köln ist ein idealer ort für simulationen. seit hunderten von jahren lebt es sich gut von einem legendären ruf: ein tiefes verwurzeltsein in einer beinahe zweitausend jahre alten christlichen tradition, der blühende handel im mittelalter, die aufgeschlossenheit den künsten gegenüber, der traditionsreiche karneval, das weltoffene kölnische gemüt, die vielfalt der kulturen; das ineinander-verschränktsein verschiedenster legenden macht das leben leicht. das haben die medien längst für sich erkannt. aber hat es auch die kunst?
„cologne contemporary – international art biennale 08“ möchte die simulativen potentiale der kunst auskosten. in der ganzen welt sprießen kunstbiennalen, -triennalen und -quadriennalen aus dem boden. köln steht allein auf weiter flur. das hat nun ein ende.
42 junge talente aus 30 ländern stellen köln ihre arbeiten erstmals einem internationalem publikum vor. ihr schaffen umfaßt skulpturales, installationen, malerei, film, photographie, literatur, neue medien, zeichnung, konzeptuelles, aktionskunst und performance. hervorgegangen aus der künstlergruppe „arteplage“ um harald szeemann und dessen monumentale kunstschau „geld und wert - das letzte tabu“ auf der schweizer expo`02, bildete sich der lockere zusammenschluß um einen kern von zwölf künstlern im laufe der letzten vier jahre; man arbeitete temporär, oftmals rein ideell zusammen, besprach seine ansätze, verwarf konzepte und besuchte mehrmals die domstadt zur gemeinsamen besprechung und schlichtweg zur inspiration. das konzept einer selbstkuratierten kunst-biennale, das weltweit keine vorgänger hat, verbindet netzwerkhaft die mitglieder untereinander und sträubt sich gegen eine professionalisierte vermarktung und firmenhafte repräsentation.
„cologne contemporary – international art biennale 08“ ist ein vexierspiel um vielfalt und einheit, um das personale prinzip in der kunst und seine fetischisierung. es ist ein fest des heteronymismus, der bis hinein ins leben ragt. der kunstbegriff erfährt eine entscheidende erweiterung: die simulation erstreckt sich nicht bloß auf das verhältnis von werk und lebenswelt, sondern auf die kunstproduktion selbst, auf künstlertum, biographismus und die gängigen präsentationsformen zeitgenössischer kunst. es entsteht eine junge, internationale kunstschau jenseits des etablissements, jenseits von galeristen-interessen. bunt, vielfältig, kontrovers und für manche entdeckung gut.
ein ausführlicher katalog, der 2010 im verlag contantin post, köln erscheinen wird, gibt auskunft über den künstlerischen werdegang der teilnehmer; er zeigt die ausgestellten werke und gibt in ausführlichen interviews aufschluß über die hintergründe ihres schaffens.
die teilnehmer der biennale im einzelnen:
andreas burckhardt, london
judith bernays, zürich
guiseppe & pietro lini, montalbano
irène weill, toulon
FROZEN NOISE, chicago
gordon hill, melbourne
eva torrent, barcelona
claire-marie trudeau, paris
sonja saarinen, helsinki
huub smekens, rotterdam
hongyu di, shanghai
richard anderson, new york
gibral nadir, köln/london
simonetta bruni, bologna
isayas mehari, berlin
phillippe vergot, paris
marketa semanova, hamburg
georg joachim schmitt, köln
hallgrímur vilhjálmsson, reykjavik
simin naziri, london
humberto casals, brüssel
antonella fresu, neapel
silvia kommerell, bern
zsuzsa csomor, budapest
phil mccollum, toronto
jonas arvidsson, lund
rexhep noli, rom
lambert ludwig, düsseldorf
ruedi baum, aarau
stephanie verbeeck, antwerpen
shin tae-woo, seoul
catherine maddrell, amsterdam
tadej zaic, ljubiliana
jenny evans-jones, seattle
tobias meineke, braunschweig
jelena dalins, riga
hiroshi oe, nara
nathan mandelbaum, haifa
terese de sena, porto
aiglé pucinskaité, kopenhagen