openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Reform des Studiengangs Medizin: Profil des Faches Pathologie muss sichtbar bleiben

03.09.201808:55 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Der Masterplan 2020 zur Reform des Studienganges Medizin wurde Ende März 2017 verabschiedet. Eine Expertenkommission klärt nun die Umsetzung. Das Fachgebiet Pathologie begrüßt die Neuausrichtung und Modernisierung der Methoden. Ihr Plädoyer: Die Konturen der einzelnen Disziplinen dürfen dabei aber nicht verloren gehen.

Der Masterplan 2020 sieht Veränderungen bei der Studienstruktur und den Ausbildungsinhalten vor. Zukünftig sollen Studierende frühzeitig lernen, sich am Patienten und dessen Bedürfnissen zu orientieren. Das Studium und auch die Zulassung werden stärker auf die verschiedenen Rollen des ärztlichen Alltags ausgerichtet und entsprechende soziale und kommunikative Fähigkeiten gefördert.

Ein zweiter Schwerpunkt der Reform sieht die Aufwertung der Allgemeinmedizin vor. Alle Studierenden sollen nach der Reform im Staatsexamen in diesem Fach geprüft werden.

Als dritter wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang auch die sogenannte Landarztquote zu nennen. Verschiedene Bundesländer diskutieren, diese Quote einzuführen oder haben schon mit der Umsetzung begonnen. Zehn Prozent der Studienplätze könnten bald deutschlandweit an Bewerber gehen, die sich verpflichten, nach der Ausbildung zehn Jahre als Hausarzt auf dem Land zu arbeiten.

Bedeutung der Reform für die Lehre

Welche Bedeutung die Reform des Studiengangs für die Lehre hat, erläutert Prof. Dr. Phillipp Ströbel, Direktor des Instituts für Pathologie der Universität Göttingen und Mitglied der Expertenkommission: „Die Ausbildungsreform wird zu einer Überarbeitung und vermutlich einer Straffung der Ausbildungsinhalte und auch der Staatsexamensprüfungen führen. Im vorklinischen Studienabschnitt werden theoretische Inhalte und klinisch-praktische Aspekte noch stärker verknüpft.“

Kritisch sieht Prof. Ströbel, dass sich das Studium immer mehr auf rein prüfungsrelevante Inhalte verengt, die momentan schematisch abgefragt werden: „Dies halte ich für ein Unglück. Meines Erachtens muss zukünftig unbedingt an innovativen Prüfungsformen gearbeitet werden, um die kompetenzorientierten Ziele des Masterplans auch im Lehralltag zu verankern.“

Studierende sollen klinische Bezüge sehen
Die Notwendigkeit, dass Studierende Zusammenhänge erkennen können und wissen, warum sie etwas lernen, betont auch Prof. Dr. Christoph Brochhausen-Delius, stellvertretender Direktor und Leitender Oberarzt am Institut für Pathologie der Universität Regenburg, und ebenfalls Mitglied der Expertenkommission: „Ein Problem ist, dass die Prüfungen im Multiple-Choice-Verfahren erfolgen. Dabei geht es immer um Details. Im Unterricht wollen wir dagegen den Blick der Studierenden weiten und fordern sie auf, sich mit dem klinischen Bezug eines Befundes zu beschäftigen.“

Der Experte aus dem Fachbereich Pathologie sieht gerade in der kritischen Auseinandersetzung mit den anatomisch-pathologischen Veränderungen und den klinischen, bildgebenden und laborchemischen Untersuchungsbefunden eine elementare Aufgabe der Pathologie in der medizinischen Lehre. Prof. Brochhausen-Delius: „Damit werden die Studierenden an die Einordnung von Befunden für die Entscheidungsfindung in Diagnostik und Therapie herangeführt. Nur so kann trainiert werden, welche diagnostischen Verfahren in welcher Reihenfolge zur korrekten Diagnose führen und eine zielgerichtete Therapie ermöglichen.“

Orientierungslosigkeit vermeiden

Eine Gefahr sehen die Experten bei der Neuausrichtung des Studiums darin, dass die fachspezifischen Inhalte mehr und mehr mit Blick auf das übergreifende System von Kompetenzen aufgelöst werden. Prof. Ströbel und Prof. Brochhausen-Delius: „Letztendlich weiß dann kein Student mehr, für welches Fach er oder sie sich beruflich entscheiden soll. Was bleibt, wäre dann nur eine große Orientierungslosigkeit. Schon allein deshalb müssen die Konturen der einzelnen Disziplinen erhalten bleiben.“

