(openPR) Bundesverband Geriatrie e.V.: Während die geriatrische Versorgung weiter an medizinischer und gesellschaftspolitischer Bedeutung und Ansehen gewinnt, zudem der Bedarf weiter steigt, befinden sich zahlreiche Fachkliniken in einer akuten wirtschaftlichen Notlage.
Gleichzeitig strebt der Bundesverband mit neuen Organisationsansätzen eine weitere Steigerung der Versorgungsqualität an.
Auf das stetig wachsende Ansehen und die weiter gestiegene Leistungsfähigkeit der geriatrischen Versorgung und Rehabilitation hat der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Geriatrie e.V., Hon.-Prof. Dr. med. Dieter Lüttje, vor der Presse hingewiesen. "Die aktuelle Diskussion um die wirtschaftliche Situation vieler Kliniken und Einrichtungen belegt bei aller Dramatik die Bedeutung, die heute der fachspezifischen Rehabilitation älterer Patienten beigemessen wird“, erklärte Lüttje in Berlin. "Gerade der Ansatz, bereits präventiv und zugleich interdisziplinär wirksam zu werden, hat sich als wichtiges Qualitätskriterium der geriatrischen Versorgung etabliert." So verknüpft die geriatrische Rehabilitation Elemente der Diagnostik, Therapie und Nachsorge und erfasst so im Unterschied zur rein organspezifischen Rehabilitation umfassend den gesundheitlichen Gesamtstatus und damit die umfassenden Risiken des älteren Patienten.
Allerdings lasse sich dieser "Mehrwert" nicht immer auf den ersten Blick erkennen, räumte der Verbandsvertreter ein. Zudem sei er mit einem hohen Aufwand - insbesondere an hoch qualifiziertem, interdisziplinär geschulten Personals - verbunden. Hon.-Prof. Lüttje, seit einem Jahrzehnt selbst Chefarzt einer Klinik für Geriatrie, verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass insbesondere in den letzten Jahren in allen Kliniken und Einrichtungen die Kosten - vor allem für Energie, Wasser und Beschäftigte - massiv gestiegen seien. "Dagegen sind die Pflegesätze in der breiten Masse, abgesehen von einzelnen jährlichen Anpassungen von deutlich unter einem Prozent, faktisch seit 1996 unverändert geblieben." Diese Entwicklung habe insgesamt zu einer dramatischen ökonomischen Lage der Mehrheit der Kliniken und Einrichtungen geführt. "Es ist nicht mehr so, dass nur Einzelne betroffen sind, sondern ein ganzer Versorgungszweig", betonte der Mediziner. Inzwischen drohe der fachspezifischen und qualitätsorientierten Versorgung älterer Patienten in ganzen Bundesländern das kurzfristige Aus.
Abermals kritisierte der Vorstandsvorsitzende die offensichtlich zunehmende Praxis von Kassen, ältere Patienten in die organspezifische Rehabilitation "umzuleiten". Zwar würden die Kassen keine konkreten Zahlen vorlegen, allerdings lasse sich diese Entwicklung aus dem Verhältnis der Zuname von Personen mit höherem Lebensalter in Deutschland und der Zahl der Genehmigten geriatrispezifischer Rehabilitationen ableiten. Diese müssten eigentlich im gleichen Sinne ansteigen, wie dies die Zahl der über 65-Jährigen in Deutschland tut.
Dabei hätten gerade die im Bundesverband Geriatrie vertretenen Kliniken und Einrichtungen Konzepte für eine moderne und leistungsfähige geriatrische Versorgung entwickelt und zum Teil bereits umgesetzt. Dazu gehörten beispielsweise die mobile geriatrische Rehabilitation und das Modell geriatrischer Versorgungszentren, welche ebenfalls in Berlin vorgestellt wurden. In diesen Einrichtungen sollen alle medizinischen Leistungen "rund um den älteren Patienten" gebündelt und zugleich mit weitergehenden Angeboten, wie Projekten zur Gesundheitsprävention oder Angehörigenschulungen, verknüpft werden. "Wir wollen unsere bereits heute hohen Standards auch in Zukunft halten und noch weiter verbessern", betonte Hon.-Prof. Dieter Lüttje. "Allerdings kann dies nicht ohne Mitwirkung der Kassen und der Politik geschehen."








