openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Mehr Jagd, mehr Wildschweine

16.05.201109:49 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Mehr Jagd, mehr Wildschweine
Trotz intensiver Jagd kein Rückgang der Bestände
Trotz intensiver Jagd kein Rückgang der Bestände

(openPR) Zunächst mag man denken, es sei ein Widerspruch – doch die Realität lehrt uns anderes. Die Anzahl der getöteten Wildschweine - die Jäger sprechen von der „Schwarzwildstrecke" - ist im langjährigen Durchschnitt trotz einer Intensivierung der Jagd kontinuierlich steigend. Wurden in Deutschland im Jagdjahr 1990/91 noch etwa 212.000 Wildschweine im langjährigen Jahresschnitt zur Strecke gebracht, so waren das 19 Jahre später bereits 467.000, Tendenz steigend wie das Rekordergebnis von 2008/09 mit 647.000 toten Schweinen verdeutlicht.



Gründe für die starke Vermehrung der Wildschweine gibt es reichlich. So trägt der Klimawandel mit einer Häufung sogenannter „Mastjahre" dazu bei. Mastjahre bescheren dem Wild ein üppiges Angebot an Waldfrüchten wie Bucheckern und Eicheln und führen in den Folgejahren zu einer erhöhten Reproduktion. Hochrechnungen zufolge bringen Jäger dazu jedes Jahr etwa 125.000 Tonnen (!) Mais zum Anfüttern des Wildes in den Wald - zusätzlich zu dem Angebot unserer immer häufiger monokulturell angelegten Landwirtschaft, die den Schwarzkitteln mit riesigen Mais- oder Rapsfeldern übrigens eine prächtige Deckung bietet.

Die zuständigen Ministerien versuchen dieser Entwicklung mit einer seit Jahren zunehmenden Intensivierung der Jagd zu begegnen – bisher ohne Erfolg. Bei der Schwarzwildjagd gibt es in Deutschland kaum noch Tabus: Da werden revierübergreifende Gesellschaftsjagden mit Armeen von bis zu 300 Jägern und Treibern mit ihren Jagdhunden veranstaltet, das Jagen der für das Sozialgefüge so wichtigen Leitbachen - ob tragend oder nicht - propagiert, Frischlingsfallen aufgestellt, Tiere in der Winterruhe gestört, die Jagd des nachts mit Zusatzscheinwerfern erlaubt und Schonzeiten aufgehoben.

Der Umgang mit den Wildschweinen stößt auch im Kreis der Jägerschaft auf zunehmende Akzeptanzprobleme und auf Widerstand. Für Erhard Bäder, den Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz, wird die Schwarzwildjagd zum Stress für seine Jäger. Andere beklagen die Wertung der Tiere als Schädlinge. Schon 2002 prangert Norbert Happ, der bekannteste deutsche Wildschweinkenner – selber Jäger – an: „Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht". Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich. „Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten."

Zur Intensivierung der Jagd kommt eine Langzeitstudie von Wissenschaftlern um Sabrina Servanty, die 2009 im renommierten „Journal of Animal Ecology" veröffentlicht wurde, zu folgendem Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. In Gebieten, in denen wenig Jäger unterwegs sind, ist die Vermehrung der Wildschweine deutlich geringer, die Geschlechtsreife bei den Bachen tritt später und erst bei einem höheren Durchschnittsgewicht ein.

Prof. Dr. Josef H. Reichholf, der die Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung München leitet, führt diesen Sachverhalt auch darauf zurück, dass in einem Gebiet in welchem durch die Jagd viele Tiere getötet werden, die Verbliebenen ein besseres Futterangebot haben. „Tiere, die gestärkt überleben, pflanzen sich im Frühjahr zeitiger und zahlenmäßig stärker fort", sagt Reichholf.

Es gibt zahlreiche Indizien dafür, dass die Schwarzwildjagd trotz oder vielleicht gerade wegen der intensiven Bejagung hinsichtlich ihrer Effektivität am Ende ist. Neben tierschutzrechtlichen und ethischen Bedenken stößt die Jagd auch an zeitliche und räumliche Grenzen.

