17.08.2009 - 17:16 - Kunst & Kultur
„Bruchstückhaft Deutsch, wir setzen uns zusammen“ - Ausstellung zum KulturSommer 2009 in Schleswig
Pressemitteilung von: Cultura Vivendi e.V.
Schleswig, 17. August 2009 - „Auf der Freiheit“ in Schleswig, das ist ursprünglich ein Bezirk im Umkreis des Domes, der Steuerfreiheit genoss. „Auf der Freiheit“ stand zuletzt eine Kaserne, und nur wenige erinnern noch den Freizeitrummel und Badespaß, die hier zuvor die Südseite der Stadt mit frohgemut flanierenden Bürgern verband. Heute ist das Gelände eine Baulandbrache mit Sand und Steinkegeln, Abrissruinen und letzten versprengten Soldatenunterkünften, dem ehemaligen Mannschaftsheim, den Arrestzellen und dem exklusiv gelegenen Offizierskasino in einem Park- und Wildwuchspanorama an der Schlei. Hier sind Bruchstücke wörtlich zu verstehen.
Der Titel und das Thema der Ausstellung „Bruchstückhaft Deutsch, wir setzen uns zusammen“ könnten sich hier selbst erfunden haben. Der „Deutsche KulturSommer“ feiert in Schleswig-Holstein sechzig Jahre Bundesrepublik, und die Freiheit feiert mit, irgendwo zwischen Ende und Neubeginn. Das ehemalige Offizierskasino ist Schauplatz einer Ausstellung, zu der sich drei KünstlerInnen aus Schleswig-Holstein/Berlin/Ankara zusammengefunden haben.
Man betritt zuerst den Kaminraum. Gegen blaugrüne Farbe strahlt die dunkle Holztäfelung unwirklich frisch. Der Kamin wirkt wie künstlich davor gemalt. An den Wänden ordnen sich Zeichnungen zur gekreuzten Linie. Blicke, Augenblicke voller Skepsis richten sich auf den Betrachter, auf die Welt und auf das Selbst hinter sich. Schulterblicke, die Sigrun Drapatz aus dem Spiegel gelesen hat unter Auslassung jeglicher Attribute. Kein Schmuck, kein Tuch, kein Haar: das nackte Ich im halben Blau. Zwei Wege tun sich auf, der ins Dunkel nach oben über die Treppe mit dem alkovenartigen Geländer, und der ins Lichte des angrenzenden Raumes.
Aus dem künstlichen Panorama des fragenden Ich zieht es den Blick in den „Salon“. Das Klischee der deutschen Romantik, das Anka Landtau gewählt hat als Zitat aus der deutschen Kulturnation. Die Blüte der bürgerlichen Salonkultur bewahrt in einem Bild, das dem Besucher Zeit schenkt. Die vergangene Zeit als Teppichornament aus Büchern eines ganzen Jahrhunderts und aus Möbelmasken, abgeformt aus Gips. Alte, bilderlose Rahmen und neue Bilder ohne Rahmen. Die Bilder zeigen Frauengestalten, mögliche „Salondamen“, die in ihren Blicken Verwandtschaft zeigen zu den Schulterblicken im Kaminraum.
Die „Bauernstube“ im Obergeschoss als schiffsrumpfdunkler Höhlenraum gestaltet, ist Foliant für Tamer Serbays Videosequenz „Lang lang ist’s her“. Hier wird in wenigen Bildern gemeinsamer Marinegeschichte am Ende des Deutschen und Osmanischen Reiches ein Verlorenes, Fremdes zur vertrauten Melancholie wieder entdeckt. Wie die Endlosschleife der alten irischstämmigen Weise aus deutschem Liedgut in türkischer Sprache gesungen, kann der Weg aus der Mitte ins Lichte, durch die Mitte ins Dunkle sich wiederholen und immer neue Bruchstücke der Wahrnehmung auflesen. Wie deutsch die Teile sind, kann jeder für sich zusammensetzen.
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Kontakt:
Cultura Vivendi e.V.
Kunst- und Kulturverein
Auf der Freiheit
24837 Schleswig
Tel.: 04621-488668
Fax: 04621-488669
E-Mail:
Web: www.cultura-vivendi.de
Geschäftsführer (Veranstaltungsplanung und Organisation): Günther Zastrow
E-Mail:
Ansprechpartnerin für die Ausstellung:Anka Landtau
Tel.: 04623-7503
Anlässlich des Themenschwerpunktes „Deutschland“ im diesjährigen KulturSommer Schleswig-Holstein veranstaltet der Kunst- und Kulturverein Cultura Vivendi e.V. mit Unterstützung des Landeskulturverbandes und der Kulturstiftung des Kreises Schleswig-Flensburg im Casino Auf der Freiheit in Schleswig eine Sonderausstellung. Sie ist noch bis zum 23. August 2009 kostenfrei zu besichtigen. Öffnungszeiten: jeden Mittwoch und Sonntag von 16:00 bis 18:00 Uhr, zusätzlich am Freitag, 14. August und Dienstag, 18. August von 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr (vor den beiden Lesungen, die Cultura Vivendi im Rahmen des Literatursommers durchführt).
