15.07.2009 - 08:46 - Politik, Recht & Gesellschaft
SR Vietnam - Gewalt und Psychoterror gegen buddhistische Klostergemeinschaft
Pressemitteilung von: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
Seit zwei Wochen sind 400 Buddhisten des Zen-Meisters Thich Nhat Hanh ohne Strom-, Wasser- und Lebensmittelversorgung
Bao-Loc – Frankfurt (14. Juli 2009) – Die Übergriffe und Feindseligkeiten gegen das von Zen-Meister Thich Nhat Hanh gegründete buddhistische Kloster Bat Nha in der zentralvietnamesischen Stadt Bao-Loc haben einen neuen Höhepunkt erreicht, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu Drohungen, Brandschatzungen und Gewaltausbrüchen gegen das Kloster. Unlängst wurde es von Unbekannten gestürmt und verwüstet, die Trinkwasserversorgung wurde unterbrochen. Die Polizei steht dem als teilnahmsloser Beobachter gegenüber und verweigert den Klosterbewohnern jeglichen Schutz. Das Leben der rund 400 Novizen und Mönche im Kloster ist in Gefahr, so die IGFM.
Die IGFM kritisiert, dass die Ausschreitungen militanter Regierungsanhänger gegen das Kloster politisch motiviert sind und von der Zentralregierung dirigiert werden. Seit über zwei Wochen kann das Kloster nicht mehr regulär mit Strom, Wasser und Lebensmitteln versorgt werden. Die IGFM verurteilt die gewaltsamen Übergriffe gegen die gewaltlosen buddhistischen Mönche und Nonnen und ruft die vietnamesische Regierung auf, die Sicherheit der buddhistischen Novizen in Bao-Loc zu gewährleisten.
Das Kloster in Bao-Loc ist 2005 vom weltbekannten Mönch Thich Nhat Hanh gegründet worden und wird auch von ihm finanziert. Es unterstützt ein Altenheim und mehrere Kindergärten der Region. Tausende Buddhisten nehmen jährlich an den Veranstaltungen des Klosters teil.
Bitten um Versöhnung unerwünscht
Der Konflikt hat einen politischen Ursprung. 2006 suchte Thich Nhat Hanh nach 40 Jahren Exil Vietnam zum ersten Mal wieder auf, was die Regierung als Propaganda für ihre angeblich "neue offene Religionspolitik" zu missbrauchen versuchte. Bei seinem zweiten Besuch 2007 übergab der Zen-Meister dem vietnamesischen Staatspräsidenten eine Liste mit zehn Bitten, die der Versöhnung des vietnamesischen Volkes dienen sollten. Unter anderem rief er die kommunistische Regierung auf, eine Gedenkstätte für die verstorbenen Bootsflüchtlinge einzurichten, den Besuch und die Pflege der Gräber südvietnamesischer Soldaten durch deren Angehörige zu erlauben, Politik und Religion von einander zu trennen und die seit 1981 verbotene Vereinigte Buddhistische Kirche Vietnams zuzulassen.
Seinen dritten Besuch 2008, der als Werbung für das von der UN unterstützte Vesak-Fest (die internationale Buddha Geburtstagsfeier) in Vietnam genutzt worden war, empfand die vietnamesische Regierung daher als lästig. Die Regierungskommission für Religiöse Angelegenheiten teilte der Buddhistischen Kirche Vietnams in einem Schreiben vom 29. Oktober 2008 mit, dass Zen-Meister Thich Nhat Hanh bei seinen drei Besuchen das vietnamesische Gesetz gebrochen, sich falsch zu politischen Problemen in Vietnam geäußert und negative Informationen über Vietnam ins Internet gesetzt habe. Daher würde die Kommission, die Einleitung strenger Maßnahmen gegen seine Gemeinde Bat Nha in Bao-Loc empfehlen.
Polizei filmt Übergriffe und schreitet nicht ein
Seitdem wird das Kloster von regierungstreuen Schlägertrupps drangsaliert. Die Novizen leben seit Tagen von Regenwasser, weil die umliegenden Bäche gezielt mit Exkrementen verschmutzt wurden, berichtet die IGFM. Reparierte Wasserleitungen wurden wieder zerstört. Als die Mönche einen eigenen Brunnen bauen wollten (11. Juli), wurden sie daran mit Gewalt gehindert. Einige Klosterbewohner leiden bereits an Hautkrankheiten. Mit einem Notgenerator versorgen sie sich mit Strom. Die Novizen werden seit Tagen von Freunden und Bekannten notdürftig versorgt. Seit einer Woche jedoch wurde die Zugangssperre zum Kloster so verstärkt, dass Lebensmitteln nur noch hineingeschmuggelt werden können.
Die vietnamesische Polizei, die das Geschehen ausführlich filmt und fotografiert, schaut unbeteiligt zu. Am 6. Juli empfahl die Polizei den Eltern der Novizen in mehreren Provinzen zum wiederholten Mal, ihre Kinder aus dem Kloster zu nehmen. Von der Staatspropaganda wird verbreitet, dass der Klostergründer Thich Nhat Hanh sich gegen den vietnamesischen Staat aufgelehnt habe.
