(openPR) Qualifizierte Seniorenassistenz – Plöner Modell
In Schwentinental bei Kiel werden seit 2006 qualifizierte SeniorenassistentInnen in einer 130-stündigen Weiterbildung qualifiziert. Ehemals ein Modellprojekt, das über das Programm Lokales Kapital für soziale Zwecke (LOS) gefördert wurde, wird die Ausbildung in der qualifizierten Senioren-Assistenz heute vom Unternehmen Ute Büchmann – Seminare in der Nähe von Kiel durchgeführt. Nach dem Motto „Helfen ist gut – qualifiziert helfen ist besser“ erhalten die Kursteilnehmer/innen in einer 130-stündigen Ausbildung alle wesentlichen Inhalte vermittelt, die erforderlich sind, um qualifizierte Alltagshilfe und aktivierende Begleitung für Senioren leisten zu können.
Seniorenassistenz steht im Spannungsfeld zwischen Pflege und grober Hausarbeit und ist das fehlende Glied in der Seniorenbetreuung. Sie beinhaltet einen neuen Ansatz. Seniorenassistentinnen unterstützen ältere Menschen bei all den Dingen des täglichen Lebens, die Senioren nicht mehr selbst machen wollen oder aufgrund von Handicaps nicht mehr machen können. Seniorenassistenz bedeutet individuelle, vorbeugende und unterstützende Hilfe und vielfach auch Beratung. Die aktivierende Unterstützung durch SeniorenassistentInnen kann regelmäßig und langfristig oder vorübergehend (z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt) erfolgen. Immer steht das Ziel im Fokus, den alten Menschen zu ermöglichen, weiterhin zu Hause, in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben.
Dabei passt sich Seniorenassistenz ganz individuell den Bedürfnissen der Senioren an. Nach dem Grundsatz Hilfe zur Selbsthilfe geht es in erster Linie darum, Tätigkeiten nicht an Stelle der Senioren zu erledigen, sondern die Selbstständigkeit der Älteren nachhaltig zu fördern. Dazu übernehmen die Seniorenassistentinnen wichtige Aufgaben in den Bereichen Lebensführung, Büroarbeit und Organisation – Aufgaben, die Senioren nicht (mehr) selbst leisten können. Kommunikation und Freizeitgestaltung runden die Seniorenassistenz ab und erhöhen die Lebensqualität ganz entscheidend.
Professionelle Seniorenassistenz in Abgrenzung zum Ehrenamt
Weiterbildungen für Seniorenhelfer, Seniorenbegleiter oder auch Seniorenbetreuer sind nicht neu in der Bundesrepublik. In der Regel handelt es sich jedoch um Kurse, die auf die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe vorbereiten. Ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe und Besuchsdienste sind wichtig und anerkennenswert. Doch sie allein können den Bedarf an unterstützenden Dienstleistungen für Senioren nicht abdecken. Denn ehrenamtliche Arbeit ist Freiwilligenarbeit. Und Freiwilligenarbeit sollte nur zusätzlich und nicht alternativ und in Konkurrenz zu professionellen beschäftigungswirksamen Angeboten erfolgen. Zumindest aber darf sie nie den Status einer Lückenbüßerfunktion erhalten und mögliche Arbeitsplätze vernichten.
Die Ausbildung zur qualifizierten Seniorenassistentin/zum qualifizierten Seniorenassistenten in Schleswig-Holstein ist mit einem Stundenumfang von derzeit 130 Unterrichtsstunden, der zusätzlichen Nachbetreuung der SeminarteilnehmerInnen und dem Angebot einer intensiven Netzwerkarbeit sehr aufwändig. Das muss sie auch sein, wenn sie dem Motto „Helfen ist gut, qualifiziert helfen ist besser“ gerecht werden will. Die Qualifizierung innerhalb der Seniorenassistenz eröffnet zudem ein neues Beschäftigungsfeld, das insbesondere Frauen der Altersgruppe 40 - 60 Jahre eine gute Chance bietet, beruflich noch einmal durchzustarten. Als professionelle Dienstleistung bietet qualifizierte Seniorenassistenz, die heute schon von rund 80 qualifizierten SeniorenassistentInnen in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein angeboten wird, die ganze Bandbreite von aktivierender Begleitung über qualifizierte Beratung bin hin zum Schriftwechsel mit Behörden und dem Aufschreiben der Lebensgeschichte.
