14.12.2009 - 17:48 - Politik, Recht & Gesellschaft
Elf Tibeter in Golog wegen „staatsfeindlicher“ DVD festgenommen
Pressemitteilung von: IGFM München
Einer zuverlässigen, dem Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD), tchrd.org, zugegangenen Information zufolge haben die chinesischen Behörden elf Tibeter, hauptsächlich Mönche, unter der Beschuldigung festgenommen, daß sie eine Video Compact Disc (DVD) mit „umstürzlerischem“ Inhalt produziert und vertrieben hätten.
Elf Tibeter aus den Klöstern Tsakho und Khakhor im Bezirk Matoe (chin. Madu Xian) der Tibetisch-Autonomen Präfektur (TAP) Golog (chin. Guoluo), Provinz Qinghai, wurden am 4. Dezember 2009 von den Beamten des Public Security Bureau (PSB) verhaftet.
Wie aus unserer Quelle verlautet, haben fünf Mönche, die zwei Klöstern in der Gemeinde Tsakho angehören, die DVD gemeinsam hergestellt. Es sind dies: Ngagsung (25), Nobay und Sherab Nyima (ein 25jähriger Yogi) aus dem Kloster Tsakho, sowie Trulku Tsepak (28) und ein namentlich unbekannter Mönch aus dem Kloster Khakhor.
Die DVD mit dem Titel „Chakdrum Marpo“ (Blutiges Omen) kam am 1. September 2009 heraus. Die Lieder handeln von der Sehnsucht der Tibeter nach ihrem im Exil lebenden Oberhaupt, von ihrer Traurigkeit und Hilflosigkeit angesichts des Todes zahlreicher ihrer Landsleute auf die Massenproteste des letzten Jahres hin, von der chinesischen Mißwirtschaft und Brutalität in ihrem Lande seit 1959 und der Ausbeutung der Bodenschätze Tibets. Es werden darauf auch Bilder mit Szenen exzessiver Gewaltanwendung durch die Sicherheitskräfte und Tötung von Tibetern während des Volksaufstandes letztes Jahr gezeigt.
Sechs weitere Tibeter haben ungefähr 5000 Exemplare der DVD unentgeltlich im und um den Bezirk Matoe verteilt. Ihre Namen sind:
Gaybo (41), ehemaliger Abt des Klosters Tsakho
Gowang (23), ein Mönch des Klosters Tsakho
Tashi Nyima (33), der Zuchtmeister des Klosters Tsakho
Markyi (40), der Abt des Klosters Khakhor
Khenpo (25), ein Mönch des Klosters Khakhor
Garab Dorjee, alias Garkho (46), ein Laie aus der Gemeinde Tsakho
Weiter verlautet aus unserer Quelle: „Alle elf Personen, die an der Herstellung und Verteilung der DVD beteiligt waren, wurden am Freitag, den 4. Dezember, von dem Bezirks-PSB von Matoe willkürlich festgenommen. Wie wir nun hörten, wurden die sechs Personen, die die DVD verteilt haben, nach Zahlung einer Strafe von je 10.000 Yuan auf Bewährung auf freien Fuß gesetzt. Die fünf Mönche, welche die DVD herstellten, befinden sich weiterhin im Gewahrsam. Den Verteilern wurde eine Frist zum 10. Dezember gesetzt, bis zu welcher sie alle verteilten DVDs heranschaffen müssen, andernfalls droht ihnen die Wiederverhaftung. Diese Forderung ist angesichts der weitläufigen Verteilung an diversen Ortschaften unmöglich, so daß die Mönche mit baldiger Festnahme rechnen müssen“.
Im Laufe der Jahre haben die chinesischen Behörden tibetische Schriftsteller, Photographen, Blogger und Publizisten verhaftet, die gar nicht öffentlich protestiert hatten, sondern nur versuchten, die Ansichten ihrer Landsleute zu Themen wie Menschenrechte, Kultur, Religion und die empfindliche Umwelt Tibets zum Ausdruck zu bringen. Im vergangenen Monat haben die Behörden einen 30jährigen Berufssänger, Tashi Dhondup, verhaftet, weil er ihrer Ansicht nach für sein neues Album „Folter ohne Spur“ Lieder subversiven Inhalts komponiert hatte.
Und am 12. November 2009 wurde in einer Verhandlung hinter verschlossenen Türen der tibetische Mönch Kunga Tsayang, der sich schriftstellerisch und als Photograph betätigte, unter der Anklage des Verrats von Staatsgeheimnissen von dem Mittleren Volksgericht der TAP Gannan, Präfektur Gansu, zu fünf Jahren Haft verurteilt.
Das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) appelliert an die Regierung der VR China, die tibetischen Häftlinge sofort und bedingungslos freizulassen und die grundlegenden Menschenrechte des tibetischen Volkes auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung zu respektieren. Diese sind in ihrer eigenen chinesischen Verfassung sowie in mehreren internationalen Verträgen, denen China beitrat, festgeschrieben.
Die Regierung der VR China sollte die im Februar des Jahres von der UN-Kommission für die Allgemeine Regelmäßige Länderüberprüfung im Hinblick auf Chinas Menschenrechtslage ausgesprochenen Empfehlungen umsetzen. Darin wird die Revidierung des Gesetzes über Staatsgeheimnisse gefordert sowie eine präzise Definition von Delikten wie „Subversion der Staatsmacht“ oder „Weitergabe von Staatsgeheimnissen“. Wegen der häufigen Anwendung dieser dehnbaren Kategorien können die staatlichen Vollzugsorgane das Gesetz ungehindert mißbrauchen und Menschenrechtsaktivisten, die einfach nur ihre Grundmenschenrechte in friedlicher Weise ausüben, schikanieren, festnehmen und einsperren. Die Verhaftung der elf Tibeter von Golog ist ein typischer Fall.
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Internationale Gesellschaft
für Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe München
c/o Jürgen Thierack
Rudolfstraße 1
82152 Planegg
(+49 89) 859 84 40 oder
(+49 40) 480 80 77 Angelika Mensching
www.igfm-muenchen.de
Der Auftrag der IGFM zielt auf die friedliche Verwirklichung der Menschenrechte, deklariert von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948, dem Tag der Menschenrechte. Seit einigen Jahren leistet die im Jahre 1972 gegründete und seitdem anerkannt gemeinnützige Gesellschaft auch mildtätige Arbeit.
Die IGFM hat Beobachterstatus beim Europarat sowie ECOSOC-(Roster) Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Die Arbeitsgruppe München hat Tibet als Schwerpunkt gewählt. Eine umfangreiche Sammlung von Texten zur Menschenrechtslage in Tibet steht auf unserer Website unter der Rubrik "Tibet", wir versenden auch kostenlos aktuelle Meldungen zu Tibet per e-mail. Anmeldung unter
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Elf Tibeter aus den Klöstern Tsakho und Khakhor im Bezirk Matoe (chin. Madu Xian) der Tibetisch-Autonomen Präfektur (TAP) Golog (chin. Guoluo), Provinz Qinghai, wurden am 4. Dezember 2009 von den Beamten des Public Security Bureau (PSB) verhaftet.
Wie aus unserer Quelle verlautet, haben fünf Mönche, die zwei Klöstern in der Gemeinde Tsakho angehören, die DVD gemeinsam hergestellt. Es sind dies: Ngagsung (25), Nobay und Sherab Nyima (ein 25jähriger Yogi) aus dem Kloster Tsakho, sowie Trulku Tsepak (28) und ein namentlich unbekannter Mönch aus dem Kloster Khakhor.
Die DVD mit dem Titel „Chakdrum Marpo“ (Blutiges Omen) kam am 1. September 2009 heraus. Die Lieder handeln von der Sehnsucht der Tibeter nach ihrem im Exil lebenden Oberhaupt, von ihrer Traurigkeit und Hilflosigkeit angesichts des Todes zahlreicher ihrer Landsleute auf die Massenproteste des letzten Jahres hin, von der chinesischen Mißwirtschaft und Brutalität in ihrem Lande seit 1959 und der Ausbeutung der Bodenschätze Tibets. Es werden darauf auch Bilder mit Szenen exzessiver Gewaltanwendung durch die Sicherheitskräfte und Tötung von Tibetern während des Volksaufstandes letztes Jahr gezeigt.
Sechs weitere Tibeter haben ungefähr 5000 Exemplare der DVD unentgeltlich im und um den Bezirk Matoe verteilt. Ihre Namen sind:
Gaybo (41), ehemaliger Abt des Klosters Tsakho
Gowang (23), ein Mönch des Klosters Tsakho
Tashi Nyima (33), der Zuchtmeister des Klosters Tsakho
Markyi (40), der Abt des Klosters Khakhor
Khenpo (25), ein Mönch des Klosters Khakhor
Garab Dorjee, alias Garkho (46), ein Laie aus der Gemeinde Tsakho
Weiter verlautet aus unserer Quelle: „Alle elf Personen, die an der Herstellung und Verteilung der DVD beteiligt waren, wurden am Freitag, den 4. Dezember, von dem Bezirks-PSB von Matoe willkürlich festgenommen. Wie wir nun hörten, wurden die sechs Personen, die die DVD verteilt haben, nach Zahlung einer Strafe von je 10.000 Yuan auf Bewährung auf freien Fuß gesetzt. Die fünf Mönche, welche die DVD herstellten, befinden sich weiterhin im Gewahrsam. Den Verteilern wurde eine Frist zum 10. Dezember gesetzt, bis zu welcher sie alle verteilten DVDs heranschaffen müssen, andernfalls droht ihnen die Wiederverhaftung. Diese Forderung ist angesichts der weitläufigen Verteilung an diversen Ortschaften unmöglich, so daß die Mönche mit baldiger Festnahme rechnen müssen“.
Im Laufe der Jahre haben die chinesischen Behörden tibetische Schriftsteller, Photographen, Blogger und Publizisten verhaftet, die gar nicht öffentlich protestiert hatten, sondern nur versuchten, die Ansichten ihrer Landsleute zu Themen wie Menschenrechte, Kultur, Religion und die empfindliche Umwelt Tibets zum Ausdruck zu bringen. Im vergangenen Monat haben die Behörden einen 30jährigen Berufssänger, Tashi Dhondup, verhaftet, weil er ihrer Ansicht nach für sein neues Album „Folter ohne Spur“ Lieder subversiven Inhalts komponiert hatte.
Und am 12. November 2009 wurde in einer Verhandlung hinter verschlossenen Türen der tibetische Mönch Kunga Tsayang, der sich schriftstellerisch und als Photograph betätigte, unter der Anklage des Verrats von Staatsgeheimnissen von dem Mittleren Volksgericht der TAP Gannan, Präfektur Gansu, zu fünf Jahren Haft verurteilt.
Das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) appelliert an die Regierung der VR China, die tibetischen Häftlinge sofort und bedingungslos freizulassen und die grundlegenden Menschenrechte des tibetischen Volkes auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung zu respektieren. Diese sind in ihrer eigenen chinesischen Verfassung sowie in mehreren internationalen Verträgen, denen China beitrat, festgeschrieben.
Die Regierung der VR China sollte die im Februar des Jahres von der UN-Kommission für die Allgemeine Regelmäßige Länderüberprüfung im Hinblick auf Chinas Menschenrechtslage ausgesprochenen Empfehlungen umsetzen. Darin wird die Revidierung des Gesetzes über Staatsgeheimnisse gefordert sowie eine präzise Definition von Delikten wie „Subversion der Staatsmacht“ oder „Weitergabe von Staatsgeheimnissen“. Wegen der häufigen Anwendung dieser dehnbaren Kategorien können die staatlichen Vollzugsorgane das Gesetz ungehindert mißbrauchen und Menschenrechtsaktivisten, die einfach nur ihre Grundmenschenrechte in friedlicher Weise ausüben, schikanieren, festnehmen und einsperren. Die Verhaftung der elf Tibeter von Golog ist ein typischer Fall.
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
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Die IGFM hat Beobachterstatus beim Europarat sowie ECOSOC-(Roster) Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Die Arbeitsgruppe München hat Tibet als Schwerpunkt gewählt. Eine umfangreiche Sammlung von Texten zur Menschenrechtslage in Tibet steht auf unserer Website unter der Rubrik "Tibet", wir versenden auch kostenlos aktuelle Meldungen zu Tibet per e-mail. Anmeldung unter
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