23.11.2009 - 08:33 - Politik, Recht & Gesellschaft

Tibetischer Schriftsteller Kunga Tsayang zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt

Pressemitteilung von: IGFM Muenchen

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Kunga Tsayang
Kunga Tsayang, ein tibetischer Schriftsteller und Photograph, der Anfang dieses Jahres festgenommen worden war (1), wurde letzte Woche unter der Anklage der Weitergabe von Staatsgeheimnissen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, wie das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) aus zuverlässiger Quelle erfuhr.

Am 17. März 2009 wurde er von den chinesischen Behörden in seinem Kloster Labrang in der Provinz Gansu verhaftet, weil er auf der Website „Notizen“ (tib. Zin-drils) angeblich Essays politischen Inhalts über Tibet veröffentlicht hatte.

Der Quelle zufolge wurde Kunga Tsayang am 12. November 2009 von dem Mittleren Volksgericht von Kanlho in der TAP Gannan, Provinz Gansu, zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Am selben Tag wurde auch der Gründer der einflußreichen tibetischen Literatur-Website Chodme („Butterlampe“) aus dem Bezirk Machu, TAP Kanlho, wegen Verstoßes gegen die nationale Sicherheit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Kunga Tsayang, ein Mönch des Klosters Labrang Tashikyil in Amdo, schrieb unter dem Pseudonym „Sonne des Schneelandes“ (tib. Gang-nyi), er war ein Amateur-Photograph, ein passionierter Autor und erfreute sich unter seinen Landsleuten großer Beliebtheit. Gebürtig aus Chigdril in der Präfektur Golog, wurde er zuerst Mönch im Kloster Lungkar und studierte später im Kloster Labrang und an einer Universität in Peking.

Kunga war weit und breit in ganz Tibet herumgekommen. Durch seine Tätigkeit als Photograph dokumentierte er vor allem die Umweltschäden auf dem tibetischen Hochland und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung. Seine Reiseberichte handeln von den Besonderheiten der Topographie und Landschaft des Hochplateaus, der Kultur, dem Brauchtum und dem religiösen Erbe Tibets. Er war außerdem für die Umweltorganisation Nyenpo Yutsae Kyekham in Golog tätig.

Er schrieb Artikel wie „Wer sind die wahren Separatisten?“ (2), „Tibeter, wir müssen die Wahrheit über AIDS erkennen!“, „Lhasa ist nicht mehr das Lhasa von früher“, „China muß sich bei Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama entschuldigen“ und „Wir Tibeter sind die wahren Zeugen“.

Über die Jahre haben die chinesischen Behörden wiederholt tibetische Schriftsteller, Blogger und Publizisten schikaniert, inhaftiert und zu langen Haftstrafen verurteilt, die gar nicht offen demonstrierten, sondern einfach nur über die Rechte des tibetischen Volkes, seine Kultur, Religion und die empfindliche Umwelt schrieben und die Ansichten der Tibeter darüber zum Ausdruck brachten.

Seit den landesweiten Protestaktionen im vergangenen Jahr stand Kunga Tsayang unter intensiver Beobachtung durch die chinesischen Behörden. Bei einer mitternächtlichen Razzia in seinem Kloster am 17. März 2009 wurde er dann festgenommen. Seine Angehörigen und Freunde hatten keine Ahnung, wo er sich seitdem befand, sie hörten erst wieder von ihm, als er letzte Woche vor Gericht gestellt wurde.

Das TCHRD hegt ernste Bedenken bezüglich der Fairneß dieses Prozesses, der im Geheimen und hinter verschlossenen Türen stattfand. Das Zentrum mahnt die chinesische Regierung eindringlich, die grundlegenden Menschenrechte des tibetischen Volkes zu respektieren.

(1) 25. März 2009: „Ein tibetischer Schriftsteller und Photograph in der Provinz Gansu verhaftet“
www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2009/KunsangTseyangWrite...

(2) 29. März 2009: „Kunga Tsayang: Wer sind die wahren Separatisten?“ www.igfm-muenchen.de/tibet/ctc/2009/KungaTsayang_Separati...

Quelle: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD), www.tchrd.org

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