Mit Lautsprechern verstärkte Hassparolen sollen Meditation unmöglich machen
Am 5. Juli umzingelte ein aufgewiegelter Mob das Kloster und forderte die Vertreibung der Novizen. Um das Kloster herum aufgestellte leistungsstarke Lautsprecher schmettern rund um die Uhr Hassparolen und laute Musik, um Meditationssitzungen der Mönche zu stören. Am 23. Juni wurden die Mönche mit Macheten angegriffen. Am 27. Juni wurde das Kloster mit Steinen beworfen. Später stapelten mehrere Personen Brennholz um das Kloster herum. Schon zuvor hatten sie drei Meditationshütten in Brand gesetzt. Am 28. Juni stürmten Hunderte von Schlägern das Kloster und warfen Mobiliar und persönliche Gegenstände auf den Hof. Eine Delegation der Buddhistischen Kirche der Provinz Lam Dong, die am 29. Juni eine Untersuchung der Lage durchführen wollte, wurde angegriffen und mit Exkrementen beworfen, ein Mönch krankenhausreif geschlagen.
Seit Monaten forderte die Regierung die rund 400 vietnamesischen Mönche, Nonnen und Novizen auf, das Kloster zu verlassen, weil der Abt seit August 2008 die Bürgschaft für sie entzogen habe. Bereits im Juni und Juli 2008 mussten alle Nonnen und Mönche, die einen ausländischen Pass hatten, das Kloster verlassen. Trotz aller Vermittlungsversuche der Buddhistischen Kirche Vietnams eskalierte die Gewalt mit Duldung der Behörden weiter.
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
IGFM - Deutsche Sektion e.V.
Borsigallee 9, D - 60388 Frankfurt/Main
Tel.: 069-420108-0, Fax: 069-420108-33
eMail:
www.igfm.de
www.menschenrechte.de
Die IGFM ist eine Menschenrechtsorganisation, die 1972 in Frankfurt am Main gegründet wurde. Sie unterstützt Menschen, die sich gewaltlos für die Verwirklichung der Menschenrechte in ihren Ländern einsetzen oder die verfolgt werden, weil sie ihre Rechte einfordern. Nach Auffassung der IGFM sind nach dem Recht auf Leben und Sicherheit der Person, die bürgerlichen Rechte wie Meinungs-, Versammlungs- Religions- und Pressefreiheit die wichtigsten Menschenrechte. Ohne sie kann es weder Frieden noch sozialen Fortschritt geben. Die Grundlage ihrer Arbeit bildet die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948.
Bao-Loc – Frankfurt (14. Juli 2009) – Die Übergriffe und Feindseligkeiten gegen das von Zen-Meister Thich Nhat Hanh gegründete buddhistische Kloster Bat Nha in der zentralvietnamesischen Stadt Bao-Loc haben einen neuen Höhepunkt erreicht, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu Drohungen, Brandschatzungen und Gewaltausbrüchen gegen das Kloster. Unlängst wurde es von Unbekannten gestürmt und verwüstet, die Trinkwasserversorgung wurde unterbrochen. Die Polizei steht dem als teilnahmsloser Beobachter gegenüber und verweigert den Klosterbewohnern jeglichen Schutz. Das Leben der rund 400 Novizen und Mönche im Kloster ist in Gefahr, so die IGFM.
Die IGFM kritisiert, dass die Ausschreitungen militanter Regierungsanhänger gegen das Kloster politisch motiviert sind und von der Zentralregierung dirigiert werden. Seit über zwei Wochen kann das Kloster nicht mehr regulär mit Strom, Wasser und Lebensmitteln versorgt werden. Die IGFM verurteilt die gewaltsamen Übergriffe gegen die gewaltlosen buddhistischen Mönche und Nonnen und ruft die vietnamesische Regierung auf, die Sicherheit der buddhistischen Novizen in Bao-Loc zu gewährleisten.
Das Kloster in Bao-Loc ist 2005 vom weltbekannten Mönch Thich Nhat Hanh gegründet worden und wird auch von ihm finanziert. Es unterstützt ein Altenheim und mehrere Kindergärten der Region. Tausende Buddhisten nehmen jährlich an den Veranstaltungen des Klosters teil.
Bitten um Versöhnung unerwünscht
Der Konflikt hat einen politischen Ursprung. 2006 suchte Thich Nhat Hanh nach 40 Jahren Exil Vietnam zum ersten Mal wieder auf, was die Regierung als Propaganda für ihre angeblich "neue offene Religionspolitik" zu missbrauchen versuchte. Bei seinem zweiten Besuch 2007 übergab der Zen-Meister dem vietnamesischen Staatspräsidenten eine Liste mit zehn Bitten, die der Versöhnung des vietnamesischen Volkes dienen sollten. Unter anderem rief er die kommunistische Regierung auf, eine Gedenkstätte für die verstorbenen Bootsflüchtlinge einzurichten, den Besuch und die Pflege der Gräber südvietnamesischer Soldaten durch deren Angehörige zu erlauben, Politik und Religion von einander zu trennen und die seit 1981 verbotene Vereinigte Buddhistische Kirche Vietnams zuzulassen.
