29.05.2009 - 14:09 - Politik, Recht & Gesellschaft
Reale aktuelle Arbeitsmarktzahlen - 3,46 Mio. Arbeitslose - 1,25 Kurzarbeiter - 2,34 Mio. weitere Jobsuchende
Pressemitteilung von: Personalundwissen.de Ltd. - Das Internetportal für den Personalbereich
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Arbeitslosenzahl im Mai: 3.458.000 (- 127.000/+ 175.000 gegenüber Vormonat/-jahr)
Kurzarbeiter im März: 1.250.000 (+ 180.000/+ 1.090.000)
Erwerbstätige im April: 39.960.000 (+ 85.000/- 150.000) - Destatis
Die monatliche Präsentation der Arbeitslosen- und vor allem Arbeitsmarktzahlen ist interessant, nicht wegen der stets in der gesamten Presse- und Medienwelt publizierten Arbeitslosenzahl sowie -quote und Stellungnahme der Bundesagentur, sondern der bei genauer Analyse aus den einzelnen Arbeitsmarktdaten erkennbaren aktuellen realen Situation.
Genau dieser Blick hinter die Fassade der stets sehr publizistisch präsentierten Arbeitsmarktzahlen ist stets das Ziel unserer Fachredaktion.
Im Mai 175.000 Arbeitslose und 1,09 Mio. Kurzarbeiter mehr als im Vorjahr
Die Arbeitslosigkeit hat sich von April auf Mai zwar um 127.000 auf 3,458 Millionen verringert und die Arbeitslosenquote nahm um 0,4 % auf 8,2 % ab, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am gestrigen Donnerstag in Nürnberg bei der Bekanntgabe der monatlichen Arbeitsmarktzahlen offiziell mitteilte. Doch vor einem Jahr hatte die Quote noch bei 7,8 % gelegen und es gab 175.000 Arbeitslose sowie 1,09 Millionen Kurzarbeiter weniger, wie die aktuellen Zahlen zeigen.
In den vergangenen drei Boomjahren war der durchschnittliche Rückgang im Mai verglichen zum Vormonat fast viermal so hoch ausgefallen, worauf Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hinweisen.
Ab sofort fallen weitere 15.000 bis 20.000 Arbeitslose aus der Statistik
Ab der aktuellen Arbeitslosenstatistik für Mai 2009 hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Berechnung aufgrund einer im Dezember 2008 verabschiedeten Gesetzesänderung, mit der die "Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung" von Arbeitssuchenden neu definiert wurden, geändert. Nunmehr werden diejenigen Arbeitssuchenden nicht mehr als Arbeitslose ausgewiesen, die nicht von den Agenturen selbst, sondern von so genannten Dritten wie Bildungsträgern betreut werden, bestätigte die BA am gestrigen Donnerstag (28.05.2009) im Rahmen der Veröffentlichung der aktuellen Arbeitsmarktzahlen. Im Mai betraf dies 15.000 bis 20.000 Menschen, die zwar Arbeit suchend sind, aber künftig aus der Statistik fallen.
Die BA und die Bundesregierung waren für diese neuerliche Beschönigung der Arbeitsmarktzahlen, wenige Monate vor der Bundestagswahl bereits heftig in Kritik gekommen.
Reale Zahlen sehen anders aus: Faktisch rund 6,3 Mio. Arbeitssuchende
Insgesamt gab es in Deutschland im Mai tatsächlich rund 5,8 Millionen Arbeitssuchende, davon 3,458 Millionen, die nach der offiziellen BA-Statistik als arbeitslos zählen sowie weitere 1,63 Millionen Menschen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und ca. 20.000 von Dritten betreute Arbeitssuchende. Berücksichtigt man zudem die rund 1,25 Millionen (Stand: März 2009) Kurzarbeiter, kommt man den realen Arbeitsmarktzahlen wohl deutlich näher .
Tatsächlich hatten die nach Stand Ende März 1,25 Millionen Kurzarbeiter einen durchschnittlichen Arbeitsausfall von 34,5 %, was einem Vollzeitäquivalent und damit potenzieller Entlastung der Arbeitslosigkeit von 431.000 Personen entspricht, die bei realistischer Betrachtung den Arbeitslosen hinzu zu rechnen sind, so dass man um vergleichbare Arbeitsmarktwerte zu offerieren von 3,89 Millionen Arbeitslosen und 2,34 Millionen Arbeitssuchenden ausgehen muss.
Das reale Ergebnis lautet daher auf fast 6,23 Millionen Arbeitssuchende, d.h. Personen, die als arbeitslos zählen oder in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sind bzw. aufgrund von Kurzarbeit nicht oder nicht in vollem Umfang arbeiten.
Tendenz am Ausbildungsmarkt: Deutlich verringerte Zahl an Ausbildungsstellen
Auch wenn die Bundesagentur darlegt, dass die aktuellen Daten des laufenden Berufsberatungsjahr noch kein klares Bild am Ausbildungsstellenmarkt abgeben würden, lassen sich bereits klare Tendenzen erkennen.
Von Oktober 2008 bis Mai 2009 wurden der Ausbildungsvermittlung insgesamt 371.700 Ausbildungsstellen gemeldet, d.h. rund 31.000 weniger als im Vorjahreszeitraum, davon entfallen 20.500 auf betriebliche und 10.400 auf außerbetriebliche Ausbildungsplätze.
Auch wenn der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), in dessen Bereich rund 60 % aller Ausbildungsplätze abgeschlossen werden, bis Ende April 2009 insgesamt 78.400 neu abgeschlossene Ausbildungsverhältnisse und damit genauso viele wie im Vorjahr registriert, zeigt die Tendenz klar nach unten. - Im Mai waren 156.400 Ausbildungsstellen noch unbesetzt, d.h. 13.500 weniger als im Vorjahr, und 230.100 Bewerber hatten noch keinen Lehrvertrag in der Tasche
Arbeitsmarktlage noch gut, aber weder Anlass zur Freude noch zur Panik
Im Ergebnis kann man klar feststellen, dass die Wirtschaftskrise in der realen Welt des Arbeitsmarktes längst angekommen ist, woran weder die Einführung von Kurzarbeit noch eine Kosmetik der offiziellen Arbeitslosenzahlen etwas ändern kann.
Auch die Schönrednerei der Politiker und die Schwarzmalerei von Presse und Wirtschafts- sowie Arbeitsmarktforschern und -experten sollte den klaren Blick auf die Realität nicht trüben.
Die Arbeitsmarktlage ist - insbesondere aufgrund der hervorragenden Entwicklung in den letzten 3 Jahren der boomenden Wirtschaft - weiterhin gut, verschlechtert sich aber - gerade im Bereich geringer oder fehlender Qualifikationen - doch merklich.
Kein Grund zur Panik, aber auch kein Anlass zur Euphorie, da der nächste Wirtschaftsaufschwung und damit verzögert auch eine Erholung des Arbeitsmarkts definitiv noch nicht klar ersichtlich ist und damit auch offen bleibt, ob bzw. wann die hohe Anzahl an Kurzarbeitern durch Entlassungen zu Arbeitslosen werden und die Statistik der BA u.U. schlagartig in die Höhe treibt.
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Mehr zur aktuellen Situation am Arbeitsmarkt - auch in der Zeitarbeit - lesen Sie unter www.personalundwissen.de/news/ .
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