openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Pflegereform darf keine neuen Beratungsstrukturen schaffen

21.05.201209:45 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Qualifizierte Beratung für pflegebedürftige Menschen muss gezielt ausgebaut werden


Berlin (dvsg). Neben grundlegenden Schwächen beinhaltet das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes (PNG) Regelungen, die für pflegebedürftige Menschen den Zugang zu notwendigen Sozialleistungen verbessern können. Dazu gehören aus Sicht der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e. V. (DVSG) unter anderem die Stärkung der Beratung von Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen sowie die Stärkung der Ziels „Rehabilitation vor Pflege“. Bei diesen Punkten sind die konkreten Umsetzungsvorschläge im Detail jedoch kritisch zu bewerten. Die Einführung eines Anspruchs auf Beratung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung auf Leistungen aus der Pflegeversicherung stellt eine richtige Weichenstellung dar. Allerdings werden durch das vorgesehene Beratungsgutscheinsystem neue Beratungsstrukturen initiiert, die nicht zielführend sind. Stattdessen schlägt der Fachverband vor, die schon bestehenden Beratungsstrukturen - wie Pflegestützpunkte und Sozialdienste in Kliniken - für eine qualitative Beratung, auch im Hinblick auf die Umsetzung des Prinzips „Rehabilitation vor Pflege“, systematisch zu stärken.



Die an sich positiven Ziele der „Stärkung der Beratung Pflegebedürftiger und ihrer Angehöriger“ und der Stärkung des Prinzips „Rehabilitation vor Pflege“ sind nach Meinung von Heike Ulrich, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DVSG, in der Umsetzung im Detail nicht überzeugend. „Die Einführung eines Anspruchs auf Beratung für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung auf Leistungen ist hilfreich. Die im Gesetzentwurf vorgesehenen neuen Beratungsinstitutionen, die von den Kassen mit der Aufgabe der Pflegeberatung betraut werden sollen, halten wir aber für kontraproduktiv. Nicht nur das Gesundheitswesen ist für Laien schwer zu durchschauen, inzwischen verlieren die Bürger auch bei der Vielzahl der Beratungsstellen den Überblick“ so Heike Ulrich. Die DVSG fordert deshalb den eingeschlagenen Weg des Ausbaus und der Stärkung der Pflegestützpunkte weiterzugehen. Heike Ulrich weiter: „Dazu braucht es mehr als eine kleinteilige Ergänzung des Beratungsspektrum. Wir wünschen uns, dass Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam mit den Kassen an einem großen Wurf zur weiteren Verbesserung der ambulanten Beratungsstruktur auf Basis des Konzepts ‚Pflegestützpunkte‘ arbeiten“.

Ambulante Beratungsstrukturen erreichen im Vorfeld einer Antragstellung allerdings nur einen kleineren Teil der pflegebedürftigen älteren Menschen, da die überwiegende Zahl der Erstanträge aus dem Krankenhaus heraus erfolgt, beispielsweise wenn ältere Menschen auf Grund eines Unfalls oder einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes stärkere gesundheitliche und funktionale Einschränkungen erleben. Anzustreben ist aus Sicht der DVSG daher eine enge Verzahnung der ambulanten Pflegestützpunkte mit den stationären Strukturen der psychosozialen Beratung in den Sozialdiensten der Akutkrankenhäuser und Rehabilitationskliniken. In den Krankenhäusern beraten qualifizierte Sozialarbeiter/Sozialpädagogen schon seit jeher auch zu allen psychosozialen und sozialrechtlichen Fragenstellungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit. Diese Stellen könnten als Kristallisationskerne für den Aufbau von Pflegestützpunkten an oder in Krankenhäusern dienen, die sowohl die Beratung von stationär versorgten Patienten übernehmen, als auch ambulante Beratungsleistungen als Pflegestützpunkt anbieten.

