openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Ein Licht für jedes Menschenleben - Gedenkgottesdienst für die Liebenauer Euthanasie-Opfer

31.01.201212:32 UhrGesundheit & Medizin
Ein Stück Kälte aushalten – vor dem Bild mit dem Todes-Bus
Ein Stück Kälte aushalten – vor dem Bild mit dem Todes-Bus

(openPR) MECKENBEUREN-LIEBENAU - 501 Kerzen brennen. Jede von ihnen steht für ein Menschenleben. Die Kerzen führen zum großformatigen Bild des roten Busses mit blinden Scheiben. Mit ihm wurden die Patienten – vom NS-Regime als lebensunwertes Leben bezeichnet – ab dem 1. Juli 1940 "verlegt". 501 Menschen aus Liebenau wurden in eigens für diesen Zweck eingerichteten Tötungsanstalten wie Grafeneck ermordet. Mit einem Gottesdienst setzte die Stiftung Liebenau am 27. Januar ihr Gedenken an die Liebenauer Euthanasie-Opfer fort.



Es waren Menschen

Ganz bewusst wurde der Beginn des Gedenkgottesdiensts für die 501 Liebenauer Euthanasie-Opfer nach draußen gelegt. "Wir wollen ein Stück Kälte aushalten", sagte Prälat Michael H.F. Brock, Vorstand der Stiftung Liebenau, und zeigte zum Bild des Busses, der auch zu einer Ausflugsfahrt aufbrechen könnte. "Wir sprechen von unmenschlichen Taten", so Brock. "Aber es waren keine Unmenschen, es waren Menschen. Wir sprechen von barbarischen Taten. Aber es waren keine Barbaren, es waren Menschen." Leider gebe es kein Lernen der Generationen. Vielmehr müsse jeder neu und für sich lernen, dass jeder Mensch mit Würde ausgestattet sei. Brock warnte vor der Spirale, Kategorien für lebenswertes und lebensunwertes Leben zu bilden. "Eine solche Spirale kann nur zur Unmenschlichkeit führen."

Ein Schicksal stellvertretend für viele

Jeder der Besucher des Gedenkgottesdienstes nahm eine der Kerzen mit in die Kirche und erhielt eine weiße Rose. Stellvertretend für die vielen Opfer, berichtete Prälat Brock von einem Schicksal. "Das Schicksal vieler übersteigt unser Vorstellungsvermögen", schickte er voraus. Den Blick auf ihre Kerze oder ihre Rose gerichtet hörten die Besucher den "Brief an Anna", der von einem ihrer Nachfahren geschrieben wurde. Zufällig sei er im Internet über den Namen der früh verstorbenen Schwester des Vaters gestoßen. Prälat Brock liest von den Spuren der Erinnerung: "Anna war ein liebes, sanftmütiges Mädchen. Man konnte sich ganz normal mit ihr unterhalten, nur das Lernen fiel ihr schwer. Nach dem Besuch der Hilfsschule ging sie der Mutter im Haushalt zur Hand."

Habt ihr während der Fahrt geredet?

Nach dem nationalsozialistischen Rassegesetz galt Annas Leben als minderwertig und sie wurde am 2. November 1935 zwangssterilisiert. Als schwachsinnig eingestuft kam sie in eine Heil- und Pflegeanstalt. Beim fragwürdigen Intelligenztest wurde Anna nach dem Unterschied zwischen einem Kind und einem Zwerg gefragt. "Kinder gehen in die Schule, Zwerge tragen Zipfelmützen", wurde als Antwort festgehalten. Anna konnte Rhein und Ruhr als deutsche Flüsse nennen und einfache Rechenaufgaben lösen. Am 6. März 1940 wurde sie nach Grafeneck "verlegt". Die Fahrt dauerte stundenlang. "Habt ihr während der Fahrt geredet? Hoffentlich hat sich niemand gewehrt oder seine Angst herausgeschrieen", las Prälat Brock. "Du wurdest ‚verlegt‘! Und du ‚verstarbst‘ am 23.04.1940 – Todesursache Bauchfellentzündung – welch beschönigende Worte für das, was mit Dir geschah!".

