(openPR) Die Erfahrungen der letzten zwölf Monate verdeutlichen, dass traditionelle Vorstellungen und Haltungen zum Rollenverständnis der Geschlechter immer noch weit verbreitet sind. Mit dem Blick auf die Zeit nach der Pandemie ist es für die LAG-Väterarbeit deshalb wichtig, nicht einfach an den Februar 2020 anzuknüpfen, sondern aus den Erfahrungen die Konsequenzen zu ziehen, welche Vätern die Wege in die Familie erleichtern und ihnen das Aufrechterhalten von Beziehungen und Bindungen auch nach einer Trennung ermöglichen.
Reformstaus beseitigen
Die LAG Väterarbeit NRW fordert daher, folgende Punkte auf die familienpolitische Agenda zu setzen und zügig in geltendes Recht umzusetzen:
- Einen Rechtsanspruch auf eine Vaterschaftsfreistellung von 14 Tagen nach der Geburt eines Kindes entsprechend der Vereinbarkeitsrichtlinie der EU,
- die Weiterentwicklung von Elternzeit und Elterngeld im Sinne einer Ausweitung der Partner- bzw. Väter- Monate und einer mittelfristig anzustrebenden paritätischen Aufteilung der verfügbaren Zeit zwischen den Elternteilen,
- die automatische Zuordnung des Sorgerechts nach Anerkennung der Vaterschaft sowie
- eine Änderung des Grundsatzes ‚einer betreut, einer zahlt‘ beim Unterhaltsrechts nach einer Scheidung bzw. Trennung
Partnerschaftlich gelebte Elternschaft stärken
Darüber hinaus bedarf es weiterer politische Maßnahmen. Partnerschaftliche elterliche Verantwortungsübernahme ist bereits in intakten Beziehungen eine große Herausforderung. Arbeitswelt, das Kinderbetreuungssystem und Schulen sind dafür jedoch noch längst nicht angemessen ausgestattet. Umso herausfordernder ist die gemeinsame Verantwortungsübernahme nach einer Trennung bzw. Scheidung. Der Rückgriff auf tradierte Rollenmuster verhindert jedoch gleichberechtigte Lösungen und die Aufrechterhaltung und Entwicklung gemeinsam praktizierter Elternschaft. Die Widersprüche zu den persönlichen Leitbildern fördern eine Konfliktlage, die zu den psychologischen und praktischen Aufgaben, die das Trennungspaar ohnehin zu bewältigen hat, noch hinzukommt.
Hier braucht es passende, verpflichtende Beratungsangebote für Väter und Mütter um die Frage der Betreuung der Kinder vor der Trennung bzw. Scheidung zu klären und Eltern dabei zu unterstützen eine tragbare Lösung zu finden.
Die gemeinsame Verwirklichung der Reformen in den vier benannten Bereichen wird nach Auffassung der LAG-Väterarbeit NRW dazu beitragen, die in der Corona-Zeit noch einmal besonders sichtbar gewordenen Lücken zwischen den Vorstellungen der Mehrheit der Väter und Mütter, sich Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich aufzuteilen, und den gelebten Wirklichkeiten zu schließen und die nach wie vor wirksamen traditionellen Rollenzuschreibungen zu beseitigen.
Nicht nur der britische Guardian sieht dafür jetzt die größte Chance nach 1945[1]. Auch in der Befragung, die die LAG Väterarbeit unter ihren Mitgliedern im Mai und Juni 2020 durchgeführt hat, ist dies sehr deutlich geworden.
Die meisten Väter haben flexibel auf die Krise reagiert, neue intensive Erfahrungen mit ihren Partnerinnen und Kindern gemacht, und in den meisten Fällen Veränderungen wie das Home-Office schätzen gelernt. Das partnerschaftliche Rollenmodell hat sich bewährt. Es war und ist richtig, Väter stärker in die Familienarbeit einzubeziehen, und es ist für die Stärkung dieses Engagements bedeutsam, sie noch mehr wahrzunehmen, zu ermutigen und ihnen Möglichkeiten und Räume für gegenseitigen Austausch und Weiterentwicklung zu bieten. [2]
[1] https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2020/nov/19/pandemic-could-lead-to-most-profound-shift-in-parenting-roles-since-wwii-say-experts-coronavirus
[2] https://www.lag-vaeterarbeit.nrw/2020/06/19/re-traditionalisierung-vaeter-engagieren-sich-mehr-in-familie/








