09.11.2008 - 12:37 - Politik, Recht & Gesellschaft
Flüchtlingsrat BW feiert sein 20-jähriges Bestehen - Verleihung des Bundesverdienstkreuzes
Pressemitteilung von: Flüchtlingsrat BW
Bei seiner Vollversammlung am 8.11.2008 kann der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg auf 20 Jahre ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit zurückblicken: Zwei Dekaden des menschlichen Beistandes und Kampfes für die Rechte von Flüchtlingen.
Seit den 1970er Jahren ist die Zahl der ausländischen Flüchtlinge kontinuierlich angestiegen. Die Boat People aus Vietnam hatten den Anfang gemacht. Ihnen folgten Kriegsopfer aus Eritrea, Flüchtlinge aus Sri Lanka und libanesische Bürgerkriegsflüchtlinge. Um diese Menschen, die in der deutschen Gesellschaft ausgegrenzt und weitgehend auf sich gestellt waren, zu unterstützen, gründeten sich zahlreiche lokale Initiativen, zuerst in den größeren Städten dann aber auch landesweit in praktisch allen Kommunen, in denen Flüchtlinge untergebracht waren. Die Aufgaben dieser Initiativen waren so vielfältig wie das gesellschaftliche Spektrum, aus denen ihre Einzelmitglieder stammten. Es ging um Beratung im Asylverfahren, um Sprachunterricht, Integrationsförderung, Begleitung der Flüchtlinge bei der Bewältigung des täglichen Lebens und nicht zuletzt um Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Kirchliche Gruppierungen, Menschenrechtler, Gewerkschafter, Juristen, Lehrer u. a. taten sich zusammen, um jeder auf seine Weise zum Wohl der Flüchtlinge beizutragen.
Um all diesen Einzelgruppen Vernetzung, Qualifizierung und Unterstützung zu bieten, wurde im Jahr 1988 in Stuttgart der „Arbeitskreis Asyl Baden-Württemberg e. V.“ gegründet, der später analog zu entsprechenden Organisationen in anderen Bundesländern in „Flüchtlingsrat Baden-Württemberg e. V.“ umbenannt wurde.
Als Anfang der 1990er Jahre die Flüchtlingszahlen in Deutschland durch die Balkankriege nochmals stark zunahmen, wurde das gesellschaftliche Klima rauer. Flüchtlinge waren unerwünscht, und man hat ihnen das auch deutlich gezeigt. Die Politik verschärfte das Asylrecht und führte erhebliche Restriktionen ein. Zwangseinweisung in Sammelunterkünfte, Paketverpflegung, Residenzpflicht, Arbeitsverbote und andere Schikanen sollten eine abschreckende Wirkung entwickeln.
Die Ehrenamtlichen sind mit den Herausforderungen dieser Zeit gewachsen und haben gelernt, für Humanität und Gerechtigkeit Flagge zu zeigen. Als Flüchtlingslobbyisten waren und sind sie unbeliebt, als gesellschaftliche Brückenbauer sind sie unentbehrlich geworden. Das wird inzwischen auch offiziell anerkannt.
Für ihr Engagement im Bereich der Flüchtlings- und Menschenrechtsarbeit erhält Angelika von Loeper, die 1. Vorsitzende des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg, am kommenden Montag, 10. November, das Bundesverdienstkreuz.
In den letzten Jahren sind die Zugangszahlen von Flüchtlingen drastisch zurückgegangen. Nicht etwa, weil es keine Flüchtlinge mehr gäbe. Im Gegenteil: Kriege und Verfolgung haben vor allem in Afrika und Asien zugenommen. Doch die Europäische Union scheut weder Kosten noch Mühen, um mit abweisender Gesetzgebung und Grenzschutzmaßnahmen Flüchtlingen den Zutritt auf ihr Territorium zu verwehren.
Dafür zu sorgen, dass die wenigen Flüchtlinge, die es noch hierher schaffen, ein einwandfreies Asylverfahren und eine faire Behandlung erhalten, ist und bleibt weiterhin Aufgabe des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg. Doch er wird sich in Zukunft vermehrt auch der Information widmen müssen: über die Zustände in den Herkunftsländern der Flüchtlinge, über die menschlichen Katastrophen, die sich in den Transitländern abspielen und über die Situation an den europäischen Außengrenzen. Dazu gehören auch Kampagnen, wie etwa für das Bleiberecht von langjährig hier lebenden Flüchtlingen oder die Resettlement-Kampagne „Save me“ für die Aufnahme von Flüchtlingen, die in ihrem Zufluchtstaat nicht bleiben können. Der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg wird den Spuren der Globalisierung folgen müssen, um seinem Wächteramt in Sachen Menschlichkeit und Menschenrechte gerecht zu werden.
