(openPR) Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 01.12.2009 hat das Robert-Koch-Institut Berlin die Eckdaten zur epidemiologischen Entwicklung in 2009 veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der Neudiagnosen in Hessen im zweiten Jahr in Folge nicht angestiegen. Klaus Stehling, Geschäftsführer der hessischen Aidshilfe erklärt zur Situation in Hessen: „Hessen liegt, was die epidemiologische Entwicklung angeht, im Bundestrend. Damit bewegen wir uns auch im europäischen Vergleich auf einem stabil niedrigen Niveau.“ Diese Tatsache sei aus Sicht der Aidshilfen dem Zusammenwirken der Präventionsarbeit und der guten medizinischen Versorgung in Deutschland zu verdanken. In Hessen lebten nach den aktuellen Schätzungen des RKI, in die die Dunkelziffer von noch nicht bekannten Infektionen bereits mit einbezogen seien, aktuell ca. 6.500 Menschen mit dem HI-Virus. Darunter zählten ca. 1.200 Frauen und ungefähr 20 Kinder. Etwa 225 Menschen hätten sich im Jahr 2009 in Hessen neu mit HIV infiziert.
Mit rund 70% der HIV-Neuinfektionen sind auch in Hessen weiterhin Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), am stärksten betroffen. Dazu Mario Ferranti, Vorstand der AIDS-Hilfe Hessen: „Diese Gruppe hat in Deutschland seit Beginn des Auftretens von HIV die Hauptlast der Infektionskrankheit zu tragen. Der hohe Anteil bei den Neuinfektionen ist vor allem auf die erheblich höhere Wahrscheinlichkeit, innerhalb der Gruppe auf einen HIV-positiven Sexualpartner zu treffen, zurückzuführen. Das durch Studien belegte hohe Maß an safer-sex-Verhalten homosexueller Männer gleicht dies nicht aus.“.
Um das Schutzverhalten zu stärken und safer sex entsprechend neuerer Erkenntnisse weiterzuentwickeln beteiligen sich die hessischen Aidshilfen in ihrer vor Ort - Arbeit an der bundesweiten MSM-Präventionskampagne der Deutschen AIDS-Hilfe ‚ICH WEISS WAS ICH TU’ (www.iwwit.de). Ferranti weiter: „Dazu zählt auch eine stärkere Bewerbung des HIV-Tests, zuletzt im Rahmen von Aktionswochen; denn etwa ein Drittel der HIV-Infektionen wird erst spät aufgrund von Krankheitssymptomen festgestellt. Für diese sogenannten 'late presenter' sind die heutigen Therapieoptionen häufig schon stark eingeschränkt.“
Die persönliche Ansprache, ergänzt Klaus Stehling, sei insbesondere in der Präventionsarbeit für die Gruppe der MSM in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden: „Kondome schützen – das muss man heute keinem schwulen Mann mehr vermitteln. Die Aidshilfen setzen deshalb verstärkt auf Angebote, die MSM darin unterstützen, ihre individuellen Schutzstrategien kritisch zu hinterfragen.“
In der Präventionsforschung sei die Notwendigkeit der Stärkung personalkommunikativer Angebote für alle Zielgruppen unumstritten. „Realisieren können wir dies aber nur mit den entsprechenden personellen Ressourcen“, betont Stehling und sieht hier die Landesregierung und die Kommunen in der Pflicht. „Wir mussten in den vergangenen Jahren trotzt vielfältiger ehrenamtlicher Unterstützung und intensiver Spendeneinwerbung unsere Beratungs- und Präventionsangebote zunehmend einschränken, weil die öffentliche Förderung nicht mit der Kostenentwicklung Schritt hält. Wir fordern deshalb die hessische Landesregierung auf, sich stärker an der Finanzierung unserer Präventions- und Beratungsarbeit zu beteiligen.“
Das Niveau der medizinischen Versorgung von HIV-Infizierten sei in Deutschland generell sehr gut, erklärt Stehling. Allerdings gelte dies für Hessen außerhalb der Versorgungsschwerpunkte in Mittelhessen und im Rhein-Main-Gebiet nur eingeschränkt. Betroffene, die in ländlichen Regionen lebten, müssten deshalb einen hohen Aufwand und weite Wege in Kauf nehmen, um eine adäquate Versorgung zu erhalten.
„Die Lebenssituationen von Menschen mit HIV unterscheiden sich erheblich. Viele der Betroffenen haben ihre Infektion weitgehend in ihr Leben integriert und verfügen über ein soziales Umfeld, das mögliche Belastungen tragbar macht. Andere hingegen können die Folgen einer HIV-Infektion kaum alleine bewältigen“, schildert Mario Ferranti: „Dabei kann es um gesundheitliche Beeinträchtigungen, den Verlust der Arbeitsfähigkeit, daraus resultierende Verarmung sowie Zukunfts- und Existenzängste gehen, aber auch um Probleme in Partnerschaft und Sexualität.“ Generell sei ein offener Umgang mit der Infektion kaum möglich: "Oftmals wird eine HIV-Infektion geheimgehalten aus Angst vor Ablehnung, Benachteilgung und Diskriminierung, die viele bereits erfahren haben. Das Leben als Geheimnisträger in eigener Sache wird an sich als belastend erlebt, oftmals mit der Folge sozialer Isolation.“
Neben der Präventionsarbeit präge die Bandbreite der hieraus resultierenden Hilfebedarfe das Handeln der hessischen Aidshilfen. Exemplarisch verweist Stehling auf die Unterstützung Betroffener bei der Sicherstellung der medizinischen Versorgung und der materiellen Lebensgrundlagen, aber auch auf Angebote zur Alltagsgestaltung und auf Gesprächsangebote, die den Betroffenen Raum gäben, ohne Zeitdruck über ihre Lebenssituation und ihre inneren und äußeren Konflikte zu sprechen.
Ihre Ansprechpartner:
• Klaus Stehling (AIDS-Hilfe Hessen e.V., Geschäftsführer, Tel.: 069/590711,
)
• Mario Ferranti (AIDS-Hilfe Marburg e.V., Geschäftsführer, Vorstand im Landesverband der hessischen AIDS-Hilfen, Tel.: 06421/64523,
, erreichbar ab Dienstag, 01.12.2009)
Weitergehende Informationen zur Arbeit der hessischen AIDS-Hilfen erhalten Sie über den Landesverband der hessischen AIDS-Hilfen. Für eine vertiefende Darstellung stellen wir gern den Kontakt zu AIDS-Hilfen in Ihrer Region her (s. auch Adressen in der beiliegenden PDF).
Epidemiologische Informationen auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts Berlin:
http://www.rki.de/cln_011/nn_225576/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/hiv__node.html__nnn=true
Kampagnenseite zum Welt-AIDS-Tag 2009 mit Pressefeatures und weiteren Informationen: http://www.welt-aids-tag.de/index.php
(Kooperation der Deutschen AIDS-Hilfe, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Deutschen AIDS-Stiftung)










