(openPR) Gemeinsame Jahrestagung 2009 der DGHO, ÖGHO, SGMO und SGH+SSH, Heidelberg / Mannheim, 2. bis 6. Oktober 2009
Berlin, 23. September 2009 – Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. warnt vor der Gefahr einer zunehmenden Unter- und Fehlversorgung älterer Tumorpatienten. Therapieentscheidungen richten sich noch immer zu wenig an den besonderen Bedürfnissen der wachsenden älteren Patientengruppe aus. Trotz steigender Kosten müssen Innovationen auch künftig allen Krebspatienten zugänglich bleiben. Diese und weitere Themen diskutieren mehr als 4.500 Experten auf der Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie vom 2. bis 6. Oktober 2009 im Congress Center Rosengarten in Mannheim. Die DGHO und der Kongresspräsident Professor Anthony Ho sind diesjährige Gastgeber der Tagung, auf der Ärzte, Wissenschaftler, Politiker sowie Vertreter von Patientenorganisationen, Verbänden und Pharmaindustrie über neueste Entwicklungen und Forschungsergebnisse in Hämatologie und Onkologie diskutieren.
Bei steigender Lebenserwartung werden in den nächsten Jahren immer mehr alte Menschen von einer Tumorerkrankung betroffen sein. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes nimmt die Zahl an Krebsneuerkrankungen bis 2050 um circa 45 Prozent zu. So werden sich zum Beispiel bei 80- bis 85-jährigen Frauen bis 2050 die Fallzahlen fast verdoppeln und bei gleichaltrigen Männern sogar verdreifachen. Nach Ansicht der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. ist unser Gesundheitssystem auf diese dramatische Entwicklung noch zu wenig vorbereitet.
Eklatante Unter- und Fehlversorgung älterer Tumorpatienten
Aufgrund der demografischen Entwicklung wird auch der Kostendruck im Bereich Onkologie schon bald erheblich zunehmen. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Versorgung krebskranker Patienten mit teuren Innovationen künftig nicht mehr zu hundert Prozent gewährleistet werden kann. Die Frage nach einer Kostenbereitstellung für ältere Tumorpatienten muss dringend geklärt werden. „Schon heute werden ältere Krebspatienten deutlich seltener mit hochwirksamen teuren Arzneien versorgt, obwohl inzwischen häufig auch bei sehr alten Tumorpatienten eine Heilung möglich ist“, kritisiert Professor Gerhard Ehninger, geschäftsführender Vorsitzender der DGHO.
Das Beispiel der Chronischen Myeloischen Leukämie (CML) verdeutlicht die angespannte Situation: Aus Angst vor Regressen erhalten über 60-jährige CML-Patienten nur noch zu zwei Dritteln lebensverlängernde Medikamente, bei den über 70-Jährigen sind es weniger als die Hälfte. „Die versteckte Diskriminierung älterer Krebspatienten bei therapeutischen Entscheidungen allein aufgrund ihres kalendarischen Alters ist inakzeptabel und medizinisch abwegig“, so Ehninger weiter.
Auch in Forschung, Diagnostik und Therapie wurden die altersspezifischen Veränderungen und damit die besonderen Bedürfnisse älterer Tumorpatienten bislang zu wenig berücksichtigt. Viele geriatrisch-onkologische Patienten leiden neben ihrer malignen Grundkrankheit noch an weiteren Erkrankungen oder Störungen. Ebenso verlangen etwaige Arzneimittelinteraktionen, eingeschränkte Organleistungen sowie das soziale Umfeld mehr Aufmerksamkeit als bei jüngeren Patienten. „Wichtig ist deshalb in vielen Fällen ein geriatrisch-onkologisches Assessment, das die individuellen Fähigkeiten und Defizite ermittelt und daraus objektive Schlüsse für einen umfassenden Therapieplan erlaubt“, erläutert Ehninger. Die DGHO hat zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) einen einfachen Screening-Test entwickelt, um altersspezifische Besonderheiten zu ermitteln und in der Therapie entsprechend zu berücksichtigen.
Schlechte Datenlage erschwert individuelle Therapieentscheidungen
Da gerade ältere Menschen von Krebserkrankungen betroffen sind, ist es umso bedenklicher, dass spezielle prospektive Studien mit älteren Tumorpatienten bislang kaum existieren. Damit fehlt derzeit eine umfangreiche Datenbasis für individuelle Therapieentscheidungen bei älteren Krebspatienten. Von großer Bedeutung sieht daher die DGHO die Durchführung speziell auf ältere Patienten ausgerichtete Studien und die Datenerhebung in einem Krebsregister. Dies könnte nach Ansicht der Fachgesellschaft wesentlich dazu beitragen, dass Gesamtüberleben und die Lebensqualität in dieser Patientengruppe verbessert werden.
Die DGHO setzt sich seit langem für handlungsorientierte Behandlungsleitlinien ein, um eine bessere Versorgung aller onkologischen Patienten zu gewährleisten. So hat die DGHO zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie anhand bislang verfügbarer Daten aus Versorgungsstudien Therapieempfehlungen zur Behandlung älterer Patienten für verschiedene Tumorentitäten formuliert, zum Beispiel für das Kolon- und das Bronchialkarzinom oder die akute myeloische Leukämie.
Gemeinsame Jahrestagung der DGHO, ÖGHO, SGMO und SGH+SSH
Das Thema „Hämatologie/Onkologie im Zuge der Herausforderungen des demografischen Wandels“ ist Schwerpunkt der diesjährigen Gemeinsamen Jahrestagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie. Erwartet werden vom 2. bis 6. Oktober 2009 im Congress Center Rosengarten Mannheim rund 4.500 Experten, die sich über aktuelle Themen und relevante Entwicklungen austauschen und neueste Ergebnisse nationaler und internationaler Studien präsentieren. Das wissenschaftliche Programm wurde von Professor Ho von der Universität Heidelberg und seinem Team sowie den zahlreichen Arbeits- und Forschungsgruppen der Fachgesellschaften zusammengestellt. Im Rahmen der Jahrestagung wird es eine Industrieausstellung sowie eine wissenschaftliche Posterausstellung geben. Von Samstag, 3.10. bis Sonntag, 4.10.2009 findet ein Pflegekongress mit Workshops statt. Ebenfalls am Samstag, 3.10.2009 wird ein Patiententag für Betroffene und Interessierte angeboten.
Die Pressemitteilung sowie weitere Informationen zur Gemeinsamen Jahrestagung können Sie unter www.haematologie-onkologie-2009.de oder auf der Internetseite der Fachgesellschaft www.dgho.de abrufen. Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.



