(openPR) Bad Homburg, 26. November 2009 - Trotz der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs am deutschen Fremdbesitzverbot festzuhalten, ist weiterhin mit einer Reihe von Veränderungen im deutschen Apothekenmarkt zu rechnen. Dadurch gewinnen insbesondere neue Apotheken-Vertriebsorganisationen wie z.B. Versandapotheken oder Franchisesysteme noch stärker an Bedeutung. Weitere sich abzeichnende Trends betreffen die zunehmende Etablierung von Eigenmarken sowie die Verbreitung von Apotheken-exklusiven Produkten im Mass Market.
Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf den deutschen Arzneimittelmarkt? Welche Unternehmen und Kooperationen werden zu den Gewinnern / Verlierern gehören? Wie schätzen die Verbraucher die aktuelle Situation ein?
Vor diesem Hintergrund führte SEMPORA Consulting zum sechsten Mal eine Befragung durch, um die Meinungen von 142 Apothekern, 12 Versandapotheken, 47 Entscheidern aus Pharmaunternehmen sowie 313 privaten Konsumenten herauszufinden. Die Befragung fand im August / September 2009 statt.
Nach Einschätzung von Apothekern und Industrie werden innerhalb der nächsten fünf Jahre rund 3.000 Apotheken vom Markt verschwinden. Außerdem hält die Mehrheit der befragten Hersteller eine weitere Marktkonsolidierung bei OTC-Herstellern für wahrscheinlich. 52% der befragten Hersteller und immerhin 44% der Apotheker erwarten durch den zukünftig verstärkten Wettbewerb im Apothekenmarkt auch sinkende Preise für nicht-rezeptpflichtige Medikamente.
Über 70% der befragten Pharmaunternehmen befinden, dass die Bedeutung von Eigenmarken in Zukunft steigen wird. Außerdem glauben 60% der befragten Hersteller, dass langfristig gesehen nur die Top-2 Marken sowie eine Eigenmarke pro Indikation in Apothekenverbünden vertreten sein werden. „Mit Eigenmarken können sich Apothekenverbünde nicht nur besser am Markt profilieren, sie bedeuten auch ein lukratives Zusatzgeschäft für den Apotheker. Durch die Zunahme von Eigenmarken werden besonders schwache Marken aus den Sortimenten verdrängt werden. Dieser Herausforderung müssen sich Pharmaunternehmen im OTC- und Nahrungsmittelergänzungsmarkt stellen“, ergänzt Tobias Brodtkorb, Managing Partner der Strategieberatung SEMPORA Consulting.
Außerdem erwartet mehr als jeder zweite befragte Hersteller zukünftig einen verstärkten Vertrieb Apotheken-exklusiver Produkte im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogerien. Sollte dies jedoch eintreten, wollen 44% der befragten Apotheker zukünftig alle Produkte dieses Herstellers boykottieren.
Die Bedeutung des Vertriebskanals Apothekenkooperationen wird in Zukunft steigen, befinden 60% der befragten Industrieunternehmen. Nachholbedarf scheint es aus Sicht der Industrie vor allem bei der Umsetzung von Maßnahmen in den Kooperationen zu geben. „Hier müssen sich die Kooperationen stark weiterentwickeln, um ihren Partnern in Zukunft einen echten Mehrwert bieten zu können “, meint Brodtkorb.
Die Befragung der Hersteller ergab außerdem, dass das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) / Nachhaltigkeit auch bei den Pharmaunternehmen an Relevanz gewinnt, immerhin sind CSR-Maßnahmen für 88% der Befragten ein Bestandteil der Markenpositionierung. Außerdem werden Nachhaltigkeitsmaßnahmen von 72% der befragten Hersteller gezielt an Kunden kommuniziert – jedoch glauben nur 48%, dass ihre CSR-Aktivitäten ihren Kunden bekannt sind.
Für Verbraucher wird das Thema Nachhaltigkeit ebenfalls immer wichtiger: 79% der befragten Verbraucher finden, dass Pharmaunternehmen nachhaltig handeln sollten, da sie eine besondere Verantwortung tragen. Nachhaltigkeitsmaßnahmen von Pharmaunternehmen waren aber lediglich jedem zehnten befragten Verbraucher bekannt. „Bei Pharmaherstellern ist das Thema Nachhaltigkeit noch nicht strategisch hinterlegt, sondern ist vielmehr ein Sammelsurium von Einzelmaßnahmen. Darüber hinaus wird der Endkunde nicht erreicht“, ergänzt Brodtkorb.
Die Verbraucher befanden, dass die bekanntesten Apothekenmarken in Deutschland DocMorris (80%) und Linda Apotheken (48%) sind (gestützte Befragung). DocMorris gilt mit 74% Bekanntheit außerdem als bekannteste Versandapotheke. Dass insbesondere der Versandapothekenmarkt in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird, war für alle befragten Apotheker und Hersteller außer Frage – durchschnittlich 8 von 10 Befragten gehen von einer steigenden Bedeutung des Versandhandels aus. „Insbesondere der OTC-Markt im Versandhandel entwickelt sich zurzeit mit einer jährlichen Wachstumsrate von ca. 22% sehr dynamisch. OTC-Hersteller dürfen deshalb die Chance nicht verpassen diesen Vertriebskanal systematisch zu bearbeiten, um substantielle Wettbewerbsvorteile aufzubauen.“











