(openPR) Bei Komplikationen während der Anästhesie ist zu etwa 70% der Faktor Mensch verantwortlich – häufig ein Mangel an Kommunikation zwischen den Teammitgliedern. Persönliches Vertrauen zwischen den Beteiligten verbessert die Chancen, auf unvorhergesehene Ereignisse zügig und koordiniert zu reagieren und damit das Sicherheitsrisiko zu senken, stellte Dr. Tanja Manser (TH Zürich) in einer Studie fest.
Wichtig und selbstverständlich ist eine "initiale Koordiniertheit" zwischen Chirurgie und Anästhesie; d.h. alle Beteiligten kennen das Procedere und sind aufeinander abgestimmt. Die Studie der Arbeitspsychologin wurde in einer herzchirurgischen Klinik realisiert, in der die Anästhesie-Assistenzärzte relativ häufig wechselten; entsprechend groß war die Verantwortung der langjährig tätigen Oberärzte.
Überschreiten Komplexität und Dynamik das Niveau der eingeübten Koordiniertheit, müssen unerwartete Selbstregulationsprozesse einsetzen. Nach bisher gängiger Auffassung in der Arbeitspsychologie genügt in diesem Kontext ein "Systemvertrauen" – sprich: ein Vertrauen in die Verlässlichkeit der Organisationsstruktur inclusive der Akteure. Manser weist nach, dass die Emotionalität eines Vertrauens in spezielle Personen die Selbstregulationsprozesse positiv beeinflusst und damit die Bewältigung von Problemen begünstigt, also die OP-Risiken senkt.
Tanja Manser:
Selbstregulation als zentrales Element des kooperativen Umgangs mit unerwarteten Ereignissen in komplexen Arbeitssystemen
in: Albert Vollmer (Hrsg.), Kooperatives Handeln zwischen Kontinuität und Brüchen in neuen Tätigkeitssystemen
Pabst Lengerich/Berlin, 328 Seiten, ISBN 978-3-89967-331-9








