22.05.2009 - 08:04 - Kunst & Kultur
Orientierungshilfe für Katholiken führt mit inhaltlichen Fehlern in die Irre
Pressemitteilung von: Info3-VerlagPR Agentur: Medienstelle Anthroposophie
(Medienstelle Anthroposophie) Mit einem neuen Faltblatt zum Thema „Anthroposophie und Waldorfpädagogik“ äußert sich das Erzbistum Köln zum Verhältnis von Katholizismus und Anthroposophie. Die Schrift, die Katholiken eine „Orientierungshilfe“ bieten will, liefert allerdings zahlreiche Fehlinformationen.
Mit Toleranz und interreligiösem Dialog haben die deutschen Amtskirchen so ihre Mühe – das zeigt sich einmal mehr an der derzeit brodelnden Diskussion nach dem hessischen Kulturpreis-Debakel. Ein weniger spektakuläres, aber dennoch bezeichnendes Beispiel für Ignoranz liefert das Anfang des Jahres herausgegebene Faltblatt des Erzbistums Köln „Anthroposophie und Waldorfpäda¬gogik“. Während die Autoren in ihrer Einführung noch um einen neutral-distanzierten Ton bemüht sind, liefern sie in Bezug auf die Waldorfschulen sowie auf die anthroposophische Christenge¬meinschaft eindeutig Fehlinformationen. „Wer seine Kinder dort einschulen will, muss wissen: Die Waldorfschulen sind nicht Teil des öffentlichen Schulsystems, ihre Abschlüsse sind nicht anerkannt.“ Dies ist natürlich falsch. Denn die Waldorfschulen sind als staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft Teil der vielfältigen und stetig wachsenden deutschen Privatschul-Landschaft. Nach einer gesetzlich vorgegebenen Anerkennungsphase legen die Schüler dort staatlich anerkannte Schulabschlüsse ab.
Auch die Behauptung „Die gesamte Erziehungs- und Bildungsarbeit [...] führt die Kinder zur anthroposophischen Weltsicht“ entspricht nicht der Wirklichkeit der über 200 Waldorfschulen in Deutschland. Auch wenn den Lehrplänen und der Didaktik das Menschenbild Rudolf Steiners zugrunde liegt, „erzieht“ die Waldorfpädagogik ebenso wenig zur Anthroposophie wie Schulen in katholischer Trägerschaft zum christlichen Glauben missionieren. In einer 2007 erschienenen Studie über ehemalige Waldorfschüler bezeichneten sich nur rund sieben Prozent der Befragten als Anthroposophen. Die Ehemaligen empfanden die Schule ausdrücklich nicht als aktive Vermittlerin anthroposophischer Vorstellungen, sondern attestieren ihr im Gegenteil eine hohe religiöse und weltanschauliche Offenheit. (Heiner Barz, Dirk Randoll: Absolventen von Waldorfschulen, Wiesbaden 2007)
Nach Einschätzung der Autoren der Kölner Kurzinformation ist das anthroposophische Welt- und Menschenbild nicht mit dem „christlichen Glauben an den dreieinigen Gott“ zu vereinbaren. „Ein Katholik kann nicht zugleich Anthroposoph sein", lautet die Schlussfolgerung. Insbesondere die Christengemeinschaft wird hinterfragt: „Ökumenische Beziehungen zwischen den christlichen Kirchen und der Christengemeinschaft sind nicht möglich“.
Dieser kategorischen Zurückweisung steht dabei ein kontinuierliches Bemühen um Annäherung von anthroposophischer Seite entgegen: „Alle bisherigen Bemühungen der Christengemeinschaft, in den Ökumenischen Rat der Kirchen aufgenommen zu werden, sind bisher am Widerstand einiger Hardliner gescheitert“, fasst Frank Hörtreiter, Pfarrer und Öffentlichkeitsbeauftragter der Christengemeinschaft, seine Erfahrungen zusammen. Dabei funktioniere der Dialog an der Basis oft sehr gut. „Je niedriger die Ränge, desto konstruktiver die Gespräche“, berichtet Hörtreiter.
Im April 2009 wandte sich der Kölner Christengemeinschafts-Pfarrer Ulrich Goebel mit einer Stellungnahme an die Diözese Köln und wies diese auf gravierende inhaltliche Fehler des Faltblattes hin. Angeblich ist man dort überrascht und gesprächsbereit. Wie aufrichtig dieses Interesse im bekanntermaßen erzkonservativen Einflussbereich Kardinal Meisners ist, bleibt offen. „Auch zwischen der katholischen Auffassung und der protestantischen oder der Ostkirche gibt es erhebliche Abweichungen“, betont Goebel in seiner Erwiderung. Die Nahelegung, bei der Christengemeinschaft handele es sich nicht um eine christliche Kirche, möge „nach katholischer Denkweise und Ansicht richtig sein“, dokumentiere allerdings „einmal mehr vor allem den Alleinvertretungsanspruch der katholischen Kirche“.
