(openPR) Glaubt man den zuständigen Behörden, so grassiert im Landkreis Cloppenburg derzeit in Putenbeständen ein fürchterliches Virus: "Aviäre Influenza A des Subtyps H5N3" - ein entfernter Verwandter des "auch für den Menschen gefährlichen Vogelgrippevirus" H5N1. Alles Geflügel, das mit diesem Virus in Kontakt gekommen sein könnte wird auf amtliche Anordnung hin getötet - bis heute (17.12.2008) mehr als 270.000 Puten.
Allerdings ist bislang – auch nach Behördenangaben – am Virus H5N3 selbst kein einziger Vogel gestorben. Eine hochpathogene Form von H5N3 ist weltweit überhaupt nur einmal, 1961 in Südafrika, beobachtet worden.
Konkrete Hinweise auf eine Verbreitung von H5N3 in Niedersachsen durch Wildvögel gibt es nicht. Deswegen ist nicht zu verstehen, dass jetzt dortige Freilandhaltungen durch das Verbot, Geflügel Auslauf zu gewähren, für die unhaltbaren Zustände in der industriellen Geflügelproduktion bestraft werden. Eine Gefahr der Ansteckung besteht für Freilandhaltungen ganz offensichtlich nicht, und damit auch kein Grund für die Stallpflicht.
Die infizierten Bestände waren ausschließlich Stallhaltungen. Bei Puten werden gewöhnlich wegen der Empfindlichkeit der Tiere besondere Schutzvorkehrungen gegen einen Eintrag von Krankheitskeimen getroffen ("Biosecurity"). Dennoch waren es in Europa bei allen größeren Ausbrüchen von Geflügelpest (hochpathogene Vogelgrippe) immer Stallhaltungen, in die das Virus aus anderen Geflügelbeständen eingeschleppt wurde.
Das Wissenschaftsforum Aviäre Influenza (WAI) kritisiert seit längerem die einseitige Fokussierung auf Wildvögel als angebliche Überträger hoch pathogener Viren und hat in der Vergangenheit bereits mehrfach gefordert, die Seuchenbekämpfung auf eine wissenschaftlich fundierte und seriöse Basis zu stellen.
Seit wenigen Jahren treten in der EU immer häufiger Ausbrüche von Influenzaviren in großen, industriellen Geflügelhaltungen auf. Jahr für Jahr werden inzwischen Hunderttausende von Vögeln vergast und vernichtet - auf Kosten der Steuerzahler, oder mit Geldern, die alle Geflügelhalter in die Tierseuchenkassen einzahlen. Aber diese Ausbruchsserien betreffen so gut wie ausschließlich Geflügel der industriellen Fleischproduktion - Freilandhaltungen und Kleinbestände waren fast nie betroffen!
Dennoch richten sich die prophylaktischen Maßnahmen mit der Stallpflicht vor allem gegen Freilandhalter und Kleinbetriebe, die damit in den Ruin getrieben werden. Das ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt und rechtsstaatlich ein unhaltbarer Zustand. Das WAI fordert, statt immer neuen Schikanen gegen nachhaltig, tierschutzgerecht und ökologisch verträglich wirtschaftende Geflügelhaltungen endlich die Gründe für die Zunahme der Tierseuche dort zu suchen, wo die Ursachen liegen: in der industriellen Massen-Geflügelhaltung.
Das WAI fragt, wie lange sich die EU Geflügelhaltungen leisten will, die ein permanentes Seuchenrisiko darstellen? Ist es der Bevölkerung zuzumuten, die Folgen zu tragen für:
- die Kosten für immer häufigere Massenkeulungen?
- die zunehmende Gefährdung von allen Geflügelbeständen, ebenso wie von Wildvögeln?
- und nicht zuletzt die Gefährdung der menschlichen Gesundheit?
Ein Umdenken ist jetzt nötig.
Eine ausführliche Stellungnahme des Wissenschaftsforum Aviäre Influenza WAI zu den aktuellen Ausbrüchen findet sich auf www.wai.netzwerk-phoenix.net










