(openPR) Ausstellung vom 24. November 2010 – 15. Januar 2011
Presserundgang am Dienstag, dem 23.11.2010 um 15.00 Uhr.
Eröffnung der Ausstellung in der Galerie Pankow am
Dienstag, dem 23.11.2010 um 19.00 Uhr
Einführung: Anke Paula Böttcher, Kuratorin der Ausstellung
Ohne Sehnsucht ist das Werk von Carlfriedrich Claus undenkbar. Die Fähigkeit zum Staunen und der Wunsch nach Erkenntnis gehören dazu. Die Studien des Universalgelehrten aus Annaberg im Erzgebirge – der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag begangen hätte – reichen von mystisch-religiösen über philosophische bis hin zu sprach- und naturwissenschaftlichen Schriften.
Einer der wohl wichtigsten Dialogpartner ist Ernst Bloch. In vielen Sprachblättern und Lautprozessen stellt Carlfriedrich Claus explizite oder implizite Bezüge zu den Gedanken des Philosophen – der in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden wäre – her und verleiht dessen Geschichts- und Naturphilosophie eine vitale, offene Gestalt. Er desavouiert damit die ihn umgebenden realsozialistischen, später postsozialistischen Realitäten, ohne je von seiner kosmologisch-kommunistischen Zukunftsvision zu lassen, die er in seinen Werken immer wieder antizipiert. Darin sind sich Bloch und Claus einig: das Experimentum Mundi beginnt in jedem selbst und ist mit dem kollektiven Experiment Geschichte weder erfüllt noch abgeschlossen.
Die Ausstellung macht mittels einer kleinen Auswahl exemplarisch erfahrbar, in welchem Maße das Werk eines der wohl eigenwilligsten wie poetischsten Philosophen des 20. Jahrhunderts im komplexen Oeuvre eines der wohl eigenwilligsten und philosophischsten Laut- und Bildpoeten des 20. Jahrhunderts seinen Niederschlag findet bzw. mit ihm korrespondiert.
Unter der Sonne Microcosmi versammeln sich ausgewählte Zeugnisse der experimentellen Arbeit von Carlfriedrich Claus: zahlreiche Sprachblätter, die Aurora-Mappe, ein Briefentwurf, frühe Klang-Gebilde sowie eine Lautprozess-Produktion aus den 1990er Jahren. Die Arbeiten ermöglichen einen ausschnitthaften und zugleich Zusammenhänge herstellenden Einblick in die Themen und Stoffe, mit denen der Künstler sich sein Leben lang schöpferisch auseinandersetzte.
Carlfriedrich Claus zählt zu den wichtigsten Künstlern der ehemaligen DDR, der aufgrund seines unangepassten Verhaltens und seiner rigorosen Abkehr vom offiziellen Kunstbetrieb neben Herrmann Glöckner, Albert Wigand und Gerhard Altenbourg in der offiziellen Wahrnehmung zu den Außenseitern gehörte, dessen ungeachtet aber umfangreiche Verbindungen zur europäischen Avantgarde pflegte und in seiner Zurückgezogenheit ein eigenwilliges und hochkomplexes Werk zwischen Philosophie, Grafik und akustischer Literatur geschaffen hat.
Die Ausstellung wird von einer Publikation und einer Tagung mit dem Titel
„Konjunktionen – Zu den Denkstoffen von Carlfriedrich Claus“ am 4.12.2010 begleitet.