Link-Tipps:
www.dialogundverkuendigung.de (Download des Faltblatts unter „Aktuelles und Termine“)
www.christengemeinschaft.de
www.waldorfschule.info
Text auch unter www.medienstelle-anthroposophie.de
© Medienstelle Anthroposophie im Info3-Verlag 2009 / 4.100 Zeichen / Abdruck honorarfrei / Beleg erwünscht
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Leitung: Dr. Richard Everett ● Sandberg 7 ● 21244 Buchholz / Nordheide ● Tel. (04181) 3 18 47 ● E-Mail:
Medienstelle Anthroposophie in der Info3-Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG ● www.medienstelle-anthroposophie.de
Kirchgartenstr. 1 ● 60439 Frankfurt ● Germany ● Tel (069) 58 46 47 ● Fax +49-69-58 46 16 ● Sitz Frankfurt am Main
Handelsregister: Frankfurt am Main HRA 28503 ● Persönlich haftende Gesellschafter: Ramon Brüll, Dr. Jens Heisterkamp
Die Medienstelle Anthroposophie ist ein unabhängiges Portal zu den auf Rudolf Steiner zurückgehenden kulturellen und sozialen Impulsen. Die Medienstelle informiert über relevante Vorgänge der anthroposophischen Bewegung und bezieht Stellung, wenn Anthroposophie im gesellschaftlichen Kontext gefragt ist oder auch selbst in der Kritik steht.
Mit Toleranz und interreligiösem Dialog haben die deutschen Amtskirchen so ihre Mühe – das zeigt sich einmal mehr an der derzeit brodelnden Diskussion nach dem hessischen Kulturpreis-Debakel. Ein weniger spektakuläres, aber dennoch bezeichnendes Beispiel für Ignoranz liefert das Anfang des Jahres herausgegebene Faltblatt des Erzbistums Köln „Anthroposophie und Waldorfpäda¬gogik“. Während die Autoren in ihrer Einführung noch um einen neutral-distanzierten Ton bemüht sind, liefern sie in Bezug auf die Waldorfschulen sowie auf die anthroposophische Christenge¬meinschaft eindeutig Fehlinformationen. „Wer seine Kinder dort einschulen will, muss wissen: Die Waldorfschulen sind nicht Teil des öffentlichen Schulsystems, ihre Abschlüsse sind nicht anerkannt.“ Dies ist natürlich falsch. Denn die Waldorfschulen sind als staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft Teil der vielfältigen und stetig wachsenden deutschen Privatschul-Landschaft. Nach einer gesetzlich vorgegebenen Anerkennungsphase legen die Schüler dort staatlich anerkannte Schulabschlüsse ab.
Auch die Behauptung „Die gesamte Erziehungs- und Bildungsarbeit [...] führt die Kinder zur anthroposophischen Weltsicht“ entspricht nicht der Wirklichkeit der über 200 Waldorfschulen in Deutschland. Auch wenn den Lehrplänen und der Didaktik das Menschenbild Rudolf Steiners zugrunde liegt, „erzieht“ die Waldorfpädagogik ebenso wenig zur Anthroposophie wie Schulen in katholischer Trägerschaft zum christlichen Glauben missionieren. In einer 2007 erschienenen Studie über ehemalige Waldorfschüler bezeichneten sich nur rund sieben Prozent der Befragten als Anthroposophen. Die Ehemaligen empfanden die Schule ausdrücklich nicht als aktive Vermittlerin anthroposophischer Vorstellungen, sondern attestieren ihr im Gegenteil eine hohe religiöse und weltanschauliche Offenheit. (Heiner Barz, Dirk Randoll: Absolventen von Waldorfschulen, Wiesbaden 2007)
Nach Einschätzung der Autoren der Kölner Kurzinformation ist das anthroposophische Welt- und Menschenbild nicht mit dem „christlichen Glauben an den dreieinigen Gott“ zu vereinbaren. „Ein Katholik kann nicht zugleich Anthroposoph sein", lautet die Schlussfolgerung. Insbesondere die Christengemeinschaft wird hinterfragt: „Ökumenische Beziehungen zwischen den christlichen Kirchen und der Christengemeinschaft sind nicht möglich“.
Dieser kategorischen Zurückweisung steht dabei ein kontinuierliches Bemühen um Annäherung von anthroposophischer Seite entgegen: „Alle bisherigen Bemühungen der Christengemeinschaft, in den Ökumenischen Rat der Kirchen aufgenommen zu werden, sind bisher am Widerstand einiger Hardliner gescheitert“, fasst Frank Hörtreiter, Pfarrer und Öffentlichkeitsbeauftragter der Christengemeinschaft, seine Erfahrungen zusammen. Dabei funktioniere der Dialog an der Basis oft sehr gut. „Je niedriger die Ränge, desto konstruktiver die Gespräche“, berichtet Hörtreiter.
Im April 2009 wandte sich der Kölner Christengemeinschafts-Pfarrer Ulrich Goebel mit einer Stellungnahme an die Diözese Köln und wies diese auf gravierende inhaltliche Fehler des Faltblattes hin. Angeblich ist man dort überrascht und gesprächsbereit. Wie aufrichtig dieses Interesse im bekanntermaßen erzkonservativen Einflussbereich Kardinal Meisners ist, bleibt offen. „Auch zwischen der katholischen Auffassung und der protestantischen oder der Ostkirche gibt es erhebliche Abweichungen“, betont Goebel in seiner Erwiderung. Die Nahelegung, bei der Christengemeinschaft handele es sich nicht um eine christliche Kirche, möge „nach katholischer Denkweise und Ansicht richtig sein“, dokumentiere allerdings „einmal mehr vor allem den Alleinvertretungsanspruch der katholischen Kirche“.
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