(openPR) Die Fragen der Identität stehen im Zentrum zahlreicher politischer und kultureller Auseinandersetzungen in den modernen Gesellschaften. Diverse aktivistische Bestrebungen propagieren einerseits verloren geglaubte Nationalismen oder appellieren an patriotische Gefühle, andere wiederum stellen sich hinter ein neues weltoffenes Einheitsdenken – zumindest für jeweils einigermaßen klar abgrenzbare historische Kulturräume. Dabei spielt der begriff der “Grenze” notwendigerweise eine bedeutende Rolle, denn erst mithilfe dieses Begriffs ist das Unterscheiden von mehr als einer Identität möglich. Identität lässt sich jeweils nur in Abgrenzung zu anderen Identitäten bestimmen.
Ein biblisches Beispiel findet sich im Buch der Richter, in dem uns erzählt wird, wie die Gileaditer die Furten des Jordan besetzt und durch die Kontrolle über eine sprachliche Besonderheit vor dem Eindringen der Ephraimiter geschützt haben: Die Ephraimiter sprachen das Wort "Schibboleth" anders aus, wurden dadurch erkannt und am Überqueren des Flusses gehindert. “Schibboleth” steht hier gleichsam für eine Passkontrolle, für eine Art Passwort oder Zeichen, welches die Identität des Passierenden preisgibt. Soziale Codes eröffnen Zugang zu sozialen Räumen oder schließen daraus aus. Durch seine Aussprache oder seine Kleidung verrät ein Mensch seinen Ursprung, seine Zugehörigkeit und letztlich seine Identität. Identität ist ein komplexes gesellschaftliches und individuelles Interessensfeld, das für uns alle von existentieller Bedeutung ist. Dabei ist Identität auch immer etwas, das wir auch suchen müssen. Jedes kleine Detail ist, wenn man sich darüber bewusst wird, Zeichen der Fremdartigkeit des Menschen, der sein Zuhause in einer Welt sucht, in die er nicht vollständig passt.
In der Oper shibboleth verschwimmen die Grenzen zwischen Virtualität und Realität. In der Handlung folgen wir zwei Hackern (m/w), die sich in den Räumen des Internets kennenlernen und gemeinsam einen Ausweg in einen privaten Raum finden wollen.
Die neukomponierte Musik der Hindemith-Presiträgerin Aigerim Seilova vermischt sich unter der Regie von jari. mit der Videokunst von KLARA (Janina Luckow) zu einer Multimediaoper, die das Publikum in die Weiten der Digitalität führt. Ein Musiktheaterabend, der die (virtuelle) Welt zeigt, wie sie vielleicht schon morgen Wirklichkeit ist…
SHIBBOLETH auf der Website der Hochschule für Musik und Theater Hamburg








