openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Wenn aus Spucken mehr wird: neue Leitlinien zur GÖRK im Kindesalter

20.07.201017:03 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) München/Erlangen, 20. Juli 2010
Speikinder sind Gedeihkinder – das stimmt nicht immer. Bei manchen Kindern ist das Spucken Anzeichen für eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GÖRK). Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome sehr unspezifisch und lassen sich in der Praxis nur schwer von anderen Ursachen für die Beschwerden abgrenzen. Auch die Definition, was noch ein normaler physiologischer Reflux ist und was schon Krankheit, erweist sich oft als schwierig. Diese Herausforderung wird für Pädiater durch neue Leitlinien zur GÖRK einfacher, die von einer international besetzten Initiative unter Mit-arbeit von Prof. Dr. Sibylle Koletzko vom Dr. von Haunerschen Kinderspital in München entwickelt wurden. Mit Unterstützung des Erlanger Ernährungsspezialisten Nutricia stellte die Expertin zwei Konsensuspapiere bei einem Round-Table-Gespräch vor und erörterte mit ihren Kollegen Dr. Christiane Prell und Dr. Nikos Konstantopoulos aktuelle Fälle aus der Praxis.


Spucken und schreien – was ist normal?
Bis zu 70 Prozent aller gesunden Neugeborenen und Säuglinge spucken, besonders häufig in den ersten vier Lebensmonaten. Das Spucken ist Folge einer bei jungen Säuglingen noch nicht ausgereiften Entwicklung des Verdauungstraktes. Der Mageneingangsmuskel öffnet sich spontan, sodass Nahrung in die Speiseröhre und bis in den Mund oder weiter hinaus zurückfließen kann (Reflux). Wenn gleichzeitig Luft mit aufgestoßen wird, kann das wie schwallartiges Erbrechen aussehen. Ein gastroösophagealer Reflux (GÖR) ist ein normales Ereignis, das mehrmals täglich besonders nach den Mahlzeiten auftritt. Erst wenn die Reflux-Episoden Beschwerden verursa-chen oder zu Komplikationen führen, wird der GÖR zur Krankheit (GÖRK).
Auch Schreien ist bei Säuglingen normal. Im Schnitt schreit ein zwei Monate altes Baby bis zu zweieinhalb Stunden pro Tag. Spuckt ein Baby aber regelmäßig mehrfach am Tag und schreit besonders häufig nach der Nahrungsaufnahme, kann das ein Hinweis auf eine gastroösophageale Refluxkrankheit sein. Dann verursacht der Reflux von saurem Mageninhalt Beschwerden und Komplikationen. Die Symptome sind für die kleinen Patienten belastend: Es kann zu chronischem Husten, Schmerzen, Fütter-, Gedeih- und Schlafstörungen kommen.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
Die Kunst des Kinderarztes ist es, Kinder mit dem Risiko für eine GÖRK von den zahlreichen gesunden Kindern mit Spucken bei normalem Reflux zu unterscheiden und sie einer Diagnostik und Therapie zukommen zu lassen. „Das Problem liegt auf der Hand“, so Prof. Koletzko. „Erwachsene und Schulkinder ab circa zehn Jahren können konkrete Angaben zu Art und Lokalisation ihrer Beschwerden, zum Beispiel Sodbrennen hinter dem Brustbein, machen – bei Babys und Kleinkindern, aber auch kognitiv eingeschränkten Patienten wie zum Beispiel Kindern mit Zerebralparese kann die Di-agnose GÖRK nicht aufgrund der von Eltern oder Betreuungspersonen geschilderten Symptome gestellt werden.“ Die Aufgabe der Arbeitsgruppe war zunächst, genau festzulegen, wie eine GÖRK bei Kindern definiert und abgesichert werden kann, damit keine Über- und Unterdiagnostik erfolgt. „Die hier entwickelten GÖRK-Definitionen sollen konsistente Vorgaben für den klinischen Alltag und für Studien in verschiedenen Altersgruppen ermöglichen. Sie bieten Benchmarks und Orientierung für zukünftige Forschungsförderung und Leistungsträger im Gesundheitswesen“, so Prof. Koletzko weiter. „In der Vergangenheit wurden Kinder aufgrund von bestimmten Symptomen in Therapiestudien eingeschlossen, bei denen die Diagnose GÖRK nicht gesichert war. Das soll in Zukunft verhindert werden.“
GÖRK – oft eine Kuhmilchproteinallergie?
