Ansprechpartnerin Öffentlichkeitsarbeit
BerufsBildungsWerk Greifswald
Stefanie Schneider
Pappelallee 2
17489 Greifswald
Tel.: 03834 873-267

Über das Unternehmen
Greifswalder 3-Phasen-Modell
zur komplexen medizinischen, sozialen und beruflichen Rehabilitation
Patienten mit akuten Hirnschädigungen oder auch verbleibenden chronischen Behinderungen benötigen spezielle Hilfestellungen, wenn es darum geht, in Alltag und Beruf wieder integriert werden zu können. Erkrankungen wie etwa ein Schlaganfall oder ein Schädelhirntrauma bedürfen initial einer schnellen und effizienten Rettungskette, der Möglichkeiten der akut-medizinischen Maximalversorgung mit intensiv-medizinischen (einschließlich Stroke unit) und chirurgischen Versorgungsmöglichkeiten, um Lebensgefährdungen abzuwenden und das Ausmaß der Schädigungen anderer Organe, insbesondere auch des Nervensystems, durch die bestmögliche Behandlung zu minimieren. Schon in der sehr frühen Krankheitsphase schwerster neurologischer Erkrankungen ist die frührehabilitative Orientierung bedeutsam, um langfristig einen möglichst optimalen Behandlungserfolg zu gewährleisten. Oftmals werden in der ersten Zeit nach einer Erkrankung schon wichtige Weichen gestellt, die den weiteren Verlauf wesentlich mitprägen. Die medizinische Rehabilitation, die die Frührehabilitation mit einschließt, zielt darauf ab, all die Funktionen, die durch eine Hirnschädigung beeinträchtigt sind, möglichst wiederherzustellen. Dabei verfolgt das Rehabilitationsteam gemeinsam mit den Patienten individuelle Ziele, die sich an Alltag und Beruf der Betroffenen orientieren. Wichtig ist, dass bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Alltags- und Berufsorientierung mitbedacht wird. Wenn die Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation abgeschlossen sind, ist es dann das vordringliche Anliegen, die Reintegration in die häusliche Umgebung bzw. den Beruf vorzubereiten und zu begleiten.
Die hier skizzierten Notwendigkeiten der Behandlung von Hirnverletzten von der Rettungskette über die Intensiv- und Akutmedizin über die medizinische Rehabilitation bis zur beruflichen Rehabilitation lassen erkennen, dass hier ein abgestimmter und verzahnter Behandlungsprozess eine wichtige Voraussetzung für ein optimales Behandlungsergebnis ist. An vielen Stellen können hier Verzögerungen und Probleme auftreten, die vielfältige Ursachen haben. Ist jede der beteiligten Einrichtungen (Akutkrankenhaus, Frührehabilitations- und Rehabilitationsklinik, Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation) nur für sich tätig und arbeitet nicht eng verzahnt mit den anderen Einrichtungen zusammen, so ist in der strategischen Betreuung der verletzten Personen ein Defizit möglich. Nur im engen interdisziplinären Austausch zwischen Akutklinik, Rehabilitationsklinik und Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation können die verschiedenen Ansätze und Ziele, die im Laufe der Heilbehandlung angestrebt werden, von Anfang an sehr konsequent verfolgt werden. In jeder einzelnen Institution werden bereits Behandlungsaspekte bedacht, die sonst nur in den nachfolgenden spezialisierten Einrichtungen berücksichtigt würden. Das gemeinschaftliche Betreuen von Patienten über Einrichtungen hinweg hilft auch, den Kostenträgern die jeweils optimalen Behandlungspfade aufzuzeigen. So kann bereits im Sinne der Antragstellung der Therapieerfolg gefördert werden. Die gegenseitige Kenntnis der Möglichkeiten der professionellen Unterstützung in den einzelnen Institutionen erlaubt, zum frühestmöglichen und geeigneten Zeitpunkt Patienten in die nachfolgende Einrichtung zu verlegen. Hierdurch kann der Rehabilitationsprozess für den Rehabilitanden zeitlich günstig und inhaltlich erfolgreich geplant und terminiert werden. Andererseits besteht aber auch für die Solidargemeinschaft die Gewissheit, dass mit den notwendigen Mitteln ein optimales Behandlungsergebnis angestrebt wird.
