fragen findet die Populärliteratur allerdings so gut wie keine Antworten. Wie unangenehm die Klimawende für Einzelne werden kann, wird in diesen Bestsellern nicht abgehandelt. Stattdessen fällt auf, dass sich die großen Titel in Präsentation und Inhalt sehr gleichen: Wichtig scheint eine positive Message zu sein, die verbunden mit einfachen Wahrheiten und ein wenig schlechtem Gewissen in erster Linie Leser abholen dürften, welche sich ohnehin auf der richtigen, nämlich der dezent nachhaltigen Seite wähnen. Dabei wird ein Verzicht gepredigt, den man manchen medial überpräsenten Personen nur schwer abnehmen kann.
Stimmen abseits der Leitmedien
Aber dem Thema Nachhaltigkeit haben sich neben den Branchenriesen auch kleinere Publikationshäuser angenommen, die sich häufig auf bestimmte Aspekte konzentrieren und dabei zuweilen Tipps geben, die nichts mit abstraktem Moralisieren zu tun haben. Ein Beispiel ist der Pala Verlag aus Darmstadt. Dieser hat sich mit seinem gesamten Programm auf vegetarische und vegane Küche, artgerechte Tierhaltung und nachhaltiges Leben konzentriert. Dabei hat der Verlag Ratgeber für die heimische Gartenwelt, zu pflanzlichen Heilmethoden oder vegetarischer Ernährung während einer Schwangerschaft im Angebot. Mit einer weniger populistischen Haltung und dem inhaltsstarken Programm unterscheidet sich der Pala Verlag deutlich von den Inhalten der großen Häuser.
Ähnlich spezialisiert, aber mit einem anderen Profil präsentiert sich der 1989 in München gegründete Oekom Verlag. Hier werden auch unkonventionelle Fragestellungen behandelt und der Trend zu Nachhaltigkeit kritisch hinterfragt. So soll ein Fachbuch mit dem Titel ab November 2022 mit leeren Versprechungen aufräumen, die im Bereich Green Economy kursieren. Angesichts der gefühlt kritiklosen und hochkommerziellen Werbung für nachhaltige Wirtschaft nimmt sich ein solcher Titel als willkommene Alternative aus.
Ein weiteres Haus und vielleicht dabei auch Exot unter den deutschen Medienhäusern ist der Kopp Verlag. Seit der Gründung Mitte der 90er Jahre hat dieser sich auf alternative Informationen spezialisiert und dabei im Lauf der Zeit ein buntes und oft hinterfragtes Programm entwickelt. Darunter finden sich Publikationen beispielsweise über Naturheilkunde, regenerative Landwirtschaft, ein Bio-Putzbuch und ein Werk zu Naturkosmetik. Im Gegensatz zu floskelhaften Verzichtspredigten der großen Verlagshäuser handelt es sich hier um konkrete Tipps, welche auf praktische Umsetzbarkeit zielen.
Viele Inhalte aus dem Kopp-Verlag konzentrieren sich deshalb auf das Thema Selbstvorsorge. Auch informiert ein neu erschienener Ratgeber über die Konsequenzen eines Blackouts. Solch ein flächendeckender Stromausfall dürfte vor kurzem noch mit Verschwörungstheorien in Verbindung gebracht worden sein, augenblicklich bereitet sich das Land auf ein solches Szenario vor. Eine weitere aktuelle Publikation enthält Ratschläge, wie man den eigenen Energieverbrauch senkt und Geld einsparen kann. Titel dieser Art beschreiben weniger das große Ganze, sondern konzentrieren sich auf konkrete Folgen und Peilen eine konkrete Umsetzbarkeit an. Denn ein wirklich nachhaltiges Leben müsste sich auch mit solchen Fragen auseinandersetzen.
Das Fazit: Für neue Erkenntnisse (auch) abseits der Wege schauen
Die großen Verlage zielen vor allem darauf, mit populären Veröffentlichungen ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Da bleibt naturgemäß wenig Platz für kontroverse, unangenehme oder auch nur spezialisierte Inhalte. Entsprechend mögen die verkaufsstärksten Titel zwar unterhaltsam sein, bleiben aber auch eher oberflächlich. Wer etwas über den philosophischen Hintergrund eines nachhaltigen Lebens lesen möchte, sollte mit den Bestsellertiteln der großen Verlage bestens bedient werden. Wer dagegen konkrete Gedanken über die persönliche Lebensführung machen und eine nachhaltige Lebensweise wirklich in die Praxis umsetzen möchte, sollte lieber auf spezialisierte Verlage schauen und die Bestsellerlisten ignorieren. Leser, die konkrete Handlungsanweisungen suchen, sollten sich allerdings eher in spezialisierten Verlagshäusern umsehen. Ob Pala, Oekom, Kopp oder andere – es macht bei der Nachhaltigkeit Sinn, auch jenseits des Mainstreams zu schauen.












