25.10.2008 - 22:38 - Politik, Recht & Gesellschaft
Tod und Elend für Straßentiere - Missbrauch des Tierschutzgesetzes in Bulgarien
Pressemitteilung von: Ärzte für Tiere e.V.
Seit Januar 2008 hat Bulgarien ein Tierschutzgesetz, das die Tötung von Straßentieren verbietet. Dieses Gesetz existiert jedoch nur auf dem Papier, denn nach wie vor werden Straßenhunde und -katzen in dem beliebten Urlaubsland mißhandelt, erschlagen und vergiftet. Wirksame Strafmaßnahmen gegen Tierquälerei oder die Aussetzung unerwünschter Tiere auf die Straße fehlen nach wie vor, die "Isolatoren", wie die Tötungsstationen in Bulgarien bisher bezeichnet wurden, hat man lediglich in "Tierheime" umbenannt.
Ein Beispiel für die immer noch vorherrschende Brutalität im Umgang mit Straßentieren ist das "Tierheim" von Plovdiv, der zweitgrößten Stadt Bulgariens. Am 8. Februar 2008 wurden dort 14 Hunde von zwei Tierpflegern mit Eisenstangen erschlagen. Trotz schriftlicher Aussage zweier Augenzeugen wurde der Vorfall von der Leitung des "Tierheims" verleugnet. Beschwerden örtlicher Tierschützer bei sämtlichen Kontrollinstanzen wurden ignoriert.
Der Verein "Ärzte für Tiere e.V." organisierte daraufhin eine an den Generalstaatsanwalt der Republik Bulgarien, Boris Velchev, die bulgarische Vize Ministerpräsidentin, Meglena Plugtschieva, und den Bügermeister der Stadt Plovdiv, Slavcho Atanasov, addressierte Protestaktion, an der noch immer unter der folgenden Adresse teilgenommen werden kann: protest.aerztefuertiere.de
Die erste Reaktion auf den Protest erfolgte in Form eines dreiseitigen und von Bürgermeister Atanasov unterzeichneten Briefes, in dem der Vorfall zwar bestätigt, jedoch lediglich als Euthanasie bezeichnet wurde. Diese sei außerdem "vorschriftsgemäß", "medizinisch korrekt" und "schmerzlos" durchgeführt worden.
Eine Delegation des Vereins "Ärzte für Tiere e.V." brach daher vor wenigen Wochen nach Bulgarien auf, um sich vor Ort ein Bild von der Situation der Straßenhunde in Plovdiv und anderen Städten zu machen. Am frühen Morgen des 5. Oktobers erschien die Delegation unangemeldet vor dem Eingang des "Tierheims" von Plovdiv, wo ihr erst nach langem Zögern Einlaß gewährt wurde. "Nachdem wir das Gelände betreten hatten, liefen die Tierpfleger wie aufgeschreckte Hühner hin und her", berichtet Frau Dr. Becker, Mitglied der vierköpfigen Delegation, "und bald uns auch klar warum: Wir sollten den Dreck und die leeren Futternäpfe und Wasserbehälter nicht sehen!"
Der Besuch aus Deutschland wurde schließlich in den Raum geführt, in dem die angebliche Euthanasie der 14 Hunde stattgefunden haben soll. Auf dem Zementboden stand ein großer Transportkäfig, eine verrostete Liege und eine große, blaue Plastiktonne, gefüllt mit stinkender Flüssigkeit. Wie der Tierarzt und stellvertretende Leiter erklärte, handelte es sich bei der Platiktonne um die sogenannte "Desinfektionsstation" für Neuzugänge.
"In diesem Raum, in dem keine 4 Leute stehen können ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten, fand also die Euthanasie der 14 Hunde statt. Ohne Tierarzt, nur in Anwesenheit von zwei Tierpflegern. Eine sehr großzügige Auslegung des Tierschutzgesetzes, das eine solche Maßnahme nicht gleichzeitig an mehr als einem Tier erlaubt. Außerdem darf nur ein Tierarzt eine Euthanasie durchführen", kritisiert Frau Dr. Becker.
Das bulgarische Tierschutzgesetz erlaubt die Euthanasie