Die Gedanken zur institutionsübergreifenden Versorgung von Patienten mit Hirnverletzungen lassen sich am ehesten da verwirklichen, wo durch die örtliche Struktur bereits eine Vernetzung vorgegeben ist. Hier stellt das Greifswalder 3-Phasen-Modell eine bundesweit einmalige und für die betroffenen Patienten sehr positive Partnerschaft dar. Das Universitätsklinikum Greifswald, die BDH-Klinik Greifswald GmbH und das Berufsbildungswerk (BBW) sind in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) räumlich eng benachbart und durch Kooperationsverträge gemeinschaftlich für Patienten nach Hirnverletzungen da. Im Falle von Unfällen oder Erkrankungen, die eine neurologische Rehabilitation erforderlich machen, findet die Erstversorgung im Universitätsklinikum statt. Bereits in einem sehr frühen Stadium kann mit der Frührehabilitation in der BDH-Klinik Greifswald begonnen werden. Wenn im weiteren Verlauf erste Belastungserprobungen erfolgreich waren, wird die Rehabilitation im Berufsbildungswerk fortgesetzt. Der Patient, der in der BDH-Klinik Greifswald noch stationär behandelt wird, kann bereits erste berufsvorbereitende Maßnahmen beginnen (medizinisch-berufliche Rehabilitation), um dann entweder im Berufsbildungswerk Greifswald (oder im Bedarfsfall Berufsförderungswerk Stralsund) Leistungen der beruflichen Rehabilitation erhalten zu können.
Im Universitätsklinikum der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald mit ihren 21 Kliniken und 19 Instituten stehen dem Patienten die besten Möglichkeiten akut-medizinischer Versorgung zur Verfügung. Die BDH-Klinik Greifswald wurde 1998 eröffnet. Alleiniger Gesellschafter der BDH-Klinik Greifswald ist der BDH Bundesverband Rehabilitation. Es ist eine von zwei Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern für neurologische Frührehabilitation mit dem Schwerpunkt auf Schädelhirnschädigung sowie eines von 24 Zentren, das in Deutschland Querschnittgelähmte behandelt. Die BDH-Klinik Greifswald hat insgesamt 144 Betten und betreibt eine Tagesklinik mit 22 Plätzen. Hier wird es Patienten ermöglicht, für einige Stunden am Tag abgestimmte Therapien in Anspruch zu nehmen, ansonsten aber schon zu Hause zu leben.
Das 1990 gegründete BerufsBildungsWerk Greifswald ist eine diakonische Einrichtung zur Berufsvorbereitung und Ausbildung für junge Menschen mit verschiedenen Handicaps, die noch keinen Berufsabschluss haben. In der Bundeseinrichtung werden ideale Voraussetzungen für eine arbeitsmarktbezogene und zukunftsorientierte Ausbildung geboten. Neben einer breiten Palette an Ausbildungsberufen gibt die virtuelle Ausbildung eine besondere Möglichkeit für Auszubildende, die körperlich schwerstbehindert sind und auf Grund ihrer eingeschränkten Mobilität besondere Ausbildungsmethoden und Konzepte benötigen. Das BBW verfügt über ein breites Spektrum ausbildungsbegleitender Reha-Fachdienste, die entsprechend dem individuellen Bedarf mit den Jugendlichen und den Mitarbeitern abgestimmt und sinnvoll in den Tagesablauf eingepasst werden können. Der Anspruch an eine ganzheitliche Rehabilitation wird durch das obligatorische Angebot einer sozialpädagogischen Begleitung im Wohn- und Freizeitbereich ergänzt.
Als Landesleistungszentrum für den Behindertensport fördert das BerufsBildungsWerk Greifswald junge sportliche Talente auf ihrem Weg zum Hochleistungssport mit dem Ziel, erfolgreich an großen internationalen Wettkämpfen teilzunehmen.
Das Greifswalder 3-Phasen-Modell trägt seinen Namen als Modell auch deswegen zurecht, weil es modellhaft aufzeigt, wie sogenannte „Schnittstellen-Probleme“ auf vorbildliche Weise strukturell gelöst werden, während es sonst üblich ist, dass Akutmedizin, Rehabilitationsklinik und Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation räumlich und inhaltlich nicht unbedingt immer eng verzahnt arbeiten und es dadurch im rehabilitativen Werdegang eines Patienten auch zu Reibungsverlusten kommen kann. Die enge Verzahnung dieser drei Komponenten, wie sie in Greifswald gelebt wird, ist in besonderer Weise dafür geeignet, dass „vom ersten Tag an“ bereits alle Notwendigkeiten der Versorgung von der Akutmedizin über die medizinische bis zur beruflichen Rehabilitation gedanklich und damit strategisch für den Patienten berücksichtigt werden. Dies kommt in erster Linie den betreuten Patienten zugute, deren rehabilitativer Weg so besonders effizient gestaltet werden kann. Mittelbar ist dies auch für Kranken- und Unfallversicherungen günstig, denn einerseits haben sie so die Möglichkeit, die abgestimmten Behandlungspfade bei ihrer Entscheidung als Kostenträger zu berücksichtigen, andererseits können Mehrkosten, die durch Reibungsverluste entstehen könnten, durch die abgestimmte Vorgehensweise auch reduziert werden.
So ist das Greifswalder 3-Phasen-Modell zu einem erfolgreichen Modell geworden, was von Patienten und ihren Angehörigen, den beteiligten Berufsgruppen der Einrichtungen und den Kostenträgern geschätzt wird.