(openPR) Die fast inflationäre Vermehrung von Leitlinien birgt hohe Risiken für die Medizin insgesamt und die Psychoonkologie im Besonderen, kritisiert Professor Dr. Thomas Küchler (Universitätsklinik Kiel).
Als mögliche Vorteile guter Leitlinien sieht der Medizin-Psychologe:
- Der Wissenstransfer von der Forschung zur klinischen Praxis wird verkürzt
- Auch der mit dem jeweiligen Krankheitsbild wenig vertraute Arzt kann sachgerecht behandeln
- Die Gesamtheit der Behandlungsfehler sinkt.
Die Qualität der meisten Leitlinien beurteilt Küchler äußerst kritisch. Er sieht häufig:
- zuviele, teils widersprüchliche Empfehlungen
- mangelnde Anwendbarkeit
- mangelnde Transparenz, Methodik, Ziele, Prämissen, Adressaten
- mangelnde methodische Qualität
"Gerade die Konsensusfindung ist überwiegend geprägt von ´Machtansprüchen´ der beteiligten Fachgesellschaften.
Die substantiellste Kritik an der derzeitigen Leitlinienentwicklung im Übergang zur Richtlinienentwicklung wird am wenigsten deutlich artikuliert. Sie könnte nach amerikanischem Vorbild zu einer reinen Defensivmedizin führen, bei der insgesamt weniger der Patient, sondern vielmehr dessen Anwalt im Mittelpunkt ärztlichen Handelns steht."
Thomas Küchler: Schaden und Nutzen der zunehmenden Normierung der Psychoonkologie
in: Schumacher, Determann, Ratsak, Reinert, Weyland (Hrsg.) Psychoonkologie zwischen Ethik und Ökonomie - Zerreißprobe oder Chance?
Pabst Lengerich/Berlin 2009, 140 Seiten, ISBN 978-3-89967-546








