Magdeburg: Ärztevereinigung fordert Stopp der antiquierten Hirnforschung an Affen

Pressemitteilung von: Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Bild im Großformat
Die im Jahr 2008 aus dem Magdeburger Leibniz-Institut veröffentlichte Zeichnung (rechts) zeigt die Vorrichtung, die Affen dauerhaft auf den Kopf geschraubt wird.
Am Magdeburger Leibniz-Institut finden Hirnversuche an Affen statt, die dem gleichen Schema folgen wie bereits in den 1970er Jahren. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert diese Praktik als »außerordentlich quälerisch« und fordert deren Verbot.

Den Magdeburger Affen wird eine besonders große Vorrichtung dauerhaft auf dem Kopf verankert. Das helmartige Konstrukt besteht aus drei Bögen und wird mit sechs durch Haut und Muskel gedrillten Stahlschrauben am Schädelknochen fixiert. Außerdem wird auf dem Schädel ein Metallzylinder über einem zwei Zentimeter großen Bohrloch angebracht, durch den Elektroden in das Hirngewebe eingeführt werden. Für die eigentlichen Experimente wird der Kopf der Tiere mit Hilfe des Halteapparates unbeweglich an einem Gestell angeschraubt. Den Affen werden über einen Lautsprecher Tonfolgen vorgespielt, während mit den Elektroden die Nervenaktivitäten gemessen werden. Die Tiere werden durch Flüssigkeitsentzug zur Kooperation gezwungen. Nur wenn sie tun, was von ihnen verlangt wird, erhalten sie ein paar Tropfen Saft. Wenn sie etwas falsch machen, sowie außerhalb der Experimente, gibt es nichts zu Trinken. Manche Affen in Magdeburg müssen diese Torturen mehr als zehn Jahre ertragen. Dies gehe laut Ärzte gegen Tierversuche aus Veröffentlichungen des Leibniz-Instituts hervor.

In München, Berlin und in der Schweiz wurden vergleichbare Versuche am Affenhirn untersagt, da nach Ansicht der Genehmigungsbehörden das Leid der Tiere höher wog als ein bloß in Aussicht gestellter medizinischer Nutzen. In Bremen dürfen die Affenhirnversuche vorläufig bis zu einem endgültigen Gerichtsurteil fortgeführt werden.

Bei solchen Versuchen reicht normalerweise zur Fixierung des Kopfes der Tiere ein Metallbolzen, der auf den Schädelknochen geschraubt wird. Dies ist nach Ansicht des Vereins zwar ebenso eine Tortur für die Tiere, der Versuchsaufbau in Magdeburg sei jedoch noch eine Steigerung des ohnehin schon hochgradig quälerischen Vorgehens. »Die an sechs Stellen in den Kopf geschraubte Kopfhalterung ist eine zusätzliche, völlig überflüssige und aus rechtlicher Sicht besonders fragwürdige Belastung für die Tiere«, kommentiert Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung und fordert von der Genehmigungsbehörde, solche Versuche künftig zu verbieten.

Die Ärzte gegen Tierversuche fordern eine moderne Medizin und Wissenschaft ohne Tierversuche, anstatt an antiquierten Methoden festzuhalten, die nach Ansicht des Vereins ethisch verwerflich und medizinisch zum Scheitern verurteilt sind. »Bei Hirnversuchen an Affen geht es um die reine Befriedigung der Forscherneugier«, erläutert Bitz. »Bei Menschen werden so Hoffnungen auf Heilung geweckt, die mit Tierversuchen jedoch niemals erfüllt werden können.«

Der Verein will die Magdeburger Öffentlichkeit mit Informationsblättern über das Leid der Tiere in ihrer Stadt aufklären. Im Jahr 2008 wurden offiziellen Angaben zufolge in Deutschland rund 2,7 Millionen Tiere in Tierversuchen verwendet, davon 2.285 Affen.

*Michael Brosch, Henning Scheich: Tone-sequence analysis in the auditory cortex of awake macaque monkeys. Experimental Brain Research 2008: 184, 349-361

Weitere Information über Affenversuche:
www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/tierversuche-an-affen

Infoblatt »Tierversuche im Brennpunkt: Magdeburg« als PDF www.aerzte-gegen-tierversuche.de/images/infomaterial/magd...

Unter www.datenbank-tierversuche.de findet sich der oben beschriebene Versuch sowie Tausende weitere Experimente an Tieren, die in Deutschland durchgeführt wurden.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Landsbergerstr. 103
80339 München
Tel: 089-3599349
Fax 089-35652127

www.aerzte-gegen-tierversuche.de

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. besteht seit 1979 und ist ein Zusammenschluss aus mehreren Hundert Ärzten, Tierärzten und Naturwissenschaftlern, die Tierversuche aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen ablehnen. Der Verein engagiert sich für eine moderne, humane Forschung und Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten im Vordergrund stehen.

News-ID: 375468 • Views: 1014

Mitteilung teilen und kommentieren


Permanenter Link zu dieser Pressemeldung:


Wir freuen uns, wenn Sie z.B. auf Ihrer Presse- oder Referenzen-Seite auf openPR.de linken.
Für die Inhalte dieser Meldung ist nicht openPR.de sondern nur der jeweilige Autor verantwortlich.

Haftungsausschluss - openPR distanziert sich von dem Inhalt der Pressemitteilungen. Lesen sie hier mehr