(openPR) Dies geschieht in der Regel recht unkonventionell, mithin ohne strukturierte Bewerbungs-, Assessment-und Auswahlverfahren. Häufig ist es gerade auf unteren oder mittleren Führungsebenen Usus, dass in der fachlich-inhaltlichen Arbeit kompetente Mitarbeitende in Leitungsaufgaben hinein befördert werden. Mitarbeitende reagieren darauf oftmals entweder überfordert oder überrascht ob des Zutrauens der Vorgesetzen (die man in der Regel schon länger kennt, evtl. sogar von der eigenen Einstellung, und die man mithin nicht enttäuschen möchte) oder bestätigt, da man schon längere Zeit auf ein solches Angebot gewartet hat. Mitarbeitende des letztgenannten Typus wollen „endlich zeigen, was in ihnen steckt".
Gerade in der Sozialen Arbeit sind mit dem Themenkomplex „Leitung" aber durchaus auch negative Implikationen verbunden: Mitarbeitende in der Sozialen Arbeit wählen ihren Arbeitsplatz nicht in erster Linie, um Karriere zu machen oder Fachkräfte zu führen, sondern tendenziell eher aus Gründen der sozialen Verantwortung oder aus Selbstverwirklichungswünschen. Leitung wird häufig mit Hierarchie gleichgesetzt und als unvereinbar zum favorisierten (basisdemokratischen) Teamgedanken gesehen - kurzum man befürchtet durch Leitung einen Eingriff in die „professionelle Autonomie" des Teams.
Erschwerend kommt hinzu, dass die angehende Leitungskraft oft als Teammitglied aus den Reihen der Mitarbeitenden stammt, nunmehr aber Leitungsaufgaben wahrnehmen soll - dies manchmal aufgrund fehlender Dienst- und Fachaufsicht sogar ohne Belohnungs-, Kontroll- oder sonstige disziplinarische Maßnahmen.
Ferner ist in der Historie der Sozialen Arbeit die Bedeutung von Leitung für die Gestaltung und Steuerung von Organisationen über eine lange Zeit nicht in hinreichendem Maße beachtet worden. In der derzeitigen Praxis der Sozialen Arbeit wird häufig die Leitung einer Einrichtung oder eines Sozialen Dienstes für die Personalführung und das (Personal-)Management als zuständig erklärt. Diese Leitungskräfte werden in der Praxis aber durch operative Aufgaben und das „Alltagsgeschäft" so stark in Anspruch genommen, dass kaum Zeit für eine stringente Personalführung und -entwicklung bleibt. Vielmehr kennzeichnen ein „situativer Aktionismus" und „Feuerwehrfunktionen" den derzeitigen Stand in puncto Leitung und Führung in der Mehrheit der Einrichtungen der Sozialen Arbeit. Wenn Mitarbeitende Leitungskräfte werden geschieht dies indes häufig, ohne dass diese Mitarbeitende auf die mit dieser Funktion verbundenen, gänzlich neuen Aufgaben vorbereitet oder geschult werden.
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