Auch wenn beide Pathologen den Masterplan als Chance für Optimierungen begreifen, betonen sie die Bedeutung der Pathologie als Brückenfach zwischen den vorklinisch-theoretischen Fächern und den klinischen Fächern: „Die Pathologie hat mit ihrer Betonung auf Nomenklaturen und Systematiken eine wichtige propädeutische Funktion, die sich im Curriculum abbilden sollte.“

Die ausführliche Version des Interviews finden Interessierte auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP) unter
https://www.pathologie-dgp.de/die-dgp/aktuelles/meldung/reform-des-studiengangs-medizin-profil-des-faches-pathologie-muss-sichtbar-bleiben/

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1016529
 397

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Reform des Studiengangs Medizin: Profil des Faches Pathologie muss sichtbar bleiben“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Deutsche Gesellschaft für Pathologie

Corona-Pandemie: Patienten dürfen keinesfalls auf wichtige Diagnostik verzichten
Corona-Pandemie: Patienten dürfen keinesfalls auf wichtige Diagnostik verzichten
Erste repräsentative Umfrage vom 7.4.2020 unter 30 deutschen Universitätspathologien ergibt massiven Rückgang von Gewebe-Einsendungen. Daran lässt sich der Einbruch von ärztlicher Tätigkeit im stationären und insbesondere im ambulanten Bereich ablesen. Seit der Corona-Krise verzeichnen Pathologen einen deutlichen Einbruch bei eingesendeten Gewebeproben. Dies ergab eine erste repräsentative Umfrage vom 7. April 2020 unter 30 deutschen Universitätspathologien. Mehr als die Hälfte der Universitätsinstitute meldeten einen Rückgang von mehr als 2…
Bild: Pathologie – Beruf und Familie gleichberechtigt lebenBild: Pathologie – Beruf und Familie gleichberechtigt leben
Pathologie – Beruf und Familie gleichberechtigt leben
Für die angehende Fachärztin Dr. Wiebke Solaß gibt es kein attraktiveres und anspruchsvolleres medizinisches Fachgebiet als die Pathologie. Mit knapp fünf Jahren praktischer Erfahrung schätzt sie es sehr, Karriere und Privatleben erfolgreich zu verbinden. „Pathologie ist für mich das spannendste Fach der Medizin“, betont Dr. Wiebke Solaß. „Hier kommen die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen zusammen und anders als in anderen Fachgebieten haben Pathologen als Allrounder den gesamten Menschen im Blick“, so die angehende Fachärztin. Sie h…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Bedarfsplanung bremst Tumormedizin ausBild: Bedarfsplanung bremst Tumormedizin aus
Bedarfsplanung bremst Tumormedizin aus
In der Tumortherapie fallen die Entscheidungen in der Pathologie. Für die personalisierte Krebstherapie identifiziert der Pathologe individuelle molekulare Merkmale des Tumors. Daran orientieren sich die behandelnden Ärzte mit speziell zugeschnittenen medikamentösen Therapien – ein großer Fortschritt für die Patienten. Diese Innovationen zu fördern, …
Bild: Im Auftrag des LebensBild: Im Auftrag des Lebens
Im Auftrag des Lebens
5. Dessauer Molekularpathologie-Symposium Etwa 1.300 Pathologen sind bundesweit tätig. Mit ihrem spezifischen Wissen in einem komplexen Fachgebiet gelten sie als Allrounder in der Medizin und leisten für die moderne Tumordiagnostik und -therapie einen wertvollen Dienst. „Insbesondere im Bereich der Molekularpathologie sind rasante Entwicklungen zu verzeichnen. …
Bild: Pathologen wollen Kräfte bündelnBild: Pathologen wollen Kräfte bündeln
Pathologen wollen Kräfte bündeln
… der Zukunft werden sich verstärkt neue Verbünde für strukturelle Kooperationen bilden. Bundesweit erstmalig wurden die Kompetenzen eines universitären Institutes für Pathologie in München mit den von 7 weiteren Praxen für Pathologie im Bereich der Molekularpathologie gebündelt. Diese „Teil-Gemeinschaftspraxis Molekularpathologie Süd-Bayern“ besteht …