Weiterhin ist die Intention des Gesetzgebers zur Stärkung des Grundsatzes „Rehabilitation vor Pflege“ aus Sicht der DVSG außerordentlich begrüßenswert. Die Beratung zu Maßnahmen der Rehabilitation sind ein fester Bestandteil der gesetzlich garantierten Pflegeberatung und können dazu dienen, die Versicherten bei der Beantragung und Organisation einer Rehabilitationsmaßnahme weiter zu unterstützen. Die regelhafte Einbeziehung der Pflegeberatung in den Pflegstützpunkten oder den Pflegekassen ist zur Umsetzung des Grundsatzes „Rehabilitation vor Pflege“ erforderlich, um die Nachhaltigkeit der eingeleiteten und durchgeführten Maßnahmen zu sichern. Weiterhin ergeben sich gerade bei gelungener Vermeidung oder Minderung von Pflegebedürftigkeit nach einer Rehabilitationsmaßnahme Ansätze zu einer gesundheitsorientierten und präventiven Beratung, die helfen kann, den Gesundheitsstatus der Betroffenen weiter zu verbessern oder zu erhalten, so dass der Eintritt von Pflegebedürftigkeit oder eine Verschlimmerung hinausgezögert werden kann.

Da der überwiegende Teil der Erstanträge durch den Eintritt eines gesundheitlichen Ereignisses (z.B. Oberschenkelhalsbruch, Schlaganfall) erfolgt, das mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden ist, entscheidet sich an der Schnittstelle Krankenhausentlassung in welche Richtung die zukünftige Ve-sorgung geht. „Daher muss an dieser Stelle eine gezielte Steuerung in die Rehabilitationsmaßname erfolgen, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu vermindern. Im Akutkrankenhaus sind alle Professionen zur Beurteilung der Rehabilitationsfähigkeit und der Pflegebedürftigkeit vorhanden und können dort zeitnah begutachten. Die Sozialarbeiter der Krankenhaussozialdienste können umfassende Pflegeberatung direkt an der Schnittstelle durchführen und entsprechende Maßnahmen einleiten, erläutert Heike Ulrich. Zur schnellen und lösungsorientierten und konkreten Umsetzung des Grundsatzes "Rehabilitation vor Pflege" schlägt die DVSG vor, ein standardisiertes Verfahren mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) zu vereinbaren, der nach dem Erhalt umfassender Informationen eine Empfehlung zur Rehabilitation oder zur weiteren Versorgung in stationären Kurz- oder Dauerpflegeeinrichtungen ausspricht. Diese kann dann ohne Verzögerung von den Sozialdiensten eingeleitet und umgesetzt werden.

Die DVSG hat diese Vorschläge zur Verbesserung der Beratung pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen in einer weitergehenden Stellungnahme zum Gesetzesentwurf in die weitere Diskussion eingebracht. Nach der grundsätzlichen Einschätzung des Fachverbandes werden die wesentlichen Herausforderungen zur Verbesserung der Pflege in Deutschland durch das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz nicht angepackt, die positiven Ziele des Entwurfs werden zu zögerlich umgesetzt, im Detail finden sich dazu problematische Regelungen, die gute Absichten konterkarieren. Positiv bewertet die DVSG den Einstieg in Leistungsverbesserungen für Pflegebedürftige und die neuen Möglichkeiten zur Flexibilisierung der Inanspruchnahme von Leistungen. Die geplanten Differenzierungsmöglichkeiten bei der Vergütung der Pflegesachleistung nach Zeitaufwand oder nach Leistungsinhalten verschafft den Pflegebedürftigen mehr Auswahl bei der Zusammenstellung und ist begrüßenswert.

Für die DVSG liegt die Schwäche des vorgelegten Gesetzentwurfs aber darin, dass notwendige Reformschritte zur Verbesserung der Versorgung von an Demenz erkrankten Menschen hinter dem Machbaren zurückgeblieben sind. Das notwendige Projekt der Umsetzung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, der zu einer grundlegend besseren Berücksichtigung der Bedarfe Demenzkranker führen soll, wurde gar nicht erst angegangen. Auch zu einer nachhaltigen Finanzierung der Pflegeversicherung finden sich keine Vorschläge im Gesetz.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 633857
 248

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Pflegereform darf keine neuen Beratungsstrukturen schaffen“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen (DVSG)