Eine Alternative zum hohen Jagddruck könnte die Rückkehr zur herkömmlichen Ansitzjagd sein, verbunden mit der strikten Unterlassung jeglicher Fütterung und im Rahmen der üblichen Jagdzeiten im Herbst und Winter. Unterstützen könnte man diesen Weg mittels Empfängnisverhütung in ausgewählten Regionen. Impfstoffe mit EU-Zulassung, die auch im Hinblick auf die Verwertung des Wildbrets unbedenklich sind, stehen im Bereich der Nutztierhaltung bereits zur Verfügung. Allerdings bedürfen hierzu einige Bereiche noch der wissenschaftlichen Begleitforschung, welche das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Berlin, voranbringt. Um die Finanzierung des 3-4 Jahre dauernden Projektes bemüht sich Wildtierschutz Deutschland.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 537701
 2122

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Mehr Jagd, mehr Wildschweine“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von JagdAberFair

Bild: JagdAberFair wird Wildtierschutz Deutschland e.V.Bild: JagdAberFair wird Wildtierschutz Deutschland e.V.
JagdAberFair wird Wildtierschutz Deutschland e.V.
Der gemeinnützige Verein Wildtierschutz Deutschland e.V. ist aus der erst vor etwa 15 Monaten gegründeten Tierschutz-Initiative JagdAberFair hervorgegangen und wird sich fortan einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit für Tierschutzthemen im zunehmend kritisch beäugten Bereich der Hobbyjagd annehmen. Themen, um nur einige zu nennen, sind Fallenjagd, Haustierabschuss, Schonzeiten, Jagdgesetzgebung. "Wir sind relativ schnell an einen Punkt angelangt, an dem es Sinn macht, sich als gemeinnützige Körperschaft zu organisieren" sagt Lovis Kauertz, …
Bild: 25 Jahre Tschernobyl - Wildschweine strahlen nochBild: 25 Jahre Tschernobyl - Wildschweine strahlen noch
25 Jahre Tschernobyl - Wildschweine strahlen noch
25 Jahre nach der Kernschmelze von Tschernobyl sind etwa 1.800 km westlich Waldböden, Pilze und Wildtiere immer noch mit Cäsium belastet. Besonders betroffen ist der süddeutsche Raum, wo jedes zweite Wildschwein zu hohe Strahlenwerte aufweist. Die Strahlenbelastung unterliegt dabei einer starken jahreszeitlichen Schwankung. Während Wildschweine im Sommer den zulässigen Grenzwert von 600 Bequerel oft weit unterschreiten, kann die Belastung in den Wintermonaten durchaus das Doppelte dieses Wertes erreichen. Grund ist das unterschiedliche Nahrun…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Landwirtschaftsministerien von Köberle, Brunner, Puttrich & Co. rufen zum Rechtsbruch aufBild: Landwirtschaftsministerien von Köberle, Brunner, Puttrich & Co. rufen zum Rechtsbruch auf
Landwirtschaftsministerien von Köberle, Brunner, Puttrich & Co. rufen zum Rechtsbruch auf
… glauben - zum Rechtsbruch gegen die eigenen Gesetze aufrufen? Beispiel: Baden-Württemberg. In seiner 10-Punkte-Empfehlung zur Schwarzwildbejagung ruft das Landwirtschaftsministerium dazu auf Wildschweine ganzjährig, großflächig, intensiv und revierübergreifend zu bejagen. Auch Bachen seien kein Tabu. Dazu Rechtsanwalt Storr, der in Vertretung von PETA …
Schluss mit der Hobby-Jagd
Schluss mit der Hobby-Jagd
… einleuchtend; je mehr Tiere getötet werden, desto geringer werden die Bestände. Ein Blick auf die Statistiken lehrt aber anderes: Anfang der 1980er Jahre wurden jedes Jahr etwa 150.000 Wildschweine und 850.000 Rehe durch Jäger erlegt, heute - 30 Jahre später - sind es jedes Jahr 500.000 Wildschweine und 1,1 Millionen Rehe*)! Die Wildtierbestände sinken nicht, …
Tierschutzorganisationen fordern Aufklärung: Tierschutzwidrige Jagd auf Wildschweine in Rheinland-Pfalz
Tierschutzorganisationen fordern Aufklärung: Tierschutzwidrige Jagd auf Wildschweine in Rheinland-Pfalz
