(openPR) Geriatrisches Zentrum am Marienhaus Klinikum im Kreis Ahrweiler: Rund 130 Teilnehmer bei der Fortbildung Begegnung mit Demenzkranken – interdisziplinäre Antworten auf eine veränderte Welt im Kloster Marienthal
Bad Neuenahr-Ahrweiler/Marienthal. Dr. Heinz L. Unger, der Chefarzt des Geriatrischen Zentrums am Marienhaus Klinikums im Kreis Ahrweiler, spricht von „herausforderndem Verhalten“, wenn er das Verhaltensrepertoire eines Menschen beschreibt, der an Demenz wie zum Beispiel an der Alzheimer Krankheit leidet. Er verzichtet ganz bewusst auf wertende Begriffe wie Verhaltensstörung, unangepasstes oder auffälliges Verhalten. Im Umgang mit demenzkranken Menschen gehe es darum, „in den Schuhen des Anderen zu gehen: die innere Welt des Betroffenen, seine Wahrnehmungen, sein Erleben und seine Denkvorgänge zu verstehen und bei der Pflege in den Mittelpunkt zu stellen“, betonte Dr. Unger in seinem Vortrag bei der Fortbildungsveranstaltung Begegnung mit Demenzkranken – interdisziplinäre Antworten auf eine veränderte Welt im Kloster Marienthal, die kürzlich vom Geriatrischen Zentrum des Marienhaus Klinikums im Kreis Ahrweiler veranstaltet wurde. Wichtig sei die Frage nach den möglichen Ursachen des herausfordernden Verhaltens. So seien körperliche Erkrankungen, Medikamentennebenwirkungen, Reaktion auf den Verlust von Kompetenzen, irritierende Umweltreize mögliche Gründe, aber auch Konflikt beladene Familien- oder Pflegebeziehungen. Darüber hinaus können Schmerzen eine Ursache für herausforderndes Verhalten sein, beispielsweise durch einen Knochenbruch, der deshalb nicht erkannt wurde, weil viele demenzkranke Patienten nicht mehr mitteilen, wenn sie Schmerzen haben.
Der Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind, hat eine hohe gesellschaftliche Relevanz. In Deutschland leiden derzeit etwa 1,2 Millionen Menschen an der Krankheit, bei der der Betroffene zunehmend seine Alltagskompetenzen verliert und sich in seiner Persönlichkeit verändert. Experten schätzen, dass sich die Zahl in den nächsten Jahrzehnten vervierfachen könnte. „Für unsere Gesellschaft bedeutet das eine enorme Herausforderung“, ist Dr. Unger überzeugt. Er plädierte für eine wertschätzende, validierende Grundhaltung, die durch Einfühlungsvermögen in die Situation des Betroffenen und seine Erkrankung gekennzeichnet ist und die damit zusammenhängenden Verhaltensweisen akzeptiert.
In der Pflegesituation bedeute das beispielsweise, Lärm und Hektik zu vermeiden, denn das verstärke die Verwirrung, so die Erfahrung von Susanne Weiß, der Stationsleiterin der Akutgeriatrie im Krankenhaus Maria Hilf Bad Neuenahr-Ahrweiler. Demenzkranke brauchen eine mitfühlende, führende Pflege, die ihnen Sicherheit vermittle und sich ihrem Tempo anpasse.
Auch das Essen und Trinken bereitet demenzkranken Menschen häufig Schwierigkeiten. „Eine Verweigerung kann vielfältige Ursachen haben, denen man auf den Grund gehen muss“, berichtete Christina Bachmeier, Ergotherapeutin im Krankenhaus Maria Hilf. So könne es sein, dass der Demenzkranke keinen Appetit hat, weil er seinen Hunger oder Durst nicht mehr spürt, dass sich sein Geschmacksinn verändert hat oder er die Nahrung nicht mehr wahrnimmt. Möglicherweise hat er Probleme mit dem Ablauf der Nahrungsaufnahme und weiß nicht mehr, wie er das Besteck benutzten und essen kann. Manchmal muss er einfach nur zum Zahnarzt, weil er Probleme mit seinen Zähnen hat. „Wir müssen den Menschen wahrnehmen und seine Veränderungen berücksichtigen“, so Christina Bachmeier. Oft helfe es, ihnen schweres Besteck und schwere Gläser anzubieten. Das können sie besser spüren. Häufig erleichtert ein Löffel das Essen. Und auch hier gilt: In Gemeinschaft schmeckt es besser – Menschen, die an Demenz erkrankt sind, nehmen wesentlich mehr zu sich, wenn sie gemeinsam mit anderen essen.
Die fortschreitende Persönlichkeitsveränderung und der Verlust der Kompetenzen, die ein Demenzkranker erleidet, sind häufig für die Angehörigen sehr belastend und lösen tiefe Trauer aus. „Denn „der Mensch, den man gekannt, der einen vielfach den größten Teil des Lebens begleitet hat, ist weg, obwohl er noch lebt. Den Menschen, der er geworden ist, muss man erst kennen lernen“, sagte Anne Glodowski, Diplom-Psychologin im Geriatrischen Zentrum des Marienhaus Klinikums im Kreis Ahrweiler. Und dann hätten die Angehörigen keine Chance, den Verlust zu verarbeiten, weil der Zerfall der Persönlichkeit fortschreitet und das, was kommt, noch schlimmer sein wird. Es helfe ihnen, wenn sie ihre Sprachlosigkeit überwinden, über ihre Gefühle reden und die positiven Zeiten der gemeinsamen Biografie betrachten. „Wenn wir die guten Erinnerungen schützen und einpacken, wird es möglich, davon Abschied zu nehmen, der aber immer ein Abschied auf Raten sein wird“, so die Erfahrung der Psychologin.