Bild: Kompetenzen und Ressourcen der Sozialen Arbeit müssen künftig stärker genutzt werdenBild: Kompetenzen und Ressourcen der Sozialen Arbeit müssen künftig stärker genutzt werden
Kompetenzen und Ressourcen der Sozialen Arbeit müssen künftig stärker genutzt werden
100 Jahre Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e. V. (DVSG) - Politischer Festakt am 16. März 2026 in der Hörsaalruine der Charité Berlin (dvsg) Krankheit und Gesundheit werden nicht nur bio-medizinisch bestimmt, sondern wesentlich auch durch psychische und soziale Faktoren beeinflusst. Diese Zusammenhänge sind seit dem frühen 20. Jahrhundert bekannt und wissenschaftlich belegt. Entsprechend werden Gesundheit und Krankheit längst im Sinne eines bio-psycho-sozialen Modells verstanden. In den sozialen Sicherungssystemen …
Bild: Über 130 Organisationen fordern: Solidarische Gesundheitsversorgung statt AusgrenzungBild: Über 130 Organisationen fordern: Solidarische Gesundheitsversorgung statt Ausgrenzung
Über 130 Organisationen fordern: Solidarische Gesundheitsversorgung statt Ausgrenzung
Für einen verbesserten Zugang zu Gesundheitsversorgung für alle Menschen in Deutschland und ein klares Bekenntnis zur Solidarität und für Zusammenhalt – dazu ruft Ärzte der Welt gemeinsam mit 136 Verbänden, Gewerkschaften und Organisationen auf. „Mit der Unterzeichnung des gemeinsamen Appells Gesundheit unteilbar treten wir gegen Ausgrenzung und für einen gerechten und diskriminierungsfreien Zugang zum Gesundheitssystem ein. Damit wollen wir gemeinsam mit vielen weiteren Akteur*innen kurz vor der Bundestagswahl ein starkes Zeichen für Zusamme…

Das könnte Sie auch interessieren:

