23.11.2008 - 09:47 - Gesundheit & Medizin
Hirntote sind Sterbende - Reaktion auf die Erklärung des Papstes am 7.11.2008 zur Organspende
Pressemitteilung von: Kritische Aufklärung über Organtransplantation KAO e.V.
Wir, die Mitglieder von KAO, „Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V.“, haben mit großer Hoffnung die Erklärung von Papst Benedikt XVI erwartet. Unsere Hoffnung ist enttäuscht worden.
Seit vierzig Jahren enthält sich die Katholische Kirche einer klaren Stellungnahme zur Hirntod-Problematik und überlässt die Todesdefinition den Ärzte-Organisationen. Doch Definitionen von Leben, Sterben und Tod betreffen uns alle, sie sind tief verwurzelt in unserem kulturellen Verständnis, das den Menschen als untrennbare Einheit von Körper, Seele und Geist begreift. Die Transplantationsmedizin jedoch teilt den Menschen auf in Körper und Steuerzentrale Gehirn und macht das Menschsein allein vom funktionierenden Gehirn abhängig. Diese Definition ermöglicht es, Menschen im Hirnversagen mit lebendigem Leib schon zu Beginn des Sterbeprozesses für tot zu erklären.
International wächst die Kritik daran, hirntote Menschen als Leichen oder Verstorbene zu bezeichnen. Kritische Experten aus Medizin, Rechtswesen und Ethik betrachten Hirntote als Sterbende, wie es auch anlässlich der Tagung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Februar 2005 zum Ausdruck gebracht wurde. Wer sich für eine Organentnahme entscheidet, muss wissen, dass dem potenziellen Organspender heftige Schmerzreize zugefügt werden, um seinen Hirntod feststellen zu können. Die Entnahme der Organe vollzieht sich bei laufender Beatmung, schlagendem Herzen und unter Gabe von muskelentspannenden Medikamenten. Zur Optimierung des chirurgischen Eingriffs bekommt der hirntote Patient z. B. Fentanyl, ein hundertmal stärkeres Schmerzmittel als Morphin.
Eltern von KAO haben die Zustimmung zur Organentnahme bei ihren Kindern im Schockzustand und ohne Kenntnis der medizinischen Voraussetzungen und der Auswirkungen auf ihren Sterbeprozess gegeben. In seiner Rede bezeichnet Papst Benedikt XVI diese Vorgehensweise zu Recht als „erzwungene Handlung oder als einen Akt der Ausnutzung“. Er spricht von einer „Geste totaler Unentgeltlichkeit seitens der Verwandten von Patienten, deren Tod festgestellt worden ist.“ In diesen Fällen sei „die informierte Zustimmung die Vorbedingung der Freiheit.“ Das erfordert aber, dass sich die Katholische Kirche mit Macht dafür einsetzt, dass darüber aufgeklärt, informiert wird, dass es unter den medizinischen und anderen betroffenen Experten zu der Frage, ob ein „Hirntoter“ ein Verstorbener oder ein Sterbender ist, gegensätzliche Meinungen gibt. Damit wird jeder einzelne gezwungen, sich in dieser kontroversen Frage seine eigene Meinung zu bilden. Dazu muss die Kirche ermuntern und auch dazu, darüber zu reflektieren, wer für mich der Nächste ist, mein sterbender Angehöriger oder unbekannte Dritte.
Potenzielle Organspender und ihre Familien müssen darüber aufgeklärt werden, dass Organentnahme eine Sterbebegleitung ausschließt.
Wir bitten die Katholische Kirche eindringlich, die Gesellschaft umfassend über diese schwierige Situation der kontroversen Einschätzung des Hirntodes zu informieren und seelsorgerliche Hilfe bei der individuellen Entscheidungsfindung zu geben. Wir wünschen uns von der Katholischen Kirche, dass sie sich genauso beharrlich für die Rechte des sterbenden Menschen einsetzt wie für die Rechte des ungeborenen Lebens.
Renate Focke (KAO)
18.11.2008
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
KAO Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V.
Gisela & Jürgen Meyer
Rosenstr. 55
53489 Sinzig-Bad Bodendorf
Tel.: 02642 / 41679
E-Mail: gilaundjuergenmeyer(at)yahoo.de
Über den Verein "Kritische Aufklärung über Organtransplantation - KAO"
Wir sind eine Initiative von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen. Erst nachdem unsere Kinder beerdigt waren, haben wir begriffen, wozu wir ja gesagt hatten. Wir haben begriffen, dass lebende Organe nicht von Menschen entnommen werden können, die so tot sind, wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben unsere Entscheidung daher bitter bereut. Durch unsere Zustimmung waren unsere Kinder in ihrem Sterbeprozess, indem sie unserer besonderen Liebe bedurften, ungeschützt alleingelassen und einer Organentnahme überantwortet, die uns hinterher wie das Ausschlachten eines Autowracks erschien.
In dieser Situation haben wir uns entschlossen, durch Aufklärung dazu beizutragen, dass andere Eltern unter ähnlichen Umständen davor bewahrt werden, unvorbereitet wie wir mit der Frage der Organspende konfrontiert zu werden.
