04.12.2009 - 17:37 - Gesundheit & Medizin
Expertengespräche in Monitor Versorgungsforschung: Wege aus der Gesundheitssytemkrise
Pressemitteilung von: eRelation AG
Prof. Dr. Peter Sawicki und Prof. Dr. Gerd Glaeske erörtern innovative Lösungen für die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems
Das deutsche Gesundheitssystem steckt seit Jahren in einer strukturellen Krise, die die verschiedenen Regierungskoalitionen mit Gesundheitsreformen und Vorordnungen bisher nicht grundlegend verändern, sondern lediglich einigermaßen finanzierbar halten konnten. Doch die Lage spitzt sich zu: Trotz gestiegener Beitragssätze für mehr als 90 % der gesetzlich Versicherten wurde jüngst ein Rekordzuschuss von 15,7 Milliarden (3,9 Milliarden mehr als geplant!) für den schwächelnden Gesundheitsfond verabschiedet.
Führende Gesundheitsökonomen sehen den Weg aus der Krise darum nur in einem klaren Schnitt, der weg von Reförmchen hin zu einem Systemwandel führt. „Der Kommerz muss aus der Medizin verschwinden“, forderte Prof. Dr. Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Titelinterview des Monitors Versorgungsfor- schung 05/2009 und spricht sich für eine Entkommerzialsierung des Ärzte- standes aus. Noch einen Schritt weiter geht Prof. Dr. Gerd Glaeske (Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen und Mitglied des Sachverständigen- rates für eine Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen) im Dezember- Interview der Zeitschrift Monitor Versorgungsforschung (06/2009) und setzt auf eine radikale Abkehr der tradierten Rollenverteilung zwischen Leistungserbringer und Payer.
Laut Glaeskes Analyse liegt der „Hauptgrund der Probleme in den Ineffizienzen im System“, die vornehmlich auf Fragmentierung und Sekto- risierung zurück zu führen seien. Als sinnvolle Lösung empfiehlt Glaeske - wie auch der Sachverständigenrat in seinem aktuellen Gutachten - ein „sektorenübergreifendes, populationsorientiertes und regionalisiertes Versorgungskonzept“, das sich vom traditionellen Geber/Nehmerprinzip verabschiedet: „Wichtig ist mir, dass wir gedanklich davon wegkommen, dass der Eine Leistungen in Anspruch nimmt, der Zweite sie leistet und der Dritte dafür bezahlt. In einem populationsbezogenen und sektorübergrei- fenden System würden dagegen die Akteure selbst über die zur Verfügung stehenden Finanzmittel gemeinsam und miteinander entscheiden; und - das ist das Wichtige - auch selbst verantwortlich für die Effizienz in diesem Versorgungssystem sein, umreißt Glaeske die zentralen Punkte seines Ansatzes.
Dass diese Forderung keine reine Zukunftsvision, sondern in einigen Fällen durchaus schon positiv gelebte Realität ist, sieht Glaeske in einer Reihe von regionalen Modellprojekten („Gesundes Kinzigtal“, „Solimed“) aber auch an Hand von 55 bereits bestehenden populationsbezogenen integrierten Versorgungsverträgen bestätigt.
Was beide Experten eint, ist die Feststellung, dass eine Verbesserung der Versorgung keineswegs mehr Geld kosten muss. „Einen Zwang zur Rationierung sehe ich im Moment noch nicht einmal am Horizont“, so Sawicki, man könne mit dem heute vorhandenen Budget eine „gute Medizin erreichen; sogar eine sehr gute Medizin und ohne, dass man kranken Menschen irgendetwas vorenthält“. Vielmehr gehe es darum, die „vorhande- nen Ressourcen effizienter auszuschöpfen“, so Sawicki weiter. Auch für Glaeske müsste das „an sich ausreichende Beitragsaufkommen“ nur sinnvol- ler eingesetzt werden. Das von ihm favorisierte „popularitätsorientierte, regionalisierte Versorgungskonzept“ sorge als ein auf Kooperation basierendes System aus sich heraus dafür, dass „Finanzen andere Wege nehmen als bisher, denn es gibt kein besseres Korrektiv als soziale und qualitätsorientierte Anreize in einem solchen System, gepaart mit hoher Eigenverantwortung. Das System wird daher letztlich für eine qualitäts- gesicherte Patientenorientierung honoriert, Pay for Performance,“ so Glaeske.
Man darf gespannt sein, wie das neue Gesundheitsministerium auf solche strukturellen Änderungsvorschläge reagieren wird, das laut Aussagen seines neuen Staatssekretärs Stefan Kapferer dazu eine Regierungskommission einsetzen wird, die ab Januar die generellen Aussagen des Koalitionsvertrags in „gangbare“ Konzepte umsetzen soll.
Das aktuelle Heft erscheint am 07.12.2009 und ist zu beziehen über:
www.monitor-versorgungsforschung.de/aktuelle_ausgabe_best...