Schaffung eines neuen „Betreuungsberufes“
Zwei Faktoren werden zukünftig den Tätigkeitsbereich Seniorenbetreuung verändern. Zum einen die demographische Entwicklung, die eine Zunahme von Dienstleistungen für Senioren zur Folge haben und zu einer starken Belastung der Pflegekassen führen wird. Zum anderen der (ungebrochene) Trend älterer Menschen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben und auf keinen Fall ins Heim zu gehen. Fakt ist, dass die wenigsten Senioren Pflegefälle sind und eine Rundumbetreuung benötigen. Zunehmend gefragt ist eine gelegentliche oder regelmäßige Hilfe für alte Menschen, die bis zuletzt in ihrer vertrauten Umgebung bleiben wollen und das auch können, wenn ihnen jemand kompetent zur Seite steht.
Will man die Lebensqualität älterer Menschen erhalten, müssen künftig alternative Modelle entwickelt werden. Die eben genannten Faktoren lassen es plausibel erscheinen, einen neuen „Betreuungsberuf“ SeniorenassistentIn zu schaffen. Ausgebildete SeniorenassistentInnen könnten künftig Senioren in deren eigenen vier Wänden unterstützen und qualifizierte Alltagshilfe leisten. Aktivierende Begleitung der Älteren, Kommunikation und Unterstützung in den Dingen des Alltags würden dazu führen, dass Senioren wieder Lebensmut bekommen, wieder ein großes Maß an Selbstständigkeit erreichen und der Gang in eine Pflegeeinrichtung aufgeschoben oder sogar ganz verhindert werden könnte.
Qualifizierung durch eine staatlich anerkannte Weiterbildung im Bereich der nicht-pflegerischen Seniorenbetreuung analog der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Tagesmütterqualifizierung
Anzuregen wäre eine gesetzlich vorgeschriebene mindestens 120-stündige Qualifizierungsmaßnahme, in der den Teilnehmer/innen ein Basiswissen im Bereich Seniorenbetreuung vermittelt wird. Eine ähnliche Verpflichtung zur Qualifizierung gibt es bereits in der Tagespflege. Mit dem Tagespflegeausbaugesetz verpflichtet der Gesetzgeber Tagespflegepersonen dazu, eine mindestens 120-stündige Qualifizierungsmaßnahme zu durchlaufen. Eine vergleichbar aufwändige Qualifizierung sollte auch für Personen vorgesehen werden, die in der nicht-pflegerischen Seniorenbetreuung arbeiten. Auf diese Weise könnte auch der riesige Markt der Schwarzarbeit im Bereich haushaltsnaher Dienstleistungen abgebaut werden. Senioren brauchen solche Dienstleistungen, denn neben der medizinischen Versorgung und der Pflege gibt es einen großen Bedarf an Betreuungsleistungen für die Dinge des täglichen Lebens.
Resümee:
Qualifizierte Seniorenassistenz ist eine Chance für die Gesellschaft. Als professionelle Dienstleistung bietet sie die ganze Bandbreite von aktivierender Begleitung über qualifizierte Beratung bin hin zur Unterstützung bei den Dingen des täglichen Lebens.
1. SeniorenassistentInnen leisten fundierte praktische Lebenshilfe. Sie bringen Lebensqualität in das Leben älterer Menschen und sorgen durch eine aktivierende Begleitung dafür, dass der Gang ins Altersheim aufgeschoben oder sogar aufgehoben werden kann.
2. SeniorenassistentInnen entlasten Angehörige
3. Für sich selbst schaffen SeniorenassistentInnen eine berufliche Perspektive und werden im günstigsten Fall unabhängig von staatlicher Unterstützung.
Seniorenassistenz holt alte Menschen aus dem Vergessenwerden am Rande der Gesellschaft ins Leben herein und sorgt dafür, dass Ältere länger aktiv bleiben. Somit handelt es sich um eine Dienstleistung, die einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Betreuungs- und Pflegekosten leistet. Damit bietet die qualifizierte Seniorenassistenz eine Wertschöpfung, die messbar ist.
