Seinen dritten Besuch 2008, der als Werbung für das von der UN unterstützte Vesak-Fest (die internationale Buddha Geburtstagsfeier) in Vietnam genutzt worden war, empfand die vietnamesische Regierung daher als lästig. Die Regierungskommission für Religiöse Angelegenheiten teilte der Buddhistischen Kirche Vietnams in einem Schreiben vom 29. Oktober 2008 mit, dass Zen-Meister Thich Nhat Hanh bei seinen drei Besuchen das vietnamesische Gesetz gebrochen, sich falsch zu politischen Problemen in Vietnam geäußert und negative Informationen über Vietnam ins Internet gesetzt habe. Daher würde die Kommission, die Einleitung strenger Maßnahmen gegen seine Gemeinde Bat Nha in Bao-Loc empfehlen.
Polizei filmt Übergriffe und schreitet nicht ein
Seitdem wird das Kloster von regierungstreuen Schlägertrupps drangsaliert. Die Novizen leben seit Tagen von Regenwasser, weil die umliegenden Bäche gezielt mit Exkrementen verschmutzt wurden, berichtet die IGFM. Reparierte Wasserleitungen wurden wieder zerstört. Als die Mönche einen eigenen Brunnen bauen wollten (11. Juli), wurden sie daran mit Gewalt gehindert. Einige Klosterbewohner leiden bereits an Hautkrankheiten. Mit einem Notgenerator versorgen sie sich mit Strom. Die Novizen werden seit Tagen von Freunden und Bekannten notdürftig versorgt. Seit einer Woche jedoch wurde die Zugangssperre zum Kloster so verstärkt, dass Lebensmitteln nur noch hineingeschmuggelt werden können.
Die vietnamesische Polizei, die das Geschehen ausführlich filmt und fotografiert, schaut unbeteiligt zu. Am 6. Juli empfahl die Polizei den Eltern der Novizen in mehreren Provinzen zum wiederholten Mal, ihre Kinder aus dem Kloster zu nehmen. Von der Staatspropaganda wird verbreitet, dass der Klostergründer Thich Nhat Hanh sich gegen den vietnamesischen Staat aufgelehnt habe.
Mit Lautsprechern verstärkte Hassparolen sollen Meditation unmöglich machen
Am 5. Juli umzingelte ein aufgewiegelter Mob das Kloster und forderte die Vertreibung der Novizen. Um das Kloster herum aufgestellte leistungsstarke Lautsprecher schmettern rund um die Uhr Hassparolen und laute Musik, um Meditationssitzungen der Mönche zu stören. Am 23. Juni wurden die Mönche mit Macheten angegriffen. Am 27. Juni wurde das Kloster mit Steinen beworfen. Später stapelten mehrere Personen Brennholz um das Kloster herum. Schon zuvor hatten sie drei Meditationshütten in Brand gesetzt. Am 28. Juni stürmten Hunderte von Schlägern das Kloster und warfen Mobiliar und persönliche Gegenstände auf den Hof. Eine Delegation der Buddhistischen Kirche der Provinz Lam Dong, die am 29. Juni eine Untersuchung der Lage durchführen wollte, wurde angegriffen und mit Exkrementen beworfen, ein Mönch krankenhausreif geschlagen.
Seit Monaten forderte die Regierung die rund 400 vietnamesischen Mönche, Nonnen und Novizen auf, das Kloster zu verlassen, weil der Abt seit August 2008 die Bürgschaft für sie entzogen habe. Bereits im Juni und Juli 2008 mussten alle Nonnen und Mönche, die einen ausländischen Pass hatten, das Kloster verlassen. Trotz aller Vermittlungsversuche der Buddhistischen Kirche Vietnams eskalierte die Gewalt mit Duldung der Behörden weiter.
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
IGFM - Deutsche Sektion e.V.
Borsigallee 9, D - 60388 Frankfurt/Main
Tel.: 069-420108-0, Fax: 069-420108-33
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www.menschenrechte.de
Die IGFM ist eine Menschenrechtsorganisation, die 1972 in Frankfurt am Main gegründet wurde. Sie unterstützt Menschen, die sich gewaltlos für die Verwirklichung der Menschenrechte in ihren Ländern einsetzen oder die verfolgt werden, weil sie ihre Rechte einfordern. Nach Auffassung der IGFM sind nach dem Recht auf Leben und Sicherheit der Person, die bürgerlichen Rechte wie Meinungs-, Versammlungs- Religions- und Pressefreiheit die wichtigsten Menschenrechte. Ohne sie kann es weder Frieden noch sozialen Fortschritt geben. Die Grundlage ihrer Arbeit bildet die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948.
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