16.02.2010 - 17:28 - Kunst & Kultur

Schlossmuseum Arnstadt zeigt flämische Tapisserien des 16. Jahrhunderts

Pressemitteilung von: Stadtmarketing Arnstadt GmbH

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Affen auf der Jagd (Ausschnitt); Tapisserie, flämisch, 1559; © Schloßmuseum Arnstadt, Inv.-Nr. Go 2; Foto: Thomas Wolf, Gotha
Im Bestand des Schlossmuseums Arnstadt befinden sich insgesamt elf flämische Tapisserien des 16. Jahrhunderts, von denen sich sechs archivalisch direkt auf Graf Günther XLI., „den Streitbaren“, von Schwarzburg zurückführen lassen und auf das Jahr 1559 datieren.

Es sind dies Objekte, die einen vermeintlichen Gegensatz von Monumentalität und großer Fragilität in sich vereinen. Gerade letzteres führte zu großen Problemen im Bemühen um den Erhalt dieser Exponate insbesondere in Zeiten musealer Präsentation. Einerseits waren die Entwerfer für die Vorlagen dieser Erzeugnisse des Kunsthandwerks bedeutende Künstler ihrer Zeit – und oft sind ihre Vorlagen nur in Form der Tapisserien bis auf die heutige Zeit überhaupt erhalten geblieben –, andererseits dienten die Wandbehänge ganz praktischen Zwecken. Tapisserien einzelner Themenkreise wurden beispielsweise zu ganz bestimmten Anlässen präsentiert. Üblicher Kontext der Repräsentation waren hierbei Krönungen, Empfänge, Hochzeiten, Geburten, Beerdigungen – schlicht Ereignisse, die dem Hofzeremoniell unterworfen waren. Mindestens bis ins 16. Jahrhundert hinein – also auch noch zu Zeiten Graf Günthers XLI. – dienten Tapisserien dem Schmuck provisorischer Unterkünfte, sprich bei Auslandsaufenthalten, Kriegszügen, Besuchen u.ä. Oft wurden demzufolge auch die Themen der Tapisserien in der Raumausstattung gewechselt, niemals hingen also alle diese Wandbehänge zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Noch aus dem Mittelalter stammte die Gewohnheit, die textilen Behänge nach ihrem Gebrauch wieder zu verstauen – dies nicht zuletzt zu ihrem Schutz.

Die Art und Weise der Präsentation anlässlich der verschiedenen höfischen Ereignisse mag heutigen Betrachtern inorthodox erscheinen. Man scheute nicht davor zurück, die Objekte um die Ecke zu hängen; auch Fenster und Türen waren nicht davor gefeit, zugehängt zu werden. Dies mag einerseits jahreszeitlich bedingt gewesen sein – es ist bekannt, dass es auch eine dämmende Funktion dieser Wandbehänge in den kälteren Jahreszeiten gab –,währenddessen das Zurückschlagen von Tapisserien über Türen, durch Diener bewerkstelligt, auch zeremoniellen Charakter haben konnte.

Unsere Tapisserien dienten ganz offensichtlich der Ausschmückung der zahlreichen Festräume des neuerbauten Schlosses Neideck in Arnstadt. Der Bauherr, Graf Günther, weilte als Jüngling am Nassauer Hof und zeitweilig, im kaiserlichen Dienst stehend, verschiedentlich in den südlichen Niederlanden. 1560 ehelichte er die Gräfin Katharina von Nassau, eine Schwester Wilhelms von Oranien, des späteren Statthalters der nördlichen befreiten niederländischen Provinzen, und weihte das Schloss Neideck mit einer tagelang unter größtem Kosten- und Prachtaufwand gefeierten Hochzeit ein. Archivalisch rekonstruierbar für dieses Residenzschloss sind anhand eines Inventars aus dem Jahre 1583 ca. 50 Tapisserien – wohl vorzugsweise flämischer Herkunft. Das ist zumindest für Thüringen eine ganz erstaunliche Zahl und an anderen Fürstenhöfen der Zeit im mitteldeutschen Raum so nicht noch einmal nachweisbar. Gezeigt werden dabei Begebenheiten aus dem Alten und Neuen Testament – z.B. widmen sich vier Stücke Szenen aus dem Leben des Heiligen Paulus – sowie zeitgenössische Jagdsujets, die in weltweit einmaliger Weise wie Menschen agierende Affen als Teilnehmer einer Jagdgesellschaft auftreten lassen.

Das Schicksal dieser Tapisserien war in der Folge eng mit dem des Schlosses Neideck verbunden – und wie das Schloss, das im 18. Jahrhundert dem Verfall preis gegeben wurde, verloren die wenigen noch erhalten gebliebenen Tapisserien ebenfalls ihre Wertschätzung. Sie wurden anscheinend geborgen, aber nicht mehr präsentiert und gerieten bald völlig in Vergessenheit.