Einheitliche Definitionen und Handlungsanweisungen erleichtern dem Kinder- und Ju-gendarzt die Diagnose und Therapie. Mit den neuen Leitlinien bietet sich jetzt eine evi-denzbasierte Hilfestellung – das optimiert die Treffsicherheit der Diagnose und zugleich den Heilungsprozess für die kleinen Patienten. Gerade bei Säuglingen können Symptome wie chronischer Husten, Spucken, Schreien, Gedeih- und Fütterstörung Hinweis auf zahlreiche Erkrankungen sein. Ein Bespiel ist die Kuhmilchproteinallergie (KMPA), die sich klinisch häufig nicht von einer GÖRK unterscheiden lässt. Erschwerend kommt hinzu, dass beide Erkrankungen sehr häufig gemeinsam auftreten. Etwa 40 Prozent der Patienten, die wegen GÖRK einer Spezialambulanz zugewiesen werden, haben eine KMPA. In schweren Fällen ist der Prozentsatz noch höher. Prof. Koletzko berichtet von einem Säugling, der ab der zweiten Lebenswoche jegliche Nahrung schwallartig erbrach. Eine KMPA ließ den Magenausgang offensichtlich so verschwellen, dass selbst Wasser und Tee erbrochen wurden.
Es ist für die Behandlung sehr wichtig zu klären, ob nur eine KMPA oder beide Erkrankungen, KMPA und GÖRK, vorliegen. Beide Erkrankungen sind nicht durch die Anamnese alleine zu diagnostizieren. Klarheit schafft in der Regel eine Eliminationsdiät frei von Kuhmilchprotein. Bei jungen, nicht gestillten Säuglingen kann das am besten durch das ausschließliche Füttern mit einer Spezialformula auf Basis von hochhydrolysiertem Eiweiß oder einer Aminosäuremischung erreicht werden. Hydrolysierte Nahrungen haben eine Restallergenität und verursachen bei einem Teil der betroffenen Kinder weiterhin Beschwerden. Nur Nahrungen auf Basis von freien Aminosäuren sind non-allergen und bieten damit größere Sicherheit in Diagnose und Therapie als Eliminationsdiät bei der Kuhmilchproteinallergie. Allergietests wie der Hautpricktest oder der Nachweis von spezifischen Immunoglobin-E-Antikörpern gegen Nahrungsmittel im Blut sind hinweisend, können aber für sich die Diagnose weder beweisen noch ausschließen. „Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Kinderärzte bei nicht voll gestillten Säuglingen für das Problem sensibilisiert sind und wissen, welche Schritte eingeschlagen werden müssen“, erklärt Prof. Koletzko. Und Dr. Prell ergänzt: „Die Symptome der GÖRK sind zahlreich, aber weder sensitiv noch spezifisch. Aufgrund der Anamnese kann eine GÖRK bei Säuglingen und jungen Kindern nicht diagnostiziert werden. Nur eine Kombination verschiedener diagnostischer Maßnahmen erlaubt letztlich eine sichere Diagnose.“ Auch bei älteren Kindern und Jugendlichen mit Refluxbeschwerden können Nahrungsmittelallergien zu Veränderungen der Speiseröhre, sogenannter eosinophiler Ösophagitis, führen und die Abgrenzung zur GÖRK erschweren. Eine Endoskopie mit Entnahme von Gewebeproben ist in jedem Fall notwendig. Während bei einer gesicherten GÖRK unabhängig vom Alter Medikamente, die die Magensäuresekretion unterdrücken, sogenannte Protonenpumpeninhibitoren (PPI), indiziert sind, sollten diese Medikamente bei Nahrungsmittelallergie ohne GÖRK möglichst nicht eingesetzt werden.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

Außerdem finden Sie weitere Infos über Kuhmilchallergie unter


News-ID: 449796
 3370

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Wenn aus Spucken mehr wird: neue Leitlinien zur GÖRK im Kindesalter“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Nutricia