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
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eRelation AG
Monitor Versorgungsforschung
Anke Heiser
Kölnstr. 119
53111 Bonn
Tel 0228 76 36 8-15
Fax 0228 299 799 714
Mail:
URL: www.m-vf.de
Über Monitor Versorgungsforschung: „Monitor Versorgungsforschung“ versteht sich als unabhängiges und disziplinen-übergreifendes Fachorgan für das vielschichtige Themenfeld der Versorgungsforschung. Im Zentrum der Berichterstattung steht immer der konkrete Beitrag, ein bestimmtes Versorgungsziel zu erreichen - sei es von Seiten der Mediziner, Pharmakologen, Pflege- und Gesundheitswissenschaftler, Soziologen, Statistiker, Ökonomen oder Spezialisten anderer relevanter Fachgebiete. Mit einer IVW-geprüften Auflage von knapp 7.000 Exemplaren erreicht der zweimonatlich erscheinende Titel eine Leserschaft, die sich aus wissenschaftlichen wie ärztlichen Fachkreisen, Vertretern der Leistungsträger, politischen und institutionellen Entscheidern, der pharmazeutischen Industrie sowie anderen Experten der Healthcare Branche zusammensetzt. Herausgeber ist Prof. Dr. Reinhold Roski, Berlin. Ihm zur Seite steht ein elfköpfiger internationaler Herausgeberbeirat, dem unter anderem Prof. Dr. med. Bettina Borisch MPH, Genf, Schweiz, Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, Berlin und Prof. Dr. med. Matthias Schrappe, Bonn angehören.
Das deutsche Gesundheitssystem steckt seit Jahren in einer strukturellen Krise, die die verschiedenen Regierungskoalitionen mit Gesundheitsreformen und Vorordnungen bisher nicht grundlegend verändern, sondern lediglich einigermaßen finanzierbar halten konnten. Doch die Lage spitzt sich zu: Trotz gestiegener Beitragssätze für mehr als 90 % der gesetzlich Versicherten wurde jüngst ein Rekordzuschuss von 15,7 Milliarden (3,9 Milliarden mehr als geplant!) für den schwächelnden Gesundheitsfond verabschiedet.
Führende Gesundheitsökonomen sehen den Weg aus der Krise darum nur in einem klaren Schnitt, der weg von Reförmchen hin zu einem Systemwandel führt. „Der Kommerz muss aus der Medizin verschwinden“, forderte Prof. Dr. Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Titelinterview des Monitors Versorgungsfor- schung 05/2009 und spricht sich für eine Entkommerzialsierung des Ärzte- standes aus. Noch einen Schritt weiter geht Prof. Dr. Gerd Glaeske (Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen und Mitglied des Sachverständigen- rates für eine Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen) im Dezember- Interview der Zeitschrift Monitor Versorgungsforschung (06/2009) und setzt auf eine radikale Abkehr der tradierten Rollenverteilung zwischen Leistungserbringer und Payer.
Laut Glaeskes Analyse liegt der „Hauptgrund der Probleme in den Ineffizienzen im System“, die vornehmlich auf Fragmentierung und Sekto- risierung zurück zu führen seien. Als sinnvolle Lösung empfiehlt Glaeske - wie auch der Sachverständigenrat in seinem aktuellen Gutachten - ein „sektorenübergreifendes, populationsorientiertes und regionalisiertes Versorgungskonzept“, das sich vom traditionellen Geber/Nehmerprinzip verabschiedet: „Wichtig ist mir, dass wir gedanklich davon wegkommen, dass der Eine Leistungen in Anspruch nimmt, der Zweite sie leistet und der Dritte dafür bezahlt. In einem populationsbezogenen und sektorübergrei- fenden System würden dagegen die Akteure selbst über die zur Verfügung stehenden Finanzmittel gemeinsam und miteinander entscheiden; und - das ist das Wichtige - auch selbst verantwortlich für die Effizienz in diesem Versorgungssystem sein, umreißt Glaeske die zentralen Punkte seines Ansatzes.
Dass diese Forderung keine reine Zukunftsvision, sondern in einigen Fällen durchaus schon positiv gelebte Realität ist, sieht Glaeske in einer Reihe von regionalen Modellprojekten („Gesundes Kinzigtal“, „Solimed“) aber auch an Hand von 55 bereits bestehenden populationsbezogenen integrierten Versorgungsverträgen bestätigt.
Was beide Experten eint, ist die Feststellung, dass eine Verbesserung der Versorgung keineswegs mehr Geld kosten muss. „Einen Zwang zur Rationierung sehe ich im Moment noch nicht einmal am Horizont“, so Sawicki, man könne mit dem heute vorhandenen Budget eine „gute Medizin erreichen; sogar eine sehr gute Medizin und ohne, dass man kranken Menschen irgendetwas vorenthält“. Vielmehr gehe es darum, die „vorhande- nen Ressourcen effizienter auszuschöpfen“, so Sawicki weiter. Auch für Glaeske müsste das „an sich ausreichende Beitragsaufkommen“ nur sinnvol- ler eingesetzt werden. Das von ihm favorisierte „popularitätsorientierte, regionalisierte Versorgungskonzept“ sorge als ein auf Kooperation basierendes System aus sich heraus dafür, dass „Finanzen andere Wege nehmen als bisher, denn es gibt kein besseres Korrektiv als soziale und qualitätsorientierte Anreize in einem solchen System, gepaart mit hoher Eigenverantwortung. Das System wird daher letztlich für eine qualitäts- gesicherte Patientenorientierung honoriert, Pay for Performance,“ so Glaeske.
Man darf gespannt sein, wie das neue Gesundheitsministerium auf solche strukturellen Änderungsvorschläge reagieren wird, das laut Aussagen seines neuen Staatssekretärs Stefan Kapferer dazu eine Regierungskommission einsetzen wird, die ab Januar die generellen Aussagen des Koalitionsvertrags in „gangbare“ Konzepte umsetzen soll.
Das aktuelle Heft erscheint am 07.12.2009 und ist zu beziehen über:
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