(openPR) Die deutsche Politikwissenschaft rückt zunehmend von ihrer „Vaterfigur“ ab, die bislang sogar Namensgeber für einen renommierten Politologen-Preis war: Nach neueren Archiv-Funden ist die Rolle des Tübinger Politologen Theodor Eschenburg (1904-1999) in der NS-Zeit nämlich nicht über jeden Zweifel erhaben. Eschenburg habe sich seinerzeit dem damaligen Regime angepasst und auch nach 1945 eine Aufarbeitung seiner Vergangenheit nicht befördert. Seine Memoiren seien diesbezüglich unvollständig. Strittig bleibt auch der Grad der Involvierung in eine „Arisierungsmaßnahme“ in der NS-Diktatur.
Auf dem Kongress der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW), der noch bis zum 28.9.12 in Tübingen stattfindet, kam es nun zur öffentlichen Diskussion über die Rolle Eschenburgs. Dabei wurden Stimmen laut, die eine Umbenennung des DVPW-Preises forderten. Man könne schließlich keine Ehrung mit einem Namen vornehmen, der nicht vollständig unbelastet sei. „Wir wollen und brauchen diese Diskussion. Aber wir befinden uns eben auch gerade mitten in der Diskussion, die noch nicht abgeschlossen ist“, erklärte der DVPW-Vorsitzende Hubertus Buchstein anlässlich des DVPW-Kongresses in Tübingen.
Seit dem Jahr 2003 verleihen Vorstand und Beirat der DVPW alle drei Jahre im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Kongresse den Theodor-Eschenburg-Preis der DVPW für das Lebenswerk einer Politikwissenschaftlerin bzw. eines Politikwissenschaftlers. Die bisherigen Preisträger sind Prof. Dr. Gerhard Lehmbruch (2003), Prof. Dr. Helga Haftendorn (2006) und Prof. Dr. Wilhelm Hennis (2009). In diesem Jahr 2012 wird Prof. Dr. Claus Offe mit dem Preis geehrt.










