(openPR) "Die 5 Millionen förderbare Tonnen Erdöl decken nicht einmal einen Jahresbedarf Sachsens" bemerkt Norbert Rost, Leiter des Büros für postfossile Regionalentwicklung in Dresden. Er kritisiert damit die Berichterstattung über den "Sensationsfund" von Erdöl in der Lausitz. Die gefundene Menge von 15 Millionen Tonnen, von denen ein Drittel förderfähig scheint, ist für Brandenburg und Deutschland insgesamt bemerkenswert, letztlich jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein des zuende gehenden Ölzeitalters: Im Bundesland Sachsen wurden allein in 2008 mehr als 6 Millionen Tonnen verbraucht, mehr als der neue Fund ausweist. Für Rost ist die Abhängigkeit vom Mineralöl angesichts des globalen Ölfördermaximums eine viel wichtigere Nachricht: "In Deutschland werden täglich 2,4 Millionen Barrel Erdöl verbraucht, das sind 4 Liter pro Kopf - doch nur 3% davon werden hierzulande gefördert. Daran wird auch der Fund in der Lausitz nicht viel ändern." Mit dem Erreichen des Peak Oil, des Höhepunkts in der globalen Ölförderung, ist mit steigenden Preisen zu rechnen. Bereits in 2016 könnte ein Liter Benzin 2,50 Euro kosten errechnete das Büro im Rahmen einer Studie für die Grüne Landtagsfraktion in Sachsen. Bereits 2035 könnte Deutschland ohne nennenswerten Import von Mineralöl dastehen. Doch Vorsorgepläne oder Strategien gibt es bislang weder auf politischer noch auf unternehmerischer Ebene.
Rost: "Wie organisieren wir Stadt, wenn der Sprit 2,50 Euro kostet?" Er empfiehlt Kommunen und Unternehmen, alle Entscheidungen auch unter dem Blickwinkel steigender Ölpreise und absehbarer Ölknappheit zu prüfen: "Was müßte heute bereits entschieden wäre, wenn klar wäre, dass wir in 2035 ohne Mineralöl auskommen müßten?" Die Kommunen müßten sich ebenso wie die Unternehmen auf den Peak Oil vorbereiten.
Als "Peak Oil" wird der Zeitpunkt bezeichnet, ab dem die globale Ölförderung sich nicht mehr steigern läßt. Das größte deutsche Ölfeld Mittelplate hat seinen Peak bereits 2003 überschritten, die Förderung in der Nordsee 1999. Die globale Ölfördermenge stagniert seit 2005. Eine von der australischen Regierung beauftragte aber zurückgehaltene und später geleakte Studie ("Report 117") kam jüngst zu der Aussage, dass die Ölförderung voraussichtlich ab 2017 sinkt. Eine Studie des Zentrums für Transformation Bundeswehr empfiehlt eine "zeitgerechte Umsetzung einer [..] Transformation" hin zu "post-fossilen Gesellschaften". Andernfalls, so die Autoren, ist ein "Systemkollaps" nicht auszuschließen.













