(openPR) Die Online-Praxisverwaltung Lemniscus macht es vor: Während es in den üblichen Programmen nur die Unterscheidung zwischen „männlich“ und „weiblich“ gibt, kann Lemniscus auch „divers“ einordnen. Damit nimmt das Programm der Firma pgt technology scouting GmbH bestimmt eine Vorreiterrolle bei den für Heilpraktiker angebotenen Praxisverwaltungen ein.
Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, ist leider nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Zur heute gewünschten und anerkannten „Diversität“ gehört zum einen die „Genderfrage“, zum anderen aber auch das Verständnis von Identität. Aus diesem Grund will man bei Lemniscus nicht von Innovation sprechen: „Schließlich war die Umsetzung längst überfällig, auch wenn man gefühlt als erster über die Ziellinie gekommen ist – schnell waren wir definitiv nicht. Das Urteil vom Bundesverfassungsgericht war im Herbst 2017, der Gesetzgeber hat Ende 2018 schlussendlich das dritte Geschlecht eingeführt. Erst Ende Oktober waren wir soweit“, so Papick Taboada, der Geschäftsführer von pgt.
https://www.openpr.de/pressemitteilungen/pgt-technology-scouting-gmbh-0208282/
Das lange Zeit geltende Personenstandsrecht verstößt nach neuerer Gesetzgebung gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Dem wollte das Bundesverfassungsgericht entgegenwirken, schließlich gibt es schon seit 2017 ein besonderes Diskriminierungsverbot. Die anerkannten Geschlechterkategorien „männlich“ und „weiblich“ wurden nun mit dem Gesetz zur Änderung der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben um eine neue Kategorie „divers“ erweitert und somit intersexuelle Menschen sichtbar gemacht.
Mehr als eine Spielerei: Diversität als ernsthaftes Anliegen
Wer über Diversität spricht, macht sich automatisch Gedanken über Klassifikation. Wir in Europa halten uns natürlich für diejenigen Gesellschaften, die ihre „Aufklärung“ längst hatten, das unterscheidet und identifiziert uns doch geradezu! Diese Haltung kann dazu führen, dass man unkritisch wird und meint, alles schon zu wissen und nichts mehr ändern zu müssen.
Diversität kann vieles bedeuten, aber vor allem sollten wir die Vielfalt, die unsere Gesellschaft ausmacht, nutzen. „Anderssein“, ganz gleich welcher Art, ob in Bezug auf Hautfarbe, Geschlecht, religiöse oder sexuelle Orientierung, ist immer positiv: Es bedeutet Gewinn, Wege aus der Eindimensionalität, Horizonterweiterung.
Es gibt Transvestiten, Transsexuelle und Intersexuelle. Während transvestite Menschen gelegentlich Kleidung des anderen Geschlechts tragen, transsexuelle Menschen eher dauerhaft sich „im falschen Körper“ fühlen aber dennoch biologisch eindeutig männlich oder weiblich sind, sind intersexuelle Menschen – also „inter“ oder „divers“ – diejenigen, die anhand ihrer äußeren Geschlechtsmerkmale oder ihres Genoms weder als Junge noch als Mädchen klar eingeordnet werden können.
Es kann so einfach sein: Lemniscus nimmt die Therapeut*n ernst, die die Patient*n ernstnehmen
In der Online-Praxisverwaltung Lemniscus werden prinzipbedingt die Stammdaten der Patient*n erfasst. Die Anrede in Lemniscus wurde von Beginn an immer vom angegebenen Geschlecht abgeleitet. Aus diesem Grund war die Angabe des Geschlechts auch verpflichtend. Was anfangs nicht möglich war, führt heute automatisch dazu, dass die Anrede für alle Therapeuten auf die neue, dreigeschlechtliche Ausgangslage angepasst werden kann.
Wer sich noch nie mit dieser Thematik befasst hat, könnte auf die Idee kommen, dass es ausreicht, wenn man statt „männlich“ oder „weiblich“ einfach „keine Angabe“ ankreuzen kann. Damit ist aber längst nicht allen Betroffenen gedient.
Gerade die Unterscheidung zwischen "keine Angabe eines Geschlechts" und "divers" ist sehr wichtig. Während manche Menschen einfach nur geschlechtsneutral, also ohne Attribute wie zum Beispiel „Herr“ oder „Frau“ angesprochen werden möchten, z.B. „Guten Tag, Max Mustermann“, haben andere den ausdrücklichen Wunsch, ganz offensichtlich als „divers“ behandelt und angesprochen zu werden.
Das ist ein sehr großer Unterschied, nämlich der zwischen "Farblosigkeit" und "Farbe bekennen" – und es ist die Aufgabe der Softwareanbieter, diese Unterscheidung zu verstehen und umzusetzen. Dabei wird gern übersehen, dass die Idee, dass es genau zwei Geschlechter gibt, vielen anderen Kulturen sogar fremd ist. Menschen leben in Gemeinschaften in einer Gesellschaft. Das wiederum bedeutet, dass wir auf andere eingehen müssen – und das ist auch gut so.
Übrigens haben die Macher von Lemniscus sich für die Umsetzung der Anrede mit dem Gender*stern und nicht mit dem Gender_gap entschieden. „Damit die Anrede aber nicht wieder nur auf männlich oder weiblich beschränkt bleibt“, so Papick Taboada von pgt, „haben wir uns bei der diversen Anrede für die Versionen ‚Lieb* Max Mustermensch‘ oder ‚Sehr geehrt* Max Mustermensch‘ entschieden.“ Zur Erklärung fügt er hinzu: „Der Genderstern als letztes Zeichen am Wortende ist die kleinere Lese-Stolperfalle. Er bläht Texte nicht unnötig auf und ist typografisch unkritisch. Und vor allem: So wird die Diversität verdeutlicht, ohne dass man sich wieder auf die Auswahl Mann/Frau beschränken muss.“
Zum Schluss Fragen, die man sich stellen darf: Wie kommt es, dass der Markt auf die neuen Gesetzesvorgaben nur schleppend reagiert? Kaum eine Software oder ein Formular wird auf die neue Anforderung umgestellt - warum wird das ignoriert?
Lemniscus hat sich dieser Herausforderung gestellt und will mit der Software-Umstellung auf die zusätzliche Möglichkeit, „divers“ zu wählen, ein Zeichen setzen. Bei der Gelegenheit wurde auch die vierte Option umgesetzt: keine Angabe eines Geschlechts – was wiederum zu einer geschlechtsneutralen Anrede führt.
Jeder, der sich ein wenig mit der Umsetzung auseinandergesetzt hat, wird feststellen, es sich um ein spektakuläres Urteil handelt und dass wir sprachlich und gesellschaftlich vor einer großen Aufgabe stehen.
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