Deutschlands erster Master-Studiengang Management of Creative Industries an bbw Hochschule zugelassen
Deutschlands erster Master-Studiengang Management of Creative Industries an bbw Hochschule zugelassen
… die bbw Hochschule ab dem kommenden Wintersemester 2015/16 in Berlin den ersten Master-Studiengang Management of Creative Industries in Deutschland. "Die Genehmigung des neuen Studiengangs ist ein Meilenstein in der deutschen Hochschullandschaft und die Entwicklung des Faches Management of Creative Industries. Der Digital Shift betrifft den gesamten …
Bild: Bundeskongress Pathologie 2015Bild: Bundeskongress Pathologie 2015
Bundeskongress Pathologie 2015
Der „15. Bundeskongress Pathologie Berlin“ findet vom 24.-26.04.2015 im Hotel MARITIM proArte in der Friedrichstraße in Berlin statt. Mit dem Kongress 2015 startet der Bundesverband Deutscher Pathologen eine neue Serie: in jedem Jahr wird er zukünftig ein „Partnerfach“ hinzubitten. Die Pathologen beginnen die Serie mit der Inneren Medizin. Zwei Gründe …
Bild: Pathologie – Beruf und Familie gleichberechtigt lebenBild: Pathologie – Beruf und Familie gleichberechtigt leben
Pathologie – Beruf und Familie gleichberechtigt leben
Für die angehende Fachärztin Dr. Wiebke Solaß gibt es kein attraktiveres und anspruchsvolleres medizinisches Fachgebiet als die Pathologie. Mit knapp fünf Jahren praktischer Erfahrung schätzt sie es sehr, Karriere und Privatleben erfolgreich zu verbinden. „Pathologie ist für mich das spannendste Fach der Medizin“, betont Dr. Wiebke Solaß. „Hier kommen …
Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter
Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter
… Therapieerfolge bei Ersterkrankungen / Zentrale Gewebearchivierung von großer Bedeutung / Seltene Erkrankungen: Themenschwerpunkt auf der Jahrestagung 2018 der Deutschen Gesellschaft für Pathologie Rund 250 Kinder und Jugendliche erkranken jährlich neu an malignen Lymphomen. Diese Krebserkrankungen, die von Zellen des lymphatischen Systems ausgehen …
Bild: Pathologen schließen Kooperationsvertrag mit Marburger BundBild: Pathologen schließen Kooperationsvertrag mit Marburger Bund
Pathologen schließen Kooperationsvertrag mit Marburger Bund
… Aktivitäten ab. Der BDP übernimmt die fachgebietsspezifische Beratung gemeinsamer Mitglieder, insbesondere von Ärztinnen und Ärzten in der Weiterbildung. Er stellt ihnen das Logbuch „Weiterbildung Pathologie“ sowie die aktuellen Materialien und sonstigen Serviceangebote des Verbandes zur Verfügung, die Mitglieder auch auf der Webseite abrufen können. Der MB …
Bild: Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im KindesalterBild: Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter
Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter
… Therapieerfolge bei Ersterkrankungen / Zentrale Gewebearchivierung von großer Bedeutung / Seltene Erkrankungen: Themenschwerpunkt auf der Jahrestagung 2018 der Deutschen Gesellschaft für Pathologie --- Rund 250 Kinder und Jugendliche erkranken jährlich neu an malignen Lymphomen. Diese Krebserkrankungen, die von Zellen des lymphatischen Systems ausgehen und …
Bild: Neuer Zwei-Fach-Bachelor verbindet universitäre Theorie mit beruflicher PraxisBild: Neuer Zwei-Fach-Bachelor verbindet universitäre Theorie mit beruflicher Praxis
Neuer Zwei-Fach-Bachelor verbindet universitäre Theorie mit beruflicher Praxis
… Wintersemester 2012/13 einen neuen Studiengang ein Zum Wintersemester 2012/13 bietet die Universität Koblenz-Landau erstmals einen Zwei-Fach-Bachelor an. Die neuartige Konzeption des Studiengangs verbindet das Studium von zwei gleichberechtigten Fächern mit der Möglichkeit, gefragte Schlüsselkompetenzen zu erwerben und ein ganz persönliches Profil zu …
Sie lesen gerade: Reform des Studiengangs Medizin: Profil des Faches Pathologie muss sichtbar bleiben