(openPR) Das 4. Wilhelmsburger Herniensymposium am 20. und 21. Januar in Hamburg kann als voller Erfolg gewertet werden. Das Symposium war bereits zwei Wochen vor Beginn ausgebucht. Insgesamt verzeichnete der Kongress mit dem Titel „Der komplexe und komplizierte Leisten- und Bauchwandbruch“ 450 Teilnehmer sowie Referenten und Gastoperateure aus zehn verschiedenen Ländern.
Höhepunkte der acht Operationen, die live aus dem Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand in das Kongressgebäude übertragen wurden, waren die Original Lichtenstein-Operation von Prof. Parviz Amid vom Lichtenstein Hernia Institute in Los Angeles und die in Hamburg-Wilhelmsburg entwickelte Methode eines Bauchwandbruchverschlusses mit endoskopischer Kunststoffnetzeinlage vor der Bauchwandhöhle. Diese Technik hat die bisherige Platzierung in der Bauchhöhle revolutioniert und bietet entscheidende Vorteile, so Dr. Wolfgang Reinpold, Ärztlicher Direktor des Wilhelmsburger Krankenhauses Groß-Sand und Chefarzt der Abteilung für Chirurgie und des Hernienzentrums sowie wissenschaftlicher Leiter des Symposiums in seinem Vortrag.
Auch sehr große Bauchwandbrüche können mit Hilfe dieser „less-open Sublayhernioplastik kombiniert mit der endoskopischen Komponentenseparation“ mit kleinen Schnitten operiert werden. Durch die Lage des Netzes vor dem Bauchfell muss kein Fremdmaterial in die Bauchhöhle eingebracht werden und das Risiko von Darmverwachsungen kann dadurch minimiert werden. Weiterer Vorteile sind das durch die kleinen Schnitte verringerte Infektionsrisiko und weniger Schmerzen nach der Operation.
Für die Behandlung von riesigen Bauchwandbrüchen stellte Prof. Dr. Michael Rosen aus Cleveland in Ohio/USA erstmalig in Europa seine Technik der „posterioren Komponentenseparation“ vor. Mit diesem Verfahren kann die Kunststoffnetzeinlage nicht nur im vorderen Bauchdeckenbereich, sondern auch im Bereich der Flanke vor dem Bauchfell implantiert werden – und zwar ohne wichtige Strukturen wie Nerven und Blutgefäße zu verletzen.
Weitere Themen waren die von Privatdozent Dr. Christian Hollinsky aus Wien vorgestellten neuesten Erkenntnisse über die Biomechanik der Bauchwand und die von Prof. Dr. René Fortelny aus Wien präsentierte Operationsvorbereitung und -technik bei extrem riesigen Brüchen, in deren Folge der Darm sein „Heimatrecht“ in der Bauchhöhle verloren hat. In diesem
Fall sind die im Bruchsack befindlichen Eingeweide so groß, dass in der Bauchhöhle kein Platz mehr für sie ist. Prof. Dr. Fortelny und Prof. Dr. Agneta Montgomery berichteten auch über die Behandlung von Patienten mit großen Bauchwanddefekten bei Bauchfellentzündung und Prof. Ferdinand Köckerling aus Berlin stellte die ersten Einjahres-Ergebnisse des ersten Deutschen Hernien-Registers Herniamed vor.
In diesem Register sind inzwischen fast 25.000 Leisten- und Bauchwandbruchoperationen eingegeben. Die Komplikationsraten werden zeigen, welche Operationsverfahren bei bestimmten Patienten und Befundkonstellationen die besten sind. Schon jetzt zeichnet sich allerdings ein Trend zugunsten endoskopischer Operationen durch die Schlüssellochchirurgie ab. Auch bei der Einbringung der Kunststoffnetze werden weitere Verbesserungen angestrebt. Neue Materialien seien vielversprechend, so Prof. Dr. Uwe Klinge aus Aachen, müssten allerdings noch ausgiebig getestet werden. Der Trend gehe eindeutig zu großporigen Netzen.
Ein voller Erfolg war auch der von Dr. Wolfgang Reinpold aus Hamburg-Wilhelmsburg, Dr. Ralph Lorenz und Dr. Bernd Stechemesser aus Berlin entwickelte dreitägige Intensivkurs „Hernie kompakt“ für Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung zum Allgemein- und Viszeralchirurgen. Am ersten Tag hospitierten die 50 Teilnehmer in chirurgischen Abteilungen von Krankenhäusern, die auf Hernienchirurgie spezialisiert sind. Am zweiten Tag gab es unter Anleitung national und international renommierter Experten Anatomieübungen und Operationen in der Pathologie und am dritten Tag Lektionen über den aktuellsten Stand der OP-Technik.
Dr. Wolfgang Reinpold: „Der Kurs hat Modellcharakter auch für andere Bereiche und trägt entscheidend zur Verbesserung der chirurgischen Ausbildung bei.“ In einer Abschlussauswertung wurde „Hernie kompakt“ von den Teilnehmern als sehr gut bewertet.

