Führungen durch die Ausstellung sind nach Absprache möglich. Weitere Informationen gibt es unter www.cultura-vivendi.de.
Der Titel und das Thema der Ausstellung „Bruchstückhaft Deutsch, wir setzen uns zusammen“ könnten sich hier selbst erfunden haben. Der „Deutsche KulturSommer“ feiert in Schleswig-Holstein sechzig Jahre Bundesrepublik, und die Freiheit feiert mit, irgendwo zwischen Ende und Neubeginn. Das ehemalige Offizierskasino ist Schauplatz einer Ausstellung, zu der sich drei KünstlerInnen aus Schleswig-Holstein/Berlin/Ankara zusammengefunden haben.
Man betritt zuerst den Kaminraum. Gegen blaugrüne Farbe strahlt die dunkle Holztäfelung unwirklich frisch. Der Kamin wirkt wie künstlich davor gemalt. An den Wänden ordnen sich Zeichnungen zur gekreuzten Linie. Blicke, Augenblicke voller Skepsis richten sich auf den Betrachter, auf die Welt und auf das Selbst hinter sich. Schulterblicke, die Sigrun Drapatz aus dem Spiegel gelesen hat unter Auslassung jeglicher Attribute. Kein Schmuck, kein Tuch, kein Haar: das nackte Ich im halben Blau. Zwei Wege tun sich auf, der ins Dunkel nach oben über die Treppe mit dem alkovenartigen Geländer, und der ins Lichte des angrenzenden Raumes.
Aus dem künstlichen Panorama des fragenden Ich zieht es den Blick in den „Salon“. Das Klischee der deutschen Romantik, das Anka Landtau gewählt hat als Zitat aus der deutschen Kulturnation. Die Blüte der bürgerlichen Salonkultur bewahrt in einem Bild, das dem Besucher Zeit schenkt. Die vergangene Zeit als Teppichornament aus Büchern eines ganzen Jahrhunderts und aus Möbelmasken, abgeformt aus Gips. Alte, bilderlose Rahmen und neue Bilder ohne Rahmen. Die Bilder zeigen Frauengestalten, mögliche „Salondamen“, die in ihren Blicken Verwandtschaft zeigen zu den Schulterblicken im Kaminraum.
Die „Bauernstube“ im Obergeschoss als schiffsrumpfdunkler Höhlenraum gestaltet, ist Foliant für Tamer Serbays Videosequenz „Lang lang ist’s her“. Hier wird in wenigen Bildern gemeinsamer Marinegeschichte am Ende des Deutschen und Osmanischen Reiches ein Verlorenes, Fremdes zur vertrauten Melancholie wieder entdeckt. Wie die Endlosschleife der alten irischstämmigen Weise aus deutschem Liedgut in türkischer Sprache gesungen, kann der Weg aus der Mitte ins Lichte, durch die Mitte ins Dunkle sich wiederholen und immer neue Bruchstücke der Wahrnehmung auflesen. Wie deutsch die Teile sind, kann jeder für sich zusammensetzen.
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24837 Schleswig
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Fax: 04621-488669
E-Mail:
Web: www.cultura-vivendi.de
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Anlässlich des Themenschwerpunktes „Deutschland“ im diesjährigen KulturSommer Schleswig-Holstein veranstaltet der Kunst- und Kulturverein Cultura Vivendi e.V. mit Unterstützung des Landeskulturverbandes und der Kulturstiftung des Kreises Schleswig-Flensburg im Casino Auf der Freiheit in Schleswig eine Sonderausstellung. Sie ist noch bis zum 23. August 2009 kostenfrei zu besichtigen. Öffnungszeiten: jeden Mittwoch und Sonntag von 16:00 bis 18:00 Uhr, zusätzlich am Freitag, 14. August und Dienstag, 18. August von 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr (vor den beiden Lesungen, die Cultura Vivendi im Rahmen des Literatursommers durchführt).
Führungen durch die Ausstellung sind nach Absprache möglich. Weitere Informationen gibt es unter www.cultura-vivendi.de.
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