(openPR) Der mittelfristige Wirkungsgrad stationärer Therapie von Zwangserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ist nach wie vor unbefriedigend, stellten Henrike Zellmann (Universität Würzburg) und KollegInnen in einer Studie fest. Knapp sechs Jahre nach der Behandlung sahen die PsychologInnen bei fast der Hälfte ihrer PatientInnen noch immer oder erneut eine schwerwiegende Zwangsstörung.
Auch Kinder und Jugendliche, die nicht mehr an dieser Erkrankung litten, blieben häufig in der sozialen Kommunikation und in partnerschaftlichen Beziehungen beeinträchtigt.
"Die psychosoziale Anpassung zum Nachuntersuchungszeitpunkt war hinsichtlich der schulischen Leistungsfähigkeit in den meisten Fällen gut. Demgegenüber stehen die vorhandenen Schwierigkeiten im Bereich der Verselbständigung, der sozialen Vernetzung und insbesondere im Bereich der Partnersuche und Familiengründung. Die partnerschaftlichen Probleme beschränken sich hierbei nicht nur auf die Gruppe der chronisch Zwangserkrankten, sondern auch auf die übrigen Studienteilnehmer.
Es mag demnach sein, dass die sozialen Defizite zwangskranker Personen nicht nur als Folge der Einschränkung durch die Zwangssymptomatik zu sehen sind, sondern vielmehr störungsbegleitend auftreten, sich im Zuge der Zwangserkrankung in ungünstiger Weise akzentuieren und wahrscheinlich zum Teil bereits vor der Zwangsstörung vorhanden sein können," berichten die Autoren in der aktuellen Ausgabe von "Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin".
Sie empfehlen daher für die therapeutische Praxis eine spezifische Diagnostik und Therapie. "Im Kindes- und Jugendalter könnten die Beübung und der Ausbau sozialer Kompetenzen möglicherweise eine Präbentivmaßnahme gegen soziale Vereinsamung im Erwachsenenalter sein."
Henrike Zellmann et al.:
Der mittelfristige Verlauf von Zwangsstörungen mit Beginn im Kindes- und Jugendalter: Aspekte der psychosozialen Anpassung
Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin 4/2008, S. 336-351










