(openPR) EU-Kommission will Salzgehalt im Brot Europaweit auf ein Niveau bringen; Bäckerei Brinker aus Herne wehrt sich gegen eine Vereinheitlichung und befürchtet deutlichen Geschmacks- und Imageverlust des deutschen Traditionsbackwerks.
Herne: Das deutsche Butterbrot steht auf dem Prüfstand der EU. Wenn es nach dem Willen der EU-Kommissare geht, wird das deutsche Grundnahrungsmittel Nummer 1 bald so geschmacklos wie im restlichen Europa. Der Salzgehalt soll runter und auch noch kennzeichnungspflichtig. Nach der EU, darf „gesundes Brot“ nur einen Salzgehalt von 1,3% aufweisen, in Deutschland aber besitzt Brot traditionell zwischen 1,8 und 2,2%.
Auch bei der Bäckerei Brinker in Herne stoßen die neuen EU-Vorgaben sauer auf. Geschäftsführer Karl Brinker verwehrt sich gegen die Aussage, dass traditionell hergestelltes Brot ungesund sein sollte. „Deutsches Brot ist grundsätzlich sehr gesund!“. erklärt der Inhaber des Familienunternehmens mit 700 Mitarbeitern und betont, dass der höhere Salzgehalt für die Herstellung von Teigen mit dunklen Mehlen (Weizen-Vollkorn, Roggen, Dinkel und andere) unbedingt vonnöten seien. Der herzhafte, pikante und teilweise kräftige Geschmack verliert an Wirkung und wird fad. Ein Problem was auch durch etwaige Ersatzstoffe, wie beim Zucker, nicht aufzufangen ist.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich generell nicht streiten aber auch der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Peter Becker, lässt die EU-Vorschläge nicht auf sich sitzen. Gegenüber der Tageszeitung „Welt Online“ äußerte sich Becker deutlich „Ich finde es diskriminierend, wenn wir unser gesundes Brot nicht mehr als gesund bezeichnen dürfen“.
Brinker sieht ein Grundsatzproblem in den unterschiedlichen Essgewohnheiten in Europa. „Die Verzehrgewohnheiten von Brot in südlichen Ländern und Großbritannien unterscheiden sich völlig von den deutschen. In Deutschland werden "Butterbrote" gegessen, d.h. das Brot ist Bestandteil der Mahlzeit. In südlichen Ländern dagegen, in denen die Speisen viel stärker gewürzt und gesalzen sind, wird Brot als Neutralisator gegessen.“ Dieser Neutralisator soll jetzt nach Willen der EU eine gesunde Kennzeichnung tragen, während das traditionelle Brot in Deutschland bald als ungesund gestempelt wird. „Überall auf der Welt wird deutsches Brot ob seines Geschmackes gelobt. Eine Anpassung eines hohen Niveaus an ein schlechteres wäre doch völlig absurd“ empört sich Brinker.
Auf das gesamte deutsche Backhandwerk könnten mit den neuen EU-Verordnungen schwere Zeiten zukommen. 2009 konnte sich Deutschland gegen den ersten EU-Vorstoß in Sachen Salz erfolgreich zur Wehr setzen. 2010 ist Brüssel wieder tätig geworden und stellt sich hinter die europäischen Nachbarstaaten. Brinker sieht nicht nur die inländischen Bäcker und ihr Image bedroht, auch die Exporte könnten einbrechen. Das Unternehmen aus Herne liefert 10% seiner Jahresproduktion ins Ausland. Wenn Brüssel Erfolg hätte, sieht Brinker seine Verkäufe auch in Gefahr. Bis es dazu kommt, will der Geschäftsführer weiter kämpfen und den Markt mobilisieren, damit sich deutsche Bäcker auch in Zukunft nicht von den fernen Schreibtischen in Brüssel die eigenen Rezepte diktieren lassen müssen.












