(openPR) Erkrankungen des Zahnhalteapparates kommt demographisch und ernährungsbedingt eine immer größere Bedeutung zu. Der seit über 25 Jahren parodontologisch tätige Zahnarzt Dr. Christoph Boeger erläutert anlässlich des 25-jährigen Bestehens seiner Praxis im Interview die als Parodontitis bezeichnete Erkrankung, deren Gefährlichkeit oft unterschätzt wird.
Herr Dr. Boeger, das Fachgebiet der Parodontologie befasst sich mit dem menschlichen Zahnhalteapparat. Was ist der „Zahnhalteapparat“?
Dr. Boeger: Kieferknochen, Zahnwurzel und Zahnfasern bilden gemeinsam den Zahnhalteapparat. Die Parodontologie ist das zahnmedizinische Fachgebiet hierzu. Ist diese sensible Halte-Vorrichtung unserer Zähne beschädigt, kann es zu einer ernsthaften Erkrankung kommen. Als Patient bemerke ich das im Anfangsstadium noch nicht einmal.
Um welche Erkrankung handelt es sich dabei?
Ist der Zahnhalteapparat entzündet, spricht man von Parodontitis. Sie beginnt mit einer Zahnfleischentzündung, wandert unter den Zahnfleischrand, befällt den Zahn, die Zahnwurzel und den Kieferknochen und greift so auf den gesamten Zahnhalteapparat über.
Wie kann es zu einer so gefährlichen Parodontitis kommen?
Parodontitis entsteht durch stark vermehrte Bakterienbildung. Dafür gibt es immer mehrere Ursachen wie mangelnde Mundhygiene, ungünstige Speichelzusammensetzung oder ein überlastetes Immunsystem. Bakterien finden dann ideale Lebensbedingungen in Zahnfleischtaschen, aber auch in Zahnfüllungsrändern und abstehenden Kronenrändern. Übrigens ist deshalb auch deshalb ein individuell und optimal angepaßter Zahnersatz wichtig.
In welchem Ausmaß ist Parodontitis verbreitet?
80 Prozent der Deutschen sind von Parodontitis betroffen. Man kann von einer Volkskrankheit sprechen. Was besonders alarmierend ist: Neuere Studien zeigen, dass Parodontitis neben Herz- und Gefäßerkrankungen auch
Altersdiabetes, Rheuma und Alzheimer begünstigt. Sogar das Risiko einer Frühgeburt ist durch Parodontitis um das Achtfache erhöht. Parodontitis ist eine noch immer weit unterschätzte Erkrankung.
Was kann hier die Parodontologie leisten?
Damit es gar nicht erst so weit kommt, sind eine frühzeitige Prophylaxe und umfassende Diagnose besonders wichtig. Hierbei ziehen wir auch diese systemischen Zusammenhänge in Betracht. Zum Glück stehen uns moderne
Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Sie reichen von speziell kombinierten Wirkstoffen, mit denen wir erfolgreich das gesamte Entzündungspotenzial im Körper reduzieren können, bis hin zu minimal-invasiven Operationstechniken.
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