Kerzen und Rosen am Gedenkstein

"Schenke uns einen wachen Blick für Ideologien und Menschen, die uns verführen wollen", lautete eine der Fürbitten. Viele Besucher brachten ihre Kerze und ihre Rose nach dem Gottesdienst zum Gedenkstein mit den Namen der 501 Liebenauer Euthanasie-Opfer in der Kirche oder zum "Stolperstein" beim Eingang zum Schloss. "Die Krankenzimmer sind gelüftet, die Betten neu bezogen. Aber das Rollen der Räder auf den Gleisen vibriert unter dem Gras, das darüber gewachsen ist. Ganz leise", zitierte Prälat Brock aus einem Gedicht.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 603435
 1446

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Ein Licht für jedes Menschenleben - Gedenkgottesdienst für die Liebenauer Euthanasie-Opfer“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Stiftung Liebenau

Bild: Pflegereform: Was meint die Stiftung Liebenau?
Pflegereform: Was meint die Stiftung Liebenau?
MECKENBEUREN-LIEBENAU – Eigenanteile deckeln, häusliche Pflege verbessern: Das sind zwei der neuen Ideen für eine Pflegereform, die Gesundheitsminister Jens Spahn im Oktobervorgelegt hat. Die Stiftung Liebenau begrüßt die Vorschläge, sieht allerdings deutlichen Verbesserungsbedarf, wie Vorstand Dr. Berthold Broll im Interview mit regioTV erläutert. Bausteine zur Verbesserung Ein wichtiges Ziel der sechs Milliarden Euro schweren Reform ist es, Pflegebedürftige zu entlasten. Ihr Eigenanteil am Pflegesatz in der stationären Pflege soll künftig…
Bild: Vom „Wohnheim“ zu technischen Assistenzsystemen – 30 Jahre Altenhilfe der Stiftung Liebenau
Vom „Wohnheim“ zu technischen Assistenzsystemen – 30 Jahre Altenhilfe der Stiftung Liebenau
MECKENBEUREN-LIEBENAU – Aus heutiger Sicht scheint Altenhilfe vor 30 Jahren wie aus einer anderen Zeit. Denn seither hat sich viel verändert: 1990 bildete die Übernahme vom Haus St. Antonius in Friedrichshafen den Beginn der Altenhilfe bei der Stiftung Liebenau. Heute gehören 34 Häuser der Pflege, 29 Mehrgenerationen-Wohnanlagen nach dem Konzept „Lebensräume für Jung und Alt“, das Angebot ServiceWohnen, Sozialstationen sowie weitere differenzierte Angebote dazu. Häuser für Mägde und Knechte Steffi Müller-Jöhnk arbeitet seit 30 Jahren im Ha…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Schüler gestalten Gedenkstunde für Opfer der Euthanasie in Liebenau
Schüler gestalten Gedenkstunde für Opfer der Euthanasie in Liebenau
… ermordet wurden. Schüler des Leistungskurses Geschichte am Montfort-Gymnasium Tettnang setzten sich mit dem Geschehen auseinander und gestalteten eine bemerkenswerte Gedenkstunde im Liebenauer Schloss. Für Integration, Toleranz und Offenheit Grün sitzt rechts, Rot sitzt links. Jeder Besucher erhält beim Betreten des Liebenauer Schlosssaales von den …
Bild: Gedenken an die Liebenauer Euthanasie-Opfer
Gedenken an die Liebenauer Euthanasie-Opfer
… Ethikrat. Nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus Am Freitag, 27. Januar 2012, dem Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird es um 18.30 Uhr einen Gedenkgottesdienst mit Prälat Michael H.F. Brock in der Liebenauer Kirche St. Maria geben. 501 Männer, Frauen und Kinder wurden in den Jahren 1940/41 umgebracht. Mit dem …
Bild: Auch Liebenau ist DENKort gegen das Vergessen
Auch Liebenau ist DENKort gegen das Vergessen
… Berthold Broll, Vorstand der Stiftung Liebenau, voraus. "Wir wollen nicht nur die Geschichte aufarbeiten, sondern auch eine Kultur der Erinnerung pflegen." Nur wenige Menschenleben konnte der damalige Vorstand der Stiftung Liebenau, Josef Wilhelm, retten. Insgesamt 501 Menschen mit Behinderung aus Liebenau mussten als "geistig tote Ballastexistenzen" …