Rückfragen gerne an:
Reiner Klass
Geschäftsstelle
Tel.: 0711 5532834
E-Mail:
Gez. Helga Groz
Mitglied des Sprecherrates
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Flüchtlingsrat Baden-Württemberg
Reiner Klass
Urbanstraße 44
70182 Stuttgart
Tel.: 0711 5532834
E-Mail:
www.fluechtlingsrat-bw.de
Der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg e.V. koordiniert, vernetzt und qualifiziert die Arbeit der örtlichen Asylkreise. Er fördert das Verständnis für Flüchtlingsfragen in der Öffentlichkeit und versucht durch Gespräche auf politischer Ebene die Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu verbessern.
Seit den 1970er Jahren ist die Zahl der ausländischen Flüchtlinge kontinuierlich angestiegen. Die Boat People aus Vietnam hatten den Anfang gemacht. Ihnen folgten Kriegsopfer aus Eritrea, Flüchtlinge aus Sri Lanka und libanesische Bürgerkriegsflüchtlinge. Um diese Menschen, die in der deutschen Gesellschaft ausgegrenzt und weitgehend auf sich gestellt waren, zu unterstützen, gründeten sich zahlreiche lokale Initiativen, zuerst in den größeren Städten dann aber auch landesweit in praktisch allen Kommunen, in denen Flüchtlinge untergebracht waren. Die Aufgaben dieser Initiativen waren so vielfältig wie das gesellschaftliche Spektrum, aus denen ihre Einzelmitglieder stammten. Es ging um Beratung im Asylverfahren, um Sprachunterricht, Integrationsförderung, Begleitung der Flüchtlinge bei der Bewältigung des täglichen Lebens und nicht zuletzt um Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Kirchliche Gruppierungen, Menschenrechtler, Gewerkschafter, Juristen, Lehrer u. a. taten sich zusammen, um jeder auf seine Weise zum Wohl der Flüchtlinge beizutragen.
Um all diesen Einzelgruppen Vernetzung, Qualifizierung und Unterstützung zu bieten, wurde im Jahr 1988 in Stuttgart der „Arbeitskreis Asyl Baden-Württemberg e. V.“ gegründet, der später analog zu entsprechenden Organisationen in anderen Bundesländern in „Flüchtlingsrat Baden-Württemberg e. V.“ umbenannt wurde.
Als Anfang der 1990er Jahre die Flüchtlingszahlen in Deutschland durch die Balkankriege nochmals stark zunahmen, wurde das gesellschaftliche Klima rauer. Flüchtlinge waren unerwünscht, und man hat ihnen das auch deutlich gezeigt. Die Politik verschärfte das Asylrecht und führte erhebliche Restriktionen ein. Zwangseinweisung in Sammelunterkünfte, Paketverpflegung, Residenzpflicht, Arbeitsverbote und andere Schikanen sollten eine abschreckende Wirkung entwickeln.
Die Ehrenamtlichen sind mit den Herausforderungen dieser Zeit gewachsen und haben gelernt, für Humanität und Gerechtigkeit Flagge zu zeigen. Als Flüchtlingslobbyisten waren und sind sie unbeliebt, als gesellschaftliche Brückenbauer sind sie unentbehrlich geworden. Das wird inzwischen auch offiziell anerkannt.
Für ihr Engagement im Bereich der Flüchtlings- und Menschenrechtsarbeit erhält Angelika von Loeper, die 1. Vorsitzende des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg, am kommenden Montag, 10. November, das Bundesverdienstkreuz.
In den letzten Jahren sind die Zugangszahlen von Flüchtlingen drastisch zurückgegangen. Nicht etwa, weil es keine Flüchtlinge mehr gäbe. Im Gegenteil: Kriege und Verfolgung haben vor allem in Afrika und Asien zugenommen. Doch die Europäische Union scheut weder Kosten noch Mühen, um mit abweisender Gesetzgebung und Grenzschutzmaßnahmen Flüchtlingen den Zutritt auf ihr Territorium zu verwehren.
Dafür zu sorgen, dass die wenigen Flüchtlinge, die es noch hierher schaffen, ein einwandfreies Asylverfahren und eine faire Behandlung erhalten, ist und bleibt weiterhin Aufgabe des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg. Doch er wird sich in Zukunft vermehrt auch der Information widmen müssen: über die Zustände in den Herkunftsländern der Flüchtlinge, über die menschlichen Katastrophen, die sich in den Transitländern abspielen und über die Situation an den europäischen Außengrenzen. Dazu gehören auch Kampagnen, wie etwa für das Bleiberecht von langjährig hier lebenden Flüchtlingen oder die Resettlement-Kampagne „Save me“ für die Aufnahme von Flüchtlingen, die in ihrem Zufluchtstaat nicht bleiben können. Der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg wird den Spuren der Globalisierung folgen müssen, um seinem Wächteramt in Sachen Menschlichkeit und Menschenrechte gerecht zu werden.
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www.fluechtlingsrat-bw.de
Der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg e.V. koordiniert, vernetzt und qualifiziert die Arbeit der örtlichen Asylkreise. Er fördert das Verständnis für Flüchtlingsfragen in der Öffentlichkeit und versucht durch Gespräche auf politischer Ebene die Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu verbessern.
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