(openPR) Wieder einmal lenkt die türkische Erdogan-Regierung die Aufmerksamkeit des Auslands auf ihr Land. Aufgeschreckt durch den dramatischen Atomunfall in Japan haben viele verantwortungsvolle Regierungen angekündigt, ihre bestehenden Atomkraftwerke einem neuerlichen Sicherheitscheck zu unterziehen und ihre Einstellung zur Atomkraft generell zu überdenken.
Doch Vorkommnisse wie der Unfall in Japan können die „zukunftsorientierte“ türkische Regierung nicht von ihren Plänen abbringen.
Bereits im November 2007 hatte der türkische Staatspräsident ein Gesetz unterzeichnet, das die Bedingungen für den Bau und den Betrieb von Atomkraftwerken in der Türkei sowie den Verkauf der erzeugten Energie regelt.
VON DREI GEPLANTEN AKWS LIEGEN ZWEI IN ERDBEBEN GEFÄHRDETEN GEBIETEN
Zu diesem Zeitpunkt war geplant, bis 2015 die drei Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 5.000 Megawatt zu bauen. Von zwei dieser geplanten Atomkraftwerke sind die Standorte schon lange bekannt. Und diese liegen - soll man sich wundern oder den Kopf schütteln? - in Erdbeben gefährdeten Gebieten. Doch solches kann Erdogan und seine Gefolgsleute nicht daran hindern, unbeirrt an den Plänen festzuhalten. Und Argumente sind wirklich nicht von der Hand zu weisen! Erstens seien diese Gebiete in nicht wirklich Erdbeben gefährdet, zweitens gebe es in diesen Gebieten keine Tsunamis und drittens werde man natürlich nach neuesten Sicherheitsstandards bauen.
Den Termin für die Fertigstellung hat man zwar mittlerweile revidieren müssen, doch Nägel mit Köpfen hatte die Regierung bereits im August 2009 gemacht. Stolz verkündete der russische Präsident Putin seinerzeit, dass Russland zusammen mit einem türkischen Partner die Ausschreibung für den Bau von vier Reaktorblöcken für das Atomkraftwerk in Akkuyu gewonnen hatte. Rund 350 Kilometer östlich der Touristenmetropole Antalya und damit weit ab von den im Nordwesten der Türkei gelegenen Industrieregionen, die einen besonders hohen Energieverbrauch haben. Die etwa 15,5 Milliarden Euro teure Anlage soll bis 2020 fertig gestellt sein.
Ob der Termin tatsächlich eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Denn im Jahr 2000 waren die Pläne für alle AKWs in Akkuyu ad acta gelegt worden, nachdem es massive Proteste von der Bevölkerung gegeben hatte. Doch 2000 ist nicht 2011 und die AKP-Regierung hat mehr als einmal deutlich gemacht, was sie von Bürgerprotesten hält. Erdogans Einstellung zu Andersdenkenden ist mittlerweile hinreichend bekannt: Wer eine andere Meinung hat als er selbst, hat keine Ahnung. Das demonstrierte er schon mehrfach im eigenen Land, schreckt aber auch nicht davor zurück, dies auf der internationalen Bühne immer wieder kund zu tun.
2.000 STAUDÄMME UND 1.738 WASSERKRAFTWERKE
Ein anders Projekt, das zwar nicht die potenziellen Gefahren von Atomkraftwerken aufweist, dafür aber bezüglich der Auswirkungen auf die Umfeld unkalkulierbar ist, betrifft Staudämme und Wasserkraftwerke. Dabei denken wir nicht nur an den Ilisu-Staudamm und Hasenkeyf, sondern an ein flächendeckendes Projekt von unvorstellbaren Ausmaßen, das nur mit dem Begriff Gigantomanie zutreffend gekennzeichnet werden kann. Insgesamt 2.000 Staudämme und 1.738 Wasserkraftwerke sollen bis zum Jahr 2023 die gesamte Türkei überziehen. Auch hier formiert sich mittlerweile nationaler Widerstand. Wird er mehr Erfolg haben? Zweifel sind angebracht!
GIBT ES ALTERNATIVEN?
Es ist keine Frage, dass der Energiebedarf in den nächsten Jahren in der Türkei deutlich wachsen wird. So prognostizierte die Internationale Atomenergiebehörde schon vor einigen Jahren eine Verdoppelung des Stromverbrauchs innerhalb einer Dekade. So kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Türkei neue Kraftwerke wird bauen müssen.
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Fachleute weisen schon lange darauf hin, dass die Verluste im türkischen Energieversorgungsnetz extrem sind, oder es deshalb zwingend notwendig sei, an dieser Stelle zu investieren.
Zudem sollte auch überlegt werden, den steigenden Energiebedarf in der Türkei dadurch zu drosseln, dass man verstärkt energiesparende Technologien einsetzt. Schon vor vielen Jahren gab es in Deutschland einen Werbespruch: die beste Energiequelle ist Energie Sparen.
Der vollständige Beitrag steht ab Samstag 23. April 2011 hier zur Verfügung:
www.atr-zeitung.com/aktan/index.php




