Die elf Bildteppiche des Arnstädter Museums tauchten schließlich 1860 in einem Hausinventar des Schlosses Gehren auf und gelangten 1930 in den Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Weimar. Von da kamen sie 1949 durch eine Entscheidung des Ministeriums für Volksbildung der Landesregierung Thüringen nach Arnstadt zurück.

Seit 1988 bemüht sich das Schlossmuseum Arnstadt um die Restaurierung dieser Stücke. Im Jahre 2008 konnte dabei der letzte im Zuge dieser Restaurierungsmaßnahmen fertig gestellte Bildteppich aus der Werkstatt der Restauratorin, Frau Gerlach aus Thyrow, im Arnstädter Schlossmuseum in Empfang genommen werden, womit die Vollendung eines 20jährigen (!) Restaurierungsprojektes einher ging. Unterstützt wurde die Maßnahme in diesem Zeitraum durch die Stadt Arnstadt, den Kulturbetrieb der Stadt Arnstadt, das Kultusministerium des Landes Thüringen, den Freundeskreis der KulturStiftung der Länder in Berlin, den Förderverein Schlossmuseum Arnstadt e.V. sowie durch Spenden Arnstädter Bürgerinnen und Bürger.

Im März 2010 wird eine Sonderausstellung ihre Tore öffnen, die alle diese Tapisserien zeigen soll, ergänzt um Exponate, die das kulturhistorische Umfeld des Arnstädter Hofes zur Zeit Günthers „des Streitbaren“ und der Katharina von Nassau erhellen. So brachte Gräfin Katharina beispielsweise aus Antwerpen ein Exemplar der 1569/73 im Auftrag des spanischen Königs Philipp II. bei Plantin gedruckten polyglotten Biblia Regia mit. Nach ihrer „glücklichen Wiederkehr“ stiftete sie die acht Bände am 17. Juli 1593 in die Arnstädter Kirchenbibliothek, wo sie noch heute die Reihe der Foliobände eröffnen.
„Die Plantinsche Druckerei wurde 1549 von Christophe Plantin (1520-1589) gegründet und befindet sich seit 1576 am Antwerpener Vrijdemarkt. Sie betrieb 16 Pressen und war damit die mit Abstand größte ihrer Zeit in Europa. Über 1500 verschiedene Bücher wurden in Plantins Werkstatt gedruckt; sein Meisterwerk war die achtbändige ‚Biblia Regia’ oder ‚Biblia Polyglotta’ in hebräischen, syrischen, aramäischen, griechischen und lateinischen Lettern.“
(Zitat aus: Baedeker 2008, S 162, im Beitrag über Antwerpen)

Das originale Exemplar der Plantin-Bibel aus dem Besitz der Katharina von Nassau wird in unserer Ausstellung – neben vielen anderen zeitgenössischen Realien – den Bereich des kulturhistorischen Umfelds der Ausstellung bereichern.

Wesentlicher Schwerpunkt dieser Sonderausstellung bleibt jedoch die Herstellungs- und Wirkungsweise der flämischen Tapisserien aus dem Bestand des Schlossmuseums Arnstadt, wobei künstlerische Vorlagen und Pendants aus anderen Sammlungen vorgestellt werden. Zugleich soll im Jahre 2010 dem 450. Jubiläum der Prunkhochzeit auf Schloss Neideck in Arnstadt gedacht werden. Unterstützt wird dieses Ausstellungsprojekt durch Leihgaben und Abbildungsbeiträge zahlreicher Museen, Archive und anderer Einrichtungen des In- und Auslandes.




Sonderausstellung im Schlossmuseum Arnstadt
28. März bis 21. November 2010

Di bis So 9.30 bis 16.30 Uhr, montags geschlossen
Tel. 03628/602932
Fax 03628/48264
Mail
www.arnstadt.de

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Verlag Vopelius, Jena, 264 Seiten, ca. 140 Abbildungen).

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Stadtmarketing Arnstadt GmbH
Rankestraße 11
99310 Arnstadt

Tel. 03628/ 660169

Die Stadtmarketing Arnstadt GmbH wurde im März des Jahres 2000 durch die Stadt Arnstadt gegründet. Als Dienstleister für die Stadt übernimmt sie Aufgaben der Wirtschaftsförderung, der touristischen Vermarktung und der Durchführung von Veranstaltungen und Märkten sowie die Pflege der kommunalen Internetseiten. 2008 wurde die Stadtmarketing Arnstadt GmbH als bislang siebtes Unternehmen in Thüringen mit dem Zertifikat "Servicequalität in Thüringen Stufe II" ausgezeichnet.

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