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Darmschrittmacher hilft bei Stuhl-Inkontinenz

30.03.200912:29 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Darmschrittmacher hilft bei Stuhl-Inkontinenz
Der Darmschrittmacher
Der Darmschrittmacher

(openPR) Zwischen sieben und acht Millionen Frauen und Männer leiden in Deutschland an Inkontinenz. Sie können entweder ihren Harndrang nicht mehr kontrollieren oder haben eine Schließmuskelschwäche des Afters. Harn- und Stuhlinkontinenz sind jedoch immer noch große Tabuthemen. Die meisten Betroffenen empfinden so große Scham, dass sie häufig nicht einmal mit ihrem Arzt darüber sprechen möchten. Die Folge ist stilles Leiden unter körperlichen und oft auch unter schweren psychischen Belastungen. So sind die körperlichen Auswirkungen einer unbehandelten Stuhlinkontinenz unter Umständen jedoch gravierend: Neben Hautschäden können schwere Infektionen bis hin zu Nekrosen (Absterben von Gewebe) entstehen.



Der Darmschrittmacher

Für Harn- bzw. Stuhlinkontinenz-Patienten, die verschiedene Therapien erfolglos durchlaufen haben, wird nun erstmals in Hamburg ein Blasen- bzw. Darmschrittmacher im Klinikum Eilbek unter dem Chefarzt der Chirurgie Dr. Lutz Steinmüller und Oberarzt Dr. Georg Aschmotat, Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, eingesetzt (in diesem ersten Behandlungsfall ein Schrittmacher für Stuhlinkontinenz).

Er stimuliert mit leichten elektrischen Impulsen gezielt die für die zuständigen Nerven im Beckenbereich (Sakralnerven). Die Sakralnerven befinden sich im Bereich des Kreuzbeins, unmittelbar oberhalb des Steißbeins, und sind sowohl bei der Harn- als auch der Stuhlkontinenz von entscheidender Bedeutung. Über sie sendet das Gehirn Befehle als elektrische Impulse über das Rückenmark an Dickdarm und Blase. Bei gesunden Menschen wird zum Beispiel die Information einer vollen Blase oder eines vollen Rektums (Mastdarms) als Botschaft über die Sakralnerven an das Gehirn übermittelt. Sind Nerven verletzt, kommt es zu ungewollten oder sogar irrtümlichen Mitteilungen, die über die Nervenbahnen gesendet werden. Die Neurostimulation kann dann helfen, sie zu korrigieren. Genutzt werden dazu schwache und ungefährliche elektrische Impulse.

Das Herzstück der sakralen Neurostimulation ist der Stimulator, ein kleiner Schrittmacher, der im Gesäß oder im Bauchbereich des Patienten implantiert wird. Von dort sendet er seine elektrischen Impulse an die jeweiligen Sakralnerven.

Das Behandlungsverfahren

Im Beckenbereich gibt es eine ganze Reihe sakraler Nervenstränge. Daher muss der behandelnde Arzt genau den Nerv finden, der die für die Blase bzw. den Darm zuständigen Muskeln am besten stimuliert. Dazu wird zunächst eine Teststimulation mit einem externem Stimulator durchgeführt, um die Wirksamkeit zu testen und individuell festzustellen, ob der Patient auf die Therapie anspricht.

Der Arzt führt hierzu einen dünnen Draht, eine so genannte Elektrode, in den Kreuzbeinbereich ein und schließt die Elektrode am externen Stimulator an – ein kleines Gerät in der Größe eines Piepers, das während der gesamten Testphase am Gürtel zu tragen ist. Der Patient hat während dieser Testphase eine wichtige Aufgabe: Um die Wirkung der sakralen Neurostimulation zuverlässig beurteilen zu können, ist der Arzt auf die Beobachtungen des Betroffenen angewiesen.

Deshalb führt der Patient genau Tagebuch über seine Symptome, die Blasen- oder Darmaktivität und wie sie sich unter dem Einfluss der Stimulation verändert. Im Anschluss wertet der Arzt die Aufzeichnungen aus und zieht Rückschlüsse auf die Wirksamkeit des Verfahrens bei dem jeweiligen Patienten. Verspürt der Patient in der mehrwöchigen Testphase eine deutliche Besserung seiner Symptome, dann steht einer permanenten Implantation des Schrittmachers nichts mehr im Weg. In einer etwa einstündigen Operation wird der kleine Impulsgeber eingesetzt und mit der stimulierenden Elektrode verbunden.

Der gesamte Eingriff erfordert nur zwei bis drei kleine Hautschnitte.

Die Nerven werden durch die elektrische Stimulation nicht geschädigt. Neben der ungefährlichen Stärke der Stromimpulse sorgen dafür auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen, bei denen der Arzt den Erfolg der Neuromodulationstherapie überprüft.

Die Lebensdauer der Batterie hängt von der individuellen Einstellung des Schrittmachers ab. Je häufiger und intensiver das Gerät im Einsatz ist, umso kürzer ist auch die Haltbarkeit der Stromquelle. Durchschnittlich liegt die Lebensdauer jedoch bei beachtlichen sechs Jahren. Zudem ist der Austausch der Batterie unproblematisch: Ein kleiner Hautschnitt unter lokaler Betäubung.

* Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten der Behandlung.

Die Ursachen der Stuhl-Inkontinenz

Die Ursachen der Stuhlinkontinenz sind vielfältig - bei 80 Prozent der Patienten werden sogar mehrere Ursachen diagnostiziert. Grundsätzlich liegt immer eine Schädigung oder Veränderung der beteiligten Muskeln oder Nerven im After-Bereich vor. So kann zum Beispiel eine gestörte Schließmuskelfunktion durch Verletzungen bei der Geburt eines Kindes oder auch Schädigungen der Nerven, wie sie bei Querschnittsverletzten vorkommen, für die unwillentliche Stuhlentleerung verantwortlich sein. Ähnlich wie bei der Harninkontinenz wird als Therapie bei einigen Patienten auf die Beckenbodengymnastik zurückgegriffen. Viele erzielen damit nach intensivem Training gute Ergebnisse. Trotzdem helfen bei einigen Betroffenen weder Gymnastik noch Medikamente.

Informationen unter (040) 20 92 - 16 02 oder

http://www.schoen-kliniken.de/ptp/kkh/eil/faz/chirurgie/sp/

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