Heute entstehen bei den betroffenen Angehörigen oft starke psychische Störungen durch die Selbstvorwürfe, die falsche Entscheidungen aufgrund fehlender Informationen in dieser Frage hervorrufen. Dem soll in Zukunft durch Aufklärung entgegengewirkt werden.
Seit vierzig Jahren enthält sich die Katholische Kirche einer klaren Stellungnahme zur Hirntod-Problematik und überlässt die Todesdefinition den Ärzte-Organisationen. Doch Definitionen von Leben, Sterben und Tod betreffen uns alle, sie sind tief verwurzelt in unserem kulturellen Verständnis, das den Menschen als untrennbare Einheit von Körper, Seele und Geist begreift. Die Transplantationsmedizin jedoch teilt den Menschen auf in Körper und Steuerzentrale Gehirn und macht das Menschsein allein vom funktionierenden Gehirn abhängig. Diese Definition ermöglicht es, Menschen im Hirnversagen mit lebendigem Leib schon zu Beginn des Sterbeprozesses für tot zu erklären.
International wächst die Kritik daran, hirntote Menschen als Leichen oder Verstorbene zu bezeichnen. Kritische Experten aus Medizin, Rechtswesen und Ethik betrachten Hirntote als Sterbende, wie es auch anlässlich der Tagung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Februar 2005 zum Ausdruck gebracht wurde. Wer sich für eine Organentnahme entscheidet, muss wissen, dass dem potenziellen Organspender heftige Schmerzreize zugefügt werden, um seinen Hirntod feststellen zu können. Die Entnahme der Organe vollzieht sich bei laufender Beatmung, schlagendem Herzen und unter Gabe von muskelentspannenden Medikamenten. Zur Optimierung des chirurgischen Eingriffs bekommt der hirntote Patient z. B. Fentanyl, ein hundertmal stärkeres Schmerzmittel als Morphin.
Eltern von KAO haben die Zustimmung zur Organentnahme bei ihren Kindern im Schockzustand und ohne Kenntnis der medizinischen Voraussetzungen und der Auswirkungen auf ihren Sterbeprozess gegeben. In seiner Rede bezeichnet Papst Benedikt XVI diese Vorgehensweise zu Recht als „erzwungene Handlung oder als einen Akt der Ausnutzung“. Er spricht von einer „Geste totaler Unentgeltlichkeit seitens der Verwandten von Patienten, deren Tod festgestellt worden ist.“ In diesen Fällen sei „die informierte Zustimmung die Vorbedingung der Freiheit.“ Das erfordert aber, dass sich die Katholische Kirche mit Macht dafür einsetzt, dass darüber aufgeklärt, informiert wird, dass es unter den medizinischen und anderen betroffenen Experten zu der Frage, ob ein „Hirntoter“ ein Verstorbener oder ein Sterbender ist, gegensätzliche Meinungen gibt. Damit wird jeder einzelne gezwungen, sich in dieser kontroversen Frage seine eigene Meinung zu bilden. Dazu muss die Kirche ermuntern und auch dazu, darüber zu reflektieren, wer für mich der Nächste ist, mein sterbender Angehöriger oder unbekannte Dritte.
Potenzielle Organspender und ihre Familien müssen darüber aufgeklärt werden, dass Organentnahme eine Sterbebegleitung ausschließt.
Wir bitten die Katholische Kirche eindringlich, die Gesellschaft umfassend über diese schwierige Situation der kontroversen Einschätzung des Hirntodes zu informieren und seelsorgerliche Hilfe bei der individuellen Entscheidungsfindung zu geben. Wir wünschen uns von der Katholischen Kirche, dass sie sich genauso beharrlich für die Rechte des sterbenden Menschen einsetzt wie für die Rechte des ungeborenen Lebens.
Renate Focke (KAO)
18.11.2008
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
KAO Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V.
Gisela & Jürgen Meyer
Rosenstr. 55
53489 Sinzig-Bad Bodendorf
Tel.: 02642 / 41679
E-Mail: gilaundjuergenmeyer(at)yahoo.de
Über den Verein "Kritische Aufklärung über Organtransplantation - KAO"
Wir sind eine Initiative von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen. Erst nachdem unsere Kinder beerdigt waren, haben wir begriffen, wozu wir ja gesagt hatten. Wir haben begriffen, dass lebende Organe nicht von Menschen entnommen werden können, die so tot sind, wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben unsere Entscheidung daher bitter bereut. Durch unsere Zustimmung waren unsere Kinder in ihrem Sterbeprozess, indem sie unserer besonderen Liebe bedurften, ungeschützt alleingelassen und einer Organentnahme überantwortet, die uns hinterher wie das Ausschlachten eines Autowracks erschien.
In dieser Situation haben wir uns entschlossen, durch Aufklärung dazu beizutragen, dass andere Eltern unter ähnlichen Umständen davor bewahrt werden, unvorbereitet wie wir mit der Frage der Organspende konfrontiert zu werden.
Heute entstehen bei den betroffenen Angehörigen oft starke psychische Störungen durch die Selbstvorwürfe, die falsche Entscheidungen aufgrund fehlender Informationen in dieser Frage hervorrufen. Dem soll in Zukunft durch Aufklärung entgegengewirkt werden.
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