(openPR) Das Durchstechen von Haut- und Körperstellen zum Tragen von Schmuck ist keine moderne Erfindung. Schon Ötzi, der über 5000 Jahre alte Mann aus der Jungsteinzeit, trug Tätowierungen und gedehnte Piercings im Ohr. Sicher war er nicht der erste Mensch mit solchen Körpermodifikationen. Auch altägyptische Pharaonen trugen geweitete Ohrlöcher. Buddha-Statuen und Keramikartefakte der Azteken, die menschliche Köpfe darstellen, weisen ebenfalls extrem gedehnte Ohrläppchen auf. Bei vielen, verschiedene Ethnien Ozeaniens, Afrikas, Amerikas und Asiens wurden und werden die unterschiedlichsten Körperteile zum Anbringen von Schmuck durchstochen. Die Anlässe hierfür waren in der Regel ritueller Art. Spätestens seit den 1990er Jahren ist Piercing auch hierzulande weit verbreitet. Wie kam es dazu und welche Motive verbergen sich heute dahinter?
Schmuck, der unter die Haut geht
Ab dem 15. Jahrhundert fuhren europäische Seefahrer auf die Weltmeere, um neue Kontinente zu entdecken und zu erobern. Europa war zu diesem Zeitpunkt ein recht unbeschriebenes Blatt bezüglich gewagten Körperschmucks. Bis in die Generation unserer Großeltern hinein waren Ohrringe wohl das einzige Piercing, das man seit der Neuzeit in den kulturellen Zentren Europas kannte. Zwar gibt es auch immer wieder Behauptungen, in elitären Kreisen hätte es hier auch früher schon erotische Piercings gegeben, aber beweisen lässt sich das nicht. Was die Entdeckungsreisenden nun auf ihren Fahrten zu sehen bekamen, muss ihnen mitunter die Sprache verschlagen haben. In Afrika und im brasilianischen Regenwald gab es Menschen, die Pflöcke und Scheiben in Ohren und Lippen trugen. Auf manchen Südseeinseln waren Eingeborene am ganzen Körper oder sogar im Gesicht tätowiert und trugen ebenfalls außergewöhnliche Piercings. In Mittelamerika und Südostasien existierten Stämme, bei denen in rituellen Zeremonien die Zunge, die Wangen, die Lippen und die Ohren durchstochen wurden. Auch die Genitalien oder der Rücken wurden in rituellen Handlungen mit Nadeln oder anderen Gegenständen durchbohrt. Manche dieser Schmuckformen und Rituale leben bis heute fort. Der Piercingschmuck in diesen damals fernen Weltgegenden war aus Steinen, Knochen, Perlen, Federn, Hölzern und Metallen hergestellt. Die Eroberer taten zunächst das, was man von Eroberern erwarten würde. Sie nahmen alles, was ihnen wertvoll und exotisch erschien, mit nach Hause. Dabei machten sie auch vor dem Abtransport von Menschen nicht halt. Die ersten fremdländischen "Exoten" landeten an europäischen Höfen, um den Adel zu amüsieren.
Fremdes wird zu Eigenem
In darauf folgenden Zeiten gehörten die ehemalige Bewohner anderer Kontinente nicht selten zu Varietès oder Wandertheatern, wo sie als Attraktionen das Volk unterhalten mussten. Im 19. Jahrhundert galten Völkerschauen als Publikumsmagnet. Angeblich niedere Rassen wurden dort in in ihrer "natürlichen" Umgebung vor zahlenden Besuchern präsentiert. Dieses Kapitel ist heute abgeschlossen, wenngleich Unrecht an Menschen immer noch an der Tagesordnung ist. Die Verbreitung des Piercings in der sogenannten westlichen Welt nahm schließlich in den 1960er und 1970er Jahren in den USA seinen Lauf. Verschiedene Gruppen und Bewegungen adaptierten beinahe zeitgleich die exotischen Schmuckformen indigener Völker für sich. Zum einen waren es die Hippies, die sich besonders in Indien zu Nasen- und Ohrenpiercings inspirieren ließen. Zum anderen entwickelte sich die Bewegung der "Modern Primitives", die Form und Art ihres Piercing-Schmucks direkt von "primitiven" Völkern in Afrika, Amerika und der Südsee abschaute. Auch die Punkbewegung und die Fetischszenen öffneten sich dem Piercing. 1975 gab es den ersten Piercing-Shop in Los Angeles. Nachdem immer mehr Sport- und Musikstars das Piercing für sich entdeckten, kam es auch nach und nach im Mainstream an. Heute gehört Piercing auch bei uns zum ganz alltäglichen, urbanen Erscheinungsbild. Für viele ist Piercing einerseits Ausdruck eines individuellen Schmuckbedürfnisses, andererseits das Zeichen einer inneren Haltung, die sich der Anpassung und Uniformität widersetzt. Überall bieten Piercing Shops Piercingschmuck an, der so exotisch und vielfältig ist wie einst, als man nur außerhalb Europas diese Art der Körpermodifikation pflegte. Und auch die hygienischen Bedingungen in den Piercingstudios sind für alle Arten von Piercing modern und sicherer geworden.
Weitere Informationen über das Thema Piercing gibt es hier: http://cristal-jewelry.de/piercingschmuck.html