Derzeit hört und liest man immer wieder, dass es zu viele Wildschweine gäbe. In einem Beitrag des SWR vom 18.10.2012 bezeichnen Jäger und Landwirte die Wildschweinzunahme als dramatisch und plädieren für eine weitere Verschärfung der Jagd auf das so genannte Schwarzwild. Insbesondere durch großflächige, revierübergreifende Bewegungsjagden mit Dutzenden …
Petition gegen Drückjagd in Kleinmachnow
Petition gegen Drückjagd in Kleinmachnow
Das Bündnis für Wildtierrespekt hat am Samstag, 20. 01. 2024 eine Petition gestartet, um weitere Drückjagden auf Wildschweine im Kleinmachnower Ortsgebiet zu verhindern. Im Hinblick auf die derzeitige Ausarbeitung neuer Jagdpachtverträge werden die Bürgermeister der Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf aufgefordert, sich für ein ethisch vertretbares …
Bild: 25 Jahre Tschernobyl - Wildschweine strahlen nochBild: 25 Jahre Tschernobyl - Wildschweine strahlen noch
25 Jahre Tschernobyl - Wildschweine strahlen noch
… betroffen ist der süddeutsche Raum, wo jedes zweite Wildschwein zu hohe Strahlenwerte aufweist. Die Strahlenbelastung unterliegt dabei einer starken jahreszeitlichen Schwankung. Während Wildschweine im Sommer den zulässigen Grenzwert von 600 Bequerel oft weit unterschreiten, kann die Belastung in den Wintermonaten durchaus das Doppelte dieses Wertes …
Zum Ende des Jagdjahres 7 bis 8 Millionen Tiere erschossen
Zum Ende des Jagdjahres 7 bis 8 Millionen Tiere erschossen
… erschossen - nach den Berechnungen*) von Wildtierschutz Deutschland insgesamt etwa sieben bis acht Millionen Tiere. Darunter etwa drei Millionen Vögel, zwei Millionen Rehe, Wildschweine und Hirsche, eine Millionen Füchse, Dachse, Waschbären und andere Beutegreifer inklusive etwa 200 bis 300 Tausend Katzen. Auf der Streckenliste stehen ferner seltene …
Landesjagdverordnung - Höfken auf dem Holzweg
Landesjagdverordnung - Höfken auf dem Holzweg
Die vom Forstministerium Rheinland-Pfalz unter Leitung von Ulrike Höfken zum Sommer geplante Änderung der Landesjagdverordnung sieht unter anderem die Abschaffung der Schonzeit für Wildschweine vor - bereits seit 2002 ist diese durch eine Verwaltungsanordnung ausgesetzt. Begründet wird diese Maßnahme damit effizienter jagen zu können, Schäden in der …
Bild: Schon wieder Toter bei Jagdunfall: Schluss mit der HobbyjagdBild: Schon wieder Toter bei Jagdunfall: Schluss mit der Hobbyjagd
Schon wieder Toter bei Jagdunfall: Schluss mit der Hobbyjagd
Bei einer Jagd auf Wildschweine im Main-Tauber-Kreis hat ein 74-jähriger Jäger am Sonntagabend (24.8.2014) einen 44-jährigen Mann erschossen. „Schusswaffen gehören nicht in die Hände von Freizeitjägern, die diese völlig unkontrolliert benutzen können“, fordert Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd. Vor dem Hintergrund …
Rheinland-Pfalz: Mehr Jagd, mehr Wildschweine!
Rheinland-Pfalz: Mehr Jagd, mehr Wildschweine!
Zunächst mag man denken, es sei ein Widerspruch - doch die Realität lehrt uns anderes. In Rheinland-Pfalz ist die Anzahl der getöteten Wildschweine - die Jäger sprechen von der "Schwarzwildstrecke" - im langjährigen Durchschnitt trotz einer Intensivierung der Jagd kontinuierlich steigend. Wurden im Jagdjahr 1991/92 noch etwa 20.000 Wildschweine im …
Jagdstatistik: Nie gab es so viel Rehe und Wildschweine
Jagdstatistik: Nie gab es so viel Rehe und Wildschweine
… Fallenjagd eingeschränkt werden soll. Die Vergiftung von Mensch, Tier und Umwelt mit bleihaltiger Munition ist ein weiteres aktuelles Thema. Nie hat es in Deutschland so viel Rehe und Wildschweine gegeben, wie im letzten Jahrzehnt. Während in den 1980er Jahren jedes Jahr noch etwa 800 - 900.000 Rehe und 150 - 250.000 Wildschweine erlegt wurden, waren …
Sie lesen gerade: Mehr Jagd, mehr Wildschweine