07.12.2009 - 08:34 - Politik, Recht & Gesellschaft
Überlebender des Massakers von Tongkor in Osttibet erreicht das Exil
Pressemitteilung von: IGFM München
Der 18jährige Mönch Dorjee Rinchen, der die blutige Niederschlagung der friedlichen Demonstration der Tibeter im Kloster Tongkor (Kardze) letztes Jahr mit knapper Not überlebte, berichtete nach seiner Flucht ins Exil dem Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD), tchrd.org, über seine schrecklichen Erlebnisse. Am 3. April 2008 schossen chinesische Sicherheitskräfte in großer Zahl wahllos in die Menge friedlich protestierender Tibeter*.
Am 2. April 2008 hatten im Kloster Tongkor (chin. Donggu) in der Gemeinde Zithang, Bezirk Kardze, TAP Kardze, Provinz Sichuan, Mönche protestiert, nachdem dort ein offizielles „Arbeitsteam“ zur Durchführung der „patriotischen Erziehung“ eingetroffen war. Bei dieser Schulung müssen die Mönche sich vom Dalai Lama distanzieren, Widerstand gegen die „feindlichen separatistischen Kräfte“ geloben und der kommunistischen Partei durch ihre Unterschrift auf bestimmten Dokumenten Loyalität und ihr Einverständnis mit deren Politik in Tibet bekunden.
Am 3. April 2008 kam ein riesiges Kontinent von Sicherheitskräften der People’s Armed Police (PAP) und des Public Security Bureau (PSB in etwa 100 Militärlastwagen in die Gemeinde Zithang, wo sich das Kloster Tongkor befindet.
Die chinesischen Sicherheitskräfte überfielen zusammen mit den Kadern für die „patriotische Erziehung“ die Wohnquartiere der Mönche, verunstalteten Bilder des Dalai Lama, von Tongkor Shabdrung Rinpoche und des Panchen Lama. Die aufgebrachten Mönche verweigerten daraufhin die Teilnahme an der „patriotischen Umerziehung“. Zu einer allgemeinen Protestaktion kam es, nachdem ein älterer Mönch und ein Laie festgenommenen wurden, weil sie sich gegen die „patriotische Erziehung“ gewehrt hatten und nicht zu dieser erschienen waren.
Am Abend desselben Tages marschierten dann Hunderte von Mönchen, denen sich etliche dort ansässige Tibeter anschlossen, zur Gemeindeverwaltung und forderten die sofortige Freilassung von Geshe Tsultrim Tenzin und des Laien Tsultrim Phuntsok. Die Demonstranten zogen erst wieder ab, nachdem die Beamten ihnen zugesichert hatten, daß die zwei festgenommenen Tibeter um 20 Uhr wieder freigelassen würden. Als die Behörden ihr Versprechen jedoch nicht einlösten, nahmen die Tibeter ihren Protestmarsch wieder auf, doch unterwegs wurden sie von zahlreichen PAP und PSB-Kräften aufgehalten. Es kam zu einem Handgemenge. Nun schossen die chinesischen Sicherheitskräfte mit scharfer Munition in die Menge der protestierenden Tibeter. Mindestens 14 Tibeter fanden dabei den Tod und Unzählige wurden schwer verletzt.
Die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte, daß es einen Zwischenfall gegeben hätte, beschrieb ihn jedoch als „Krawall“ und sprach nur von einem verletzten Regierungsbeamten, während sie die Todesopfer, Verhafteten und Verletzten unter den Tibetern einfach überging.
Einer der Überlebenden, ein Augenzeuge des Massakers von Tongkor, der schwere Schußwunden erlitten hatte, traf kürzlich in Dharamsala ein, wo er am 27. November 2009 dem TCHRD berichtete.
Das TCHRD glaubt, daß es Hunderte von Tibetern gibt, die über ähnliche entsetzliche Menschenrechtsverletzungen berichten könnten, wie Dorjee Rinchen aus Tongkor sie erlebte. Aber sie sind in Tibet gefangen. Angesichts dieser Umstände appelliert das TCHRD an den UN-Menschenrechtsrat (UNHRC), die internationale Gemeinschaft und die wohlmeinenden Bürger eines jeden Landes, die chinesische Regierung aufzufordern, daß sie diese Tibeter freiläßt, den Verletzten die notwendige medizinische Behandlung zukommen läßt und die grundlegenden Menschenrechte des tibetischen Volkes respektiert.
* Siehe: 4. April 2008: „Chinesische paramilitärische Einheiten schießen auf tibetische Demonstranten - Zahl der Toten unbekannt“: www.igfm-muenchen.de/tibet/RFA/2008/Tongkar15Tote_4.April...