Wenn Essen keinen Spaß mehr macht – Herausforderungen bei der Ernährung von Kindern
Wenn Essen keinen Spaß mehr macht – Herausforderungen bei der Ernährung von Kindern
Kinder und Jugendliche unterscheiden sich hinsichtlich der Anforderungen an eine optimale Ernährung grundlegend von Erwachsenen. Erst recht gilt dies im Krankheitsfall. Hier kann eine bedarfsdeckende Zufuhr aller notwendigen Nährstoffe zu einer Herausforderung werden. Die Liste der Symptome ist lang, und die Diagnose oft nicht eindeutig. Im Gegenteil: In vielen Fällen sind die Krankheitsmerkmale sehr unspezifisch und erschweren eine klare Ursachenanalyse. So ist zum Beispiel eine Gastroösophageale Refluxkrankheit (GÖRK) nur schwer von einer K…
Wenn Patienten nicht mehr alles schlucken – wie Menschen mit Dysphagie optimal versorgt werden
Wenn Patienten nicht mehr alles schlucken – wie Menschen mit Dysphagie optimal versorgt werden
Potsdam/Erlangen, 27. September 2010 Viele Dinge des Alltags werden im Alter zu einer Herausforderung: die Mobilität, der Haushalt, die Körperpflege und vor allem die Ernährung. Laut einer Studie leiden 40 bis 50 Prozent der pflegebedürftigen älteren Menschen an Schluckstörungen (Dysphagie). Das beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden, sondern kann zu erheblichen Gesundheitsrisiken führen. Wie sieht die optimale Ernährungstherapie bei Patienten mit Schluckstörungen aus? Wie werden sie ausreichend mit Flüssigkeit versorgt? Was kann man tun,…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: 8. Deutsche Meisterschaften im Kirschsteinweitspucken mit WeltrekordversuchBild: 8. Deutsche Meisterschaften im Kirschsteinweitspucken mit Weltrekordversuch
8. Deutsche Meisterschaften im Kirschsteinweitspucken mit Weltrekordversuch
… Witzenhausen im Kirschenland Werratal. Im Rahmen der alljährlichen Kesperkirmes finden am 12. und 13. Juli 2008 die 8. Deutschen Meisterschaften im Kirschsteinweitspucken statt, die traditionell von der Witzenhäuser Kirschenkönigin eröffnet werden. Es gibt sowohl eine Einzelkonkurrenz als auch einen Mannschaftswettkampf, bei dem verschiedene Teams mit …
Bild: 15. Kindheitspädagogischer Nachmittag: "Aggressives Verhalten im Kindesalter"Bild: 15. Kindheitspädagogischer Nachmittag: "Aggressives Verhalten im Kindesalter"
15. Kindheitspädagogischer Nachmittag: "Aggressives Verhalten im Kindesalter"
Unter dem Titel "Aggressives Verhalten im Kindesalter" findet am 15. Mai 2019 am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein bereits der 15. Kindheitspädagogische Nachmittag statt. Die Veranstaltungsreihe wird von DozentInnen, MitarbeiterInnen und StudentInnen des Bachelorstudienganges Kindheitspädagogik organisiert und erfreut sich immer größerer …
Wenn Kinder Fieber haben
Wenn Kinder Fieber haben
… wenig erfahrene Eltern sind schnell beunruhigt. Für sie hat die Universität Witten/Herdecke ihre 13. Patientenleitlinie entwickelt und ins Internet gestellt. Das Thema: Fieber im Kindesalter. Was ist Normaltemperatur und wo beginnt Fieber? Wie, wo und womit misst man es überhaupt? Ist Fieber gefährlich? Welche Krankheiten können dahinter stecken? Wann …
Refluxkinder e.V. startet erste deutschlandweite Aufklärungskampagne für Kinder- und Jugendärzte
Refluxkinder e.V. startet erste deutschlandweite Aufklärungskampagne für Kinder- und Jugendärzte
