15.05.2006 - 09:20 - Politik, Recht & Gesellschaft

Öffentliche Diskussionsveranstaltung: "Bedingungsloses Grundeinkommen als Antwort auf die Krise der 'Arbeitsgesellschaft'"

Pressemitteilung von: Manuel Franzmann, Universität Frankfurt/M.

Eine Diskussion über Chancen, Risiken und Folgeprobleme.

Am Freitag, den 14. Juli 2006 findet um 19.00 Uhr in der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main eine öffentliche Diskussionsveranstaltung zum Reformvorschlag eines bedingungslosen Grundeinkommens statt, das jedem Staatsbürger ohne Anforderungen von der Wiege bis zur Bahre in zum Leben ausreichender Höhe gezahlt wird.

Veranstaltet wird die Diskussion von einer Gruppe von Soziologen der Frankfurter Universität, die sich seit einigen Jahren mit dem genannten Reformvorschlag als möglicher Antwort auf die Krise der "Arbeitsgesellschaft" beschäftigen. Die Teilnehmer der Diskussion sind herausragende Wissenschaftler und ein Unternehmer, die den Grundeinkommensvorschlags vertreten oder mit ihm symphatisieren, so daß nicht die üblichen Einwände gegen diesen Reformvorschlag zur Diskussion stehen werden, sondern vielmehr die Fortentwicklung des Grundeinkommensdiskurses auf der Tagesordnung steht.

Der Grundeinkommensvorschlag gewinnt seine Relevanz vor allem angesichts einer Massenarbeitslosigkeit, die Folge immer weiter fortschreitender Produktivitätssteigerungen ist mit der Konsequenz, daß die Rückkehr zur Vollbeschäftigung als Illusion erscheint. Wie der Sozialhistoriker Prof. Dr. Georg Schildt (Braunschweig) jüngst in einem Aufsatz noch einmal detailliert nachgewiesen hat, ist das Sinken des absoluten Arbeitsvolumens in Deutschland - und nicht nur in Deutschland - ein alter historischer Trend, der bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurücklangt. Diese Tatsache wird von Ökonomen wie etwa Hans Werner Sinn vom ifo Wirtschaftsforschungsinstitut München notorisch ignoriert, dessen Erklärung der Massenarbeitslosigkeit historisch viel zu kurz greift. Sinn behauptet, die seit Mitte der 1970er Jahre entstandene und immer weiter anwachsende Massenarbeitslosigkeit sei Folge zu hoher Lohnforderungen der Gewerkschaften und eines Sozialstaats, der mit seiner Absicherung durch Sozialhilfe einen naturwüchsigen Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt verhindere. Diese auf den ersten Blick vielleicht plausibel klingende Deutung erweist sich als falsch, wenn man sieht, daß die strukturelle Massenarbeitslosigkeit die Folge des lang anhaltenden historischen Trends eines sinkenden absoluten Arbeitsvolumens ist, der Mitte der 1970er Jahre den Punkt erreicht hat, an dem die fortwährende Reduktion der Arbeitszeit nicht mehr zu einer Humanisierung der Arbeit führte und eine sinnvolle Rekreation ermöglichte, sondern schlicht in eine Zunahme von Freizeit umschlug. Der Grundeinkommensvorschlag versteht sich als Konsequenz dieser Entwicklung einer fortschreitenden Rationalisierung, welche die Produktionsfaktoren Wissen und Kapital in ihrer Bedeutung immer weiter zunehmen läßt zulasten der quantitativen Bedeutung lebendiger menschlicher Arbeitskraft. Die Folge ist, daß Erwerbsarbeit nicht mehr als kollektiv verbindliches Normalmodell der erwachsenen Lebensführung aufrecht erhalten werden kann. Das Grundeinkommen würde den Ausstieg aus diesem anachronistischen kollektiven Lebensmodell ermöglichen. Allerdings stellen sich auch eine Fülle von Fragen, die auf der genannten Veranstaltung diskutiert werden sollen. Ausgeklammert bleiben dabei Fragen der Finanzierung, die eine eigene Veranstaltung erfordern würden. Es kann jedoch grundsätzlich in Anspruch genommen werden, daß ein Grundeinkommen im Bereich des Möglichen liegt, wie verschiedene Wissenschaftler gezeigt haben (Prof. Dr. Helmut Pelzer, Uni Ulm, Prof. Götz W. Werner, Uni Karlsruhe, Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, um nur einige Namen aus Deutschland zu nennen).

Teilnehmer:

- Ulrich Oevermann, Professor für Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität Frankfurt am Main

- Claus Offe, Emeritus-Professor für Politische Soziologie und Sozialpolitik an der Humboldt-Universität Berlin, Professor für Politische Soziologie an der Hertie School of Governance

- Philippe Van Parijs, Professor an der Université catholique de Louvain, Chaire Hoover d'éthique économique et sociale, Visiting Professor am Department of Philosophy an der Harvard-University

- Georg Vobruba, Professor für Soziologie der Sozialpolitik an der Universität Leipzig

- Götz W. Werner, Professor für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe, Unternehmer, Gründer und Vorsitzender der Geschäftsführung der DM-Drogeriemarktkette

Zeit: Freitag, den 14. Juli 2006, 19 bis 22 Uhr

Ort: Universität Frankfurt am Main, Westend-Campus, IG-Farben-Gebäude, Grüneburgplatz 1, Nebengebäude, Raum NG 1.741a/b

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Manuel Franzmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im soziologischen Forschungsprojekt "Praxis als Erzeugungsquelle von Wissen" im Forschungskolleg "Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel" der Johann Wolfgang Goethe-Unversität Frankfurt am Main.

Manuel Franzmann (M.A.)
Postanschrift:
Johann Wolfgang Goethe-Universität
SFB/FK 435 - Teilprojekt D3
Grüneburgplatz 1
D-60323 Frankfurt am Main
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