Pflegereform – Vorrang muss die Diskussion über den Inhalt der anstehenden Reform haben
Pflegereform – Vorrang muss die Diskussion über den Inhalt der anstehenden Reform haben
Neuss, den 23.09.2011 - Pflegereform – Vorrang muss die Diskussion über den Inhalt der anstehenden Reform haben Zu den vielfältigen und sehr unterschiedlichen Vorstellungen, wie eine Pflegereform finanziert werden kann / soll, erklärt der Vorstand von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk, Werner Schell: Im Vordergrund aller Überlegungen und Erörterungen …
Aktionsbündnis – menschenwürdige Pflege jetzt – Nächstes Treffen am 20.04.2011
Aktionsbündnis – menschenwürdige Pflege jetzt – Nächstes Treffen am 20.04.2011
… (Themen, Referenten usw.) wird noch gesondert informiert. Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist der Meinung, dass die bislang bekannt gewordenen politischen Vorstellungen über eine Pflegereform weit von dem entfernt sind, was wirklich nötig ist. Die bereits durchgeführten Pflege-Dialog-Veranstaltungen unter Führung des BMG haben nicht erkennen lassen, …
Pflegenotstand auflösen und Pflegebedürftigkeitsbegriff neu ausrichten
Pflegenotstand auflösen und Pflegebedürftigkeitsbegriff neu ausrichten
… bestehende Pflegenotstand in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen beseitigt wird. Neben einer Neugestaltung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes (§ 14 SGB XI) muss es daher bei einer Pflegereform, die diesen Namen verdient, darum gehen, die Stellenschlüssel in den Pflegesystemen deutlich zu verbessern und insoweit eine verlässliche Grundlage in Form eines …
SP SeniorenPartner begrüßt die Pflegereform 2021: Ein wichtiger Schritt für die 24 Std.-Pflege zu Hause
SP SeniorenPartner begrüßt die Pflegereform 2021: Ein wichtiger Schritt für die 24 Std.-Pflege zu Hause
… Unternehmen SP SeniorenPartner setzt sich seit Jahren aktiv im Kampf für mehr Rechtssicherheit im Bereich der sog. 24-Stunden-Betreuung ein. In Anbetracht der bevorstehen Pflegereform blickt man bei SP SeniorenPartner der Zukunft positiv entgegen: „Im Rahmen der häuslichen Betreuung wird vor allem das soziale Miteinander zwischen Betreuungskräften und …
Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) ein grandioser Flop
Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) ein grandioser Flop
… Pflege-Rahmenbedingungen und der Pflegenotstand bleiben uns so erhalten Der von der Bundesregierung am 28.03.2012 beschlossene Gesetzentwurf für ein Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) ist weder eine Pflegereform noch eine Neuausrichtung der Pflegeversicherung. Er enthält nicht im Ansatz das, was seit Jahren mit Rücksicht auf die demografische Entwicklung bzw. …
Wichtige Veränderungen für Betroffene in 2009
Wichtige Veränderungen für Betroffene in 2009
Ab Januar 2009 tritt eine weitere Stufe der Pflegereform in Kraft. In zwei wesentlichen Punkten gibt es Veränderungen für die über 2 Millionen Betroffenen in Deutschland. Ab dem 1. Januar 2009 besteht ein Rechtsanspruch auf umfassende Pflegeberatung durch die Krankenkassen. Sogenannte Fallmanager geben Auskunft über Leistungsansprüche und zur Finanzbeihilfe …
Bild: KinderRechteForum klagt gegen BMBFSFJ: Hilfe und Beratungsstellen für Kinder aktuell keine Priorität?
KinderRechteForum klagt gegen BMBFSFJ: Hilfe und Beratungsstellen für Kinder aktuell keine Priorität?
… leidet im Herbst 2025 jedes fünfte deutsche Kind unter einer geringen gesundheitsbezogenen Lebensqualität und psychischen Problemen. Dennoch wurde der Aufbau von niedrigschwelligen Beratungsstrukturen durch das KRF in der Priorisierung zurückgestellt. Das KRF hat beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) einen …
Bild: Pflegenotstand in Deutschland – BPA Landesgeschäftsstellenleiter Joachim Görtz im InterviewBild: Pflegenotstand in Deutschland – BPA Landesgeschäftsstellenleiter Joachim Görtz im Interview
Pflegenotstand in Deutschland – BPA Landesgeschäftsstellenleiter Joachim Görtz im Interview
… Probleme und laufende Veränderungen im Pflegesektor berichtet. Aktuell steht die in der Politik viel beworbene und in den Medien ebenso häufig aufgegriffene Pflegereform auf dem Prüfstand der Öffentlichkeit. Pflegedienst-online.info hat unter anderem diese Neuerung zum Anlass genommen, die Pflegebranche einer aktuellen Bestandsaufnahme zu unterziehen …
Bild: Aktuelle Umfrage bei Vincentz.net – Kontrollen in PflegeheimenBild: Aktuelle Umfrage bei Vincentz.net – Kontrollen in Pflegeheimen
Aktuelle Umfrage bei Vincentz.net – Kontrollen in Pflegeheimen
… stationären Pflegeeinrichtungen, wie nicht zuletzt auch der 2. Bericht des MDK belegt hat. „Um Missstände in Pflegeheimen in den Griff zu kriegen, sieht die Pflegereform Kontrollen im dreijährigen Turnus vor. Für jährliche Kontrollen und strengere Kontroll-Standards sprechen sich hingegen führende SPD-Sozialpolitiker aus. Wie stehen Sie dazu?“ So haben …
Bild: Pflegereform bleibt PflegefallBild: Pflegereform bleibt Pflegefall
Pflegereform bleibt Pflegefall
Neudietendorf 13/03/2008 Wenn der Bundestag Freitag die Pflegereform verabschiedet, gibt es einige Verbesserungen für Betroffene und Angehörige. Zum ersten Mal seit Einführung der Pflegeversicherung erhöhen sich die Geldleistungen in den einzelnen Pflegestufen. Außerdem verbessern sich die Betreuungsangebote für Demenzkranke. Doch nach Berechnungen des …
Sie lesen gerade: Pflegereform darf keine neuen Beratungsstrukturen schaffen