… zugeordnet werden können und eine gute Behandlung der Babys und Kindern gesichert ist.“ In Form einer sechsunddreißigseitigen Broschüre "Gastroösophagealer Reflux im Kindesalter, ein Krankheitsbild mit vielen Facetten", Auflage von 12.000 Stück, startet Refluxkinder e.V. die erste Aufklärungskampagne über das Krankheitsbild gastroösophagealer Reflux bei …
Wenn Essen keinen Spaß mehr macht – Herausforderungen bei der Ernährung von Kindern
Wenn Essen keinen Spaß mehr macht – Herausforderungen bei der Ernährung von Kindern
… auf Basis von non-allergenen Aminosäuren, mit anschließender Provokation durch das vermutete Allergen. Eine international besetzte Initiative hat in diesem Kontext jüngst neue Leitlinien erstellt, um Definitionen für eine GÖRK bei Kindern festzulegen und abzusichern. Das Regelwerk bietet eine längst überfällige Orientierungshilfe und trägt dazu bei, …
Initiative fordert mehr Engagement für Refluxkinder
Initiative fordert mehr Engagement für Refluxkinder
… Mutter eines ehemals Reflux erkrankten Kindes, gegründet. Aus eigener Erfahrung um die Schwierigkeiten einer richtigen Diagnose dieser als selten geltenden Krankheit im Säuglings- und Kindesalter wissend und der Wunsch vieler betroffener Eltern nach Austausch und Information hat sie nach vollkommender Heilung ihres Sohnes dazu motiviert, ihr Wissen über …
Bild: Krebserkrankungen bei KindernBild: Krebserkrankungen bei Kindern
Krebserkrankungen bei Kindern
Schonende Bestrahlung mit Protonen sup.- Krebserkrankungen sind im Kindesalter zum Glück eher selten. Laut Auskunft des Deutschen Kinderkrebsregisters erkranken jährlich in Deutschland rund 1.800 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren an Krebs. Mit ca. 35 Prozent am häufigsten treten Leukämien auf, gefolgt von Hirntumoren, Tumoren der Lymphknoten und …
Bild: Live-Webinar-Reihe: ADHS im Erwachsenenalter (CME)Bild: Live-Webinar-Reihe: ADHS im Erwachsenenalter (CME)
Live-Webinar-Reihe: ADHS im Erwachsenenalter (CME)
… deutliche Symptome, die sie in ihrer Lebensgestaltung erheblich beeinträchtigen. Allerdings erfolgt meist ein Symptomshift, d.h., dass sich die ursprünglichen Symptome der ADHS im Kindesalter verändern: Erwachsene ADHS-ler leiden häufig unter Angststörungen und Depressionen, neigen eher zu riskantem Verhalten und es besteht ein hohes Risiko für eine …
Bild: Was ist Osteopathie? Osteopathie bei KindernBild: Was ist Osteopathie? Osteopathie bei Kindern
Was ist Osteopathie? Osteopathie bei Kindern
… zu bringen. Darum sind Informationen über die Zeit der Schwangerschaft und der Geburt besonders wichtig zum Verständnis vieler Störungen im Säuglings- und Kindesalter. Folgende Erkrankungen und Auffälligkeiten können ihre Ursache in schwangerschafts- oder geburtsbedingten Besonderheiten haben und lassen sich durch eine frühzeitige Behandlung des Kindes …
Bild: Statische Gefäßanalyse präventiv einsetzen: Entwicklung von Bluthochdruck bereits im Kindesalter erkennenBild: Statische Gefäßanalyse präventiv einsetzen: Entwicklung von Bluthochdruck bereits im Kindesalter erkennen
Statische Gefäßanalyse präventiv einsetzen: Entwicklung von Bluthochdruck bereits im Kindesalter erkennen
Mittels der Statischen Gefäßanalyse können bereits bei Kindern Veränderungen an den Netzhautgefäßen erkannt werden, die auf die Entwicklung eines hohen Blutdrucksim Kindesalter hinweisen. Präventive Maßnahmen könnten so frühzeitig ergriffen werden. Das zeigt eine neue Studie aus der Schweiz, die jetzt im Journal Hypertension veröffentlicht wurde [1]. …
Sie lesen gerade: Wenn aus Spucken mehr wird: neue Leitlinien zur GÖRK im Kindesalter