02.03.2010 - 12:29 - Kunst & Kultur

Aus den Ruinen unserer Zivilisation: Calixto Bieito inszeniert Richard Wagners „Parsifal“

Pressemitteilung von: Staatsoper Stuttgart

GMD Manfred Honeck zeichnet für die Musikalische Leitung verantwortlich

Endzeitstimmung und Sinnfragen sind es, die Calixto Bieito in seiner Interpretation von Richard Wagners „Parsifal“ am 28. März 2010 um 16 Uhr im Opernhaus beschäftigen. „Wer ist böse?“ fragt Parsifal. Weiß Gurnemanz die Antwort? Der katalanische Regisseur sucht dabei mit Manfred Honeck die Antworten aus der Wagner-Partitur zu lesen.

Mit der Titelpartie des Parsifal gibt Andrew Richards in Stuttgart sein Debüt. Amfortas verkörpert der aus den USA stammende Gregg Baker, der Däne Stephen Milling ist alternierend mit Johann Tilli als Gurnemanz zu hören. Kundry singt das Stuttgarter Ensemblemitglied Christiane Iven, Claudio Otelli die Partie des Klingsor.

War es bei seiner Interpretation des „Fliegenden Holländers“ der ökonomische Kollaps, ist es im „Parsifal“ eine spirituelle Krise, die Bieito in seiner Regie thematisiert. Die von Wagner mit einer Vielzahl religiöser Motiv-Entlehnungen geschaffene „Kunstreligion“ ist für Bieito krisenhaft: „Die Figur des Parsifal ist ein neues Symbol dieser leeren Religion, er ist nur ein neues Opfer und wird zu einem weiteren Amfortas geformt.“

Für Bieito zeigt Wagners Librettotext besessene Charaktere, die durch Schuld und Leid der Manipulation ausgesetzt werden – eine Erlösung durch das Jenseits ist nicht möglich. Einzig Liebe und Vertrauen im Hier und Jetzt geben den Menschen Halt und Zuversicht, nur so gewinnt der Mensch Verantwortung und Respekt für seine Umwelt und das „Leben“. Parsifal wird sich durch die Stationen seiner „aventüre“ seiner Verantwortung bewusst. „Das Licht am Ende“, so Bieito, „kommt aus uns selbst.“

Inspiriert vom Roman „The Road“ des Amerikaners Cormac McCarthy konfrontiert Bieito seinen Parsifal mit den Ruinen unserer Zivilisation. Die Romanprotagonisten, Vater und Sohn, streifen durch ein post-apokalyptisches Amerika, das nach einer Katastrophe menschenleer und desolat vor ihnen liegt. Dem gleich sieht Bieito den Parsifal in einer Architektur der Apokalypse. Die Bühnenbildnerin Susanne Gschwender schafft eine zerstörte, von Asche bedeckte Landschaft, in der lediglich die Ruine einer Autobahnbrücke von einer vergangenen Zivilisation zeugt. Mit einer existenziellen Grundausstattung als Schutz gegen Hitze, Kälte und Umweltverschmutzung versieht die Kostümbildnerin Mercè Paloma die Figuren.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

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Die Staatsoper Stuttgart zählt zu den bedeutendsten europäischen Opernhäusern und ist zugleich Teil des größten Mehrspartenhauses Europas. Die Württembergischen Staatstheater bestehen aus der Staatsoper Stuttgart, dem Schauspiel Stuttgart und dem Stuttgarter Ballett. Die Staatsoper setzt bis heute immer wieder wichtige Impulse für das Musiktheater und pflegt ganz bewusst das Ensembletheater. Rund 250.000 Besucher zählt die Staatsoper pro Saison. Das Haus verfügt über 1404 Plätze. Die Staatsoper Stuttgart wurde sechs Mal zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt, der Staatsopernchor bereits sieben Mal mit dem Titel „Opernchor des Jahres“ ausgezeichnet. Das Staatsorchester Stuttgart wurde ebenfalls mehrfach „Orchester des Jahres“.

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