Bild: Bewegende Lesung zum Gedenken an die Liebenauer Euthanasieopfer
Bewegende Lesung zum Gedenken an die Liebenauer Euthanasieopfer
… – Es gibt Momente, die so ergreifend sind, dass Worte fehlen. Solche Momente waren bei der Lesung von Monika Taubitz, anlässlich des jährlichen Gedenkens an die Liebenauer Opfer der Euthanasie, spürbar. Mucksmäuschenstill war es in dem mit rund 120 Gästen voll besetzten Schloss-Saal, als die Meersburger Autorin bewegende Episoden aus ihrem Werk „Dort …
Bild: Gegen das Vergessen
Gegen das Vergessen
… erinnerte die Stiftung Liebenau an ihre Opfer der Euthanasie. Diakon Josef H. Friedel vom Kulturkreis Meckenbeuren (Abteilung Heimatgeschichte) dokumentierte die Schicksale der ermordeten Liebenauer Bewohner. In seinem Vortrag "Dem Vergessen entrissen" berichtete er aus seinen Recherchen. Wenn der Bus kommt Diakon Josef H. Friedel war von 1974 bis 2002 …
Bild: Erstmals auf Antrag monatliche Entschädigungsleistungen für Euthanasie-GeschädigteBild: Erstmals auf Antrag monatliche Entschädigungsleistungen für Euthanasie-Geschädigte
Erstmals auf Antrag monatliche Entschädigungsleistungen für Euthanasie-Geschädigte
Neufassung der AKG-Härterichtlinien vom 28.3.2011 in Kraft getreten Berlin (21.04.11). Der Deutsche Bundestag hat am Gedenktag für die NS-Opfer am 27.1.2011 dem Antrag zur Änderung von Entschädigungsleistungen für Opfer von Zwangssterilisierung und „Euthanasie“ zugestimmt. Durch die Veröffentlichung im Bundesanzeiger vom 1.4.2011 tritt diese Neufassung rückwirkend zum 1.1.2011 in Kraft. Damit bekommen erstmals auch „Euthanasie“-Geschädigte - das sind die Kinder der ermordeten „Euthanasie“-Opfer - die Möglichkeit, eine monatliche Entschädigu…
Bild: Gedenktag für die Opfer der Euthanasie
Gedenktag für die Opfer der Euthanasie
… Tätern, Anstiftern und Gehilfen von damals den Prozess zu machen. Jens Rommel, Leiter der Zentralen Stelle, wird im Rahmen des jährlichen Gedenktags für die Euthanasie-Opfer über Chancen und Grenzen der juristischen Aufklärung berichten – und über Versäumnisse bei der Verfolgung der Euthanasieverbrecher. Mit ihrem jährlichen Gedenken will die Stiftung …
Bild: Stiftung Liebenau gedenkt der Opfer der Euthanasie
Stiftung Liebenau gedenkt der Opfer der Euthanasie
… Chancen und Grenzen, aber auch über Versäumnisse im Zuge der juristischen Aufklärung. Größter Gegner ist die Zeit Ein fröhlich lachender Mann mit einem Akkordeon schaut von der Leinwand im Liebenauer Schloss. „Er wurde am 4. November 1940 nach Grafeneck gebracht und noch am selben Tag umgebracht. Ob die Täter gefasst wurden – wir wissen es nicht“, sagte …
Bild: Vortrag von Theologe Prof. Dr. Schockenhoff zum Gedenken an die Liebenauer Euthanasie-Opfer
Vortrag von Theologe Prof. Dr. Schockenhoff zum Gedenken an die Liebenauer Euthanasie-Opfer
MECKENBEUREN-LIEBENAU – Im Rahmen des jährlichen Gedenkens der Stiftung Liebenau an ihre Euthanasie-Opfer während des Nationalsozialismus hat der Theologe Professor Dr. Eberhard Schockenhoff über das Thema Menschenwürde gesprochen. Ist diese ein unantastbarer Anspruch oder eine gesellschaftliche Zuweisung? Wachsam sein im Umgang mit dem menschlichen …
Bild: "Damit so etwas nie wieder passiert!"
"Damit so etwas nie wieder passiert!"
… historisch wichtige DENKorte miteinander. Der Weg beginnt im Schlosspark Liebenau. Dort steht ein Findling und erinnert an die Opfer der Euthanasie. 501 Liebenauer Bewohner waren von den Nationalsozialisten in Grafeneck und Hadamar ermordet worden. Professor Wolfgang Marcus vom DENKstättenkuratorium NS-Dokumentation Oberschwaben und Dr. Berthold Broll, …
Sie lesen gerade: Ein Licht für jedes Menschenleben - Gedenkgottesdienst für die Liebenauer Euthanasie-Opfer