5. April 2008: „Mindestens acht Tibeter im Kloster Tongkor in Kardze erschossen“
www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2008/Tongkor-Kardze_5.4....“
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Internationale Gesellschaft
für Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe München
c/o Jürgen Thierack
Rudolfstraße 1
82152 Planegg
(+49 89) 859 84 40 oder
(+49 40) 480 80 77 Angelika Mensching
www.igfm-muenchen.de
Der Auftrag der IGFM zielt auf die friedliche Verwirklichung der Menschenrechte, deklariert von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948, dem Tag der Menschenrechte. Seit einigen Jahren leistet die im Jahre 1972 gegründete und seitdem anerkannt gemeinnützige Gesellschaft auch mildtätige Arbeit.
Die IGFM hat Beobachterstatus beim Europarat sowie ECOSOC-(Roster) Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Die Arbeitsgruppe München hat Tibet als Schwerpunkt gewählt. Eine umfangreiche Sammlung von Texten zur Menschenrechtslage in Tibet steht auf unserer Website unter der Rubrik "Tibet", wir versenden auch kostenlos aktuelle Meldungen zu Tibet per e-mail. Anmeldung unter
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Am 2. April 2008 hatten im Kloster Tongkor (chin. Donggu) in der Gemeinde Zithang, Bezirk Kardze, TAP Kardze, Provinz Sichuan, Mönche protestiert, nachdem dort ein offizielles „Arbeitsteam“ zur Durchführung der „patriotischen Erziehung“ eingetroffen war. Bei dieser Schulung müssen die Mönche sich vom Dalai Lama distanzieren, Widerstand gegen die „feindlichen separatistischen Kräfte“ geloben und der kommunistischen Partei durch ihre Unterschrift auf bestimmten Dokumenten Loyalität und ihr Einverständnis mit deren Politik in Tibet bekunden.
Am 3. April 2008 kam ein riesiges Kontinent von Sicherheitskräften der People’s Armed Police (PAP) und des Public Security Bureau (PSB in etwa 100 Militärlastwagen in die Gemeinde Zithang, wo sich das Kloster Tongkor befindet.
Die chinesischen Sicherheitskräfte überfielen zusammen mit den Kadern für die „patriotische Erziehung“ die Wohnquartiere der Mönche, verunstalteten Bilder des Dalai Lama, von Tongkor Shabdrung Rinpoche und des Panchen Lama. Die aufgebrachten Mönche verweigerten daraufhin die Teilnahme an der „patriotischen Umerziehung“. Zu einer allgemeinen Protestaktion kam es, nachdem ein älterer Mönch und ein Laie festgenommenen wurden, weil sie sich gegen die „patriotische Erziehung“ gewehrt hatten und nicht zu dieser erschienen waren.
Am Abend desselben Tages marschierten dann Hunderte von Mönchen, denen sich etliche dort ansässige Tibeter anschlossen, zur Gemeindeverwaltung und forderten die sofortige Freilassung von Geshe Tsultrim Tenzin und des Laien Tsultrim Phuntsok. Die Demonstranten zogen erst wieder ab, nachdem die Beamten ihnen zugesichert hatten, daß die zwei festgenommenen Tibeter um 20 Uhr wieder freigelassen würden. Als die Behörden ihr Versprechen jedoch nicht einlösten, nahmen die Tibeter ihren Protestmarsch wieder auf, doch unterwegs wurden sie von zahlreichen PAP und PSB-Kräften aufgehalten. Es kam zu einem Handgemenge. Nun schossen die chinesischen Sicherheitskräfte mit scharfer Munition in die Menge der protestierenden Tibeter. Mindestens 14 Tibeter fanden dabei den Tod und Unzählige wurden schwer verletzt.
Die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte, daß es einen Zwischenfall gegeben hätte, beschrieb ihn jedoch als „Krawall“ und sprach nur von einem verletzten Regierungsbeamten, während sie die Todesopfer, Verhafteten und Verletzten unter den Tibetern einfach überging.
Einer der Überlebenden, ein Augenzeuge des Massakers von Tongkor, der schwere Schußwunden erlitten hatte, traf kürzlich in Dharamsala ein, wo er am 27. November 2009 dem TCHRD berichtete.
Das TCHRD glaubt, daß es Hunderte von Tibetern gibt, die über ähnliche entsetzliche Menschenrechtsverletzungen berichten könnten, wie Dorjee Rinchen aus Tongkor sie erlebte. Aber sie sind in Tibet gefangen. Angesichts dieser Umstände appelliert das TCHRD an den UN-Menschenrechtsrat (UNHRC), die internationale Gemeinschaft und die wohlmeinenden Bürger eines jeden Landes, die chinesische Regierung aufzufordern, daß sie diese Tibeter freiläßt, den Verletzten die notwendige medizinische Behandlung zukommen läßt und die grundlegenden Menschenrechte des tibetischen Volkes respektiert.
* Siehe: 4. April 2008: „Chinesische paramilitärische Einheiten schießen auf tibetische Demonstranten - Zahl der Toten unbekannt“: www.igfm-muenchen.de/tibet/RFA/2008/Tongkar15Tote_4.April...
5. April 2008: „Mindestens acht Tibeter im Kloster Tongkor in Kardze erschossen“
www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2008/Tongkor-Kardze_5.4....“
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