13.01.2010 - 13:53 - Kunst & Kultur

Doch dann kam alles anders? Fotografien zum ostdeutschen Wandel in der Galerie Forum Amalienpark

Pressemitteilung von: Galerie Forum Amalienpark, Verein Kunst und Literatur Forum Amalienpark e.V.

Bild im Großformat
Lorenz Kienzle: Konusfärben (1999)
(Berlin, 13. Januar 2010) – Die unzähligen Gedenkveranstaltungen im November 2009 haben die Kuratoren Hansgert Lambers und Axel Sommer bewogen, die durch das historische Ereignis „Mauerfall“ ausgelösten Wandlungen in Deutschland näher in Augenschein zu nehmen. In den Räumen der Galerie Forum Amalienpark zeigen fünf ausgewählte Fotografen aus Berlin ihre Arbeiten zu diesem Thema. Die Bildessays dokumentieren auf prägnante Weise die „Deutschen Wandlungen“, die Folgelandschaften und Umbrüche im Osten Deutschlands: Veränderungen, die ohnehin anstanden, die sich aber durch die abrupte Auflösung eines Staates und die Eingliederung in eine zunächst fremde Ordnung wahrscheinlich nur deutlich zeigen. Der Kurator Hansgert Lambers, der Verleger des auf Autorenfotografie mit Schwerpunkt Osteuropa spezialisierten „ex pose Verlags“ bemerkt hierzu: „Die Fotografie ist längst aus ihrer angeblich nur abbildenden Rolle heraus getreten. Die fünf Fotografen betrachten die Vorgänge mit kritisch abwägendem Blick und persönlichem Engagement.“

Deutsche Wandlungen
Fotografische Betrachtungen von Lorenz Kienzle, Thomas Kläber, Dietrich Oltmanns, Burkhard Peter und Peter Thieme
Kuratoren: Hansgert Lambers und Axel Sommer
Ausstellungsdauer: 16.01.2010-20.02.2010
Eröffnung: 15.01.2010, 19.30 Uhr mit einer Einführung von Hansgert Lambers
Ort: Galerie Forum Amalienpark, Breite Straße 2a, 13187 Berlin
Telefon: 030/33028095, Mail:

Lorenz Kienzle begleitet Arbeiter einer untergehenden, nicht mehr benötigten Industrie. In einer traditionsreichen Gubener Hutmacher-Fabrik notiert er Arbeitsabläufe, stellt die nun antiquierten Maschinen in ihrer letzten Nutzung dar und zeigt die Vertrautheit der Frauen und Männer mit ihnen. Jede untergehende Industrie, die doch bis dahin Lohn und Brot gegeben hat, hinterlässt Trauer und Arbeitslose. Die ruhigen Bilder von Lorenz Kienzle sind ein Memento.

Thomas Kläber fotografiert bereits seit 1967 Menschen in ländlichen Gebieten im Osten Deutschlands. Er kennt ihre Arbeit auf dem Acker und ihre Feste in der Scheune. Für die Porträts treten sie alle vor einen neutralen Hintergrund. Nur Kleidung und Haltung lassen hier auf ihren sozialen Stand schließen. Ganz besonders haben Thomas Kläber Paare beschäftigt: Mann und Frau, Vater und Sohn, Geschwister. Durchaus der Situation bewusst, vom Fotografen aber offensichtlich nicht bedrängt, zeigen sie feine Gesten, Unbehagen, aber auch Stolz, vielleicht sogar Glück.

Dietrich Oltmanns wendet sich einer eklatanten Veränderung zu: dem Verschwinden der sowjetischen Soldaten aus Deutschland. Dietrich Oltmanns betrachtet nebensächliche Dinge und teilweise kaum mehr deutbare Narben. Eigenwillige Metallarbeiten und ungewöhnliche Farbgebungen werden plötzlich zu Metaphern für eine entschwundene Kultur.

Burkhard Peter erfuhr erst spät von den Lebensumständen seines Großvaters. Er wurde von den Nazis ins KZ gesteckt, da er nicht wie verlangt, fleißig war. Auf einer persönlichen Spurensuche sah er neben den bekannten großen KZs viele kleinere Arbeitslager. Immer wo Burkhard Peters Wege sich mit den damaligen Stationen seines Großvaters kreuzten, fotografierte er diese Orte, Gedenkstätten oder auch nur eine Wiese. Den früher zumeist offiziell geprägten Behandlungen des Themas stehen heute persönliche Sichten auf diese Tatorte gegenüber.

Peter Thieme ließ sich hingegen von ehemaligen Industriegebieten beeindrucken: Brachen, die nach der Zerstörung riesiger Landflächen durch Ausbeutung der Bodenschätze zurück blieben. Braunkohleabbau-Folgelandschaften. In der Gegend südlich von Leipzig sind Felder, Kirchen und ganze Dörfer unwiederbringbar verschwunden. Zurück blieb eine abweisende, karge Landschaft. Durch Fluten der Gruben entstanden Seen, die den Menschen aus der nahe liegenden Großstadt unverhoffte Erholungsfreuden bieten. Man arrangiert sich und setzt die Segel auf der Jolle.

Weitere Informationen und Bilder zur Ausstellung:

deutschewandlungen.blogspot.com
www.amalienpark.de

Pressetexte und druckfähige Bilder:
www.amalienpark.de/presseportal

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Galerie Forum Amalienpark
Peggy Blankenburg
(Öffentlichkeitsarbeit)
Breite Straße 2a
13187 Berlin

Telefon: 030/33028095
Mail:

Der Verein Kunst und Literatur Forum Amalienpark e.V. in Berlin-Pankow möchte Kunst und Literatur in ihrer Vielfältigkeit präsentieren. Künstler/innen, Literaten und Kunstinteressierte wirken hier zusammen. Der Verein wurde 2001 auf Initiative von Gerhard Wolf, Verleger Janus Press GmbH, gegründet. Mit dem Ziel, Kunst- und Kulturprozesse in Berlin-Pankow zu fördern, finden in der Galerie und in der Kunstwerkstatt Ausstellungen, Lesungen, Gesprächsrunden, Workshops, Kurse und nicht zuletzt schöne Feste statt. Zum Verein gehört neben der Galerie Forum Amalienpark auch die Kunstwerkstatt im Amalienpark 4 mit der Handpresse Pankow.

Die Arbeit der Vereinsmitglieder ist ehrenamtlich und der Verein wird durch Spenden finanziell unterstützt. Eine regelmäßige Förderung erfährt der Verein durch die Cajewitz-Stiftung. Die Künstler/innen, die in ihren Ateliers rund um den Amalienpark tätig sind, haben sich zu einer Künstlergruppe zusammengeschlossen. Zu ihnen zählen Günter Blendinger, Regina Conrad, Peter Dettmann, Ellen Fuhr, Annette Gundermann, Dorothee Helena Jacobs, Liz Mields-Kratochwil sowie Regina Müller-Huschke.

In der Galerie Forum Amalienpark präsentieren die Künstler/innen in regelmäßigen Ausstellungen ihre aktuellen Arbeiten, teilweise in Zusammenarbeit mit dem Literaturforum. Die Schwerpunkte liegen in der Vermittlung zeitgenössischer bildender Kunst sowie in der Beschäftigung mit literarischen Themen. Interessante Ausstellungen und Lesungen bekannter deutscher Künstler/innen, u.a. Günther Grass, Armin Müller-Stahl, Achim Freyer, Sarah Haffner, Günther Uecker, Horst Hussel, vervollständigen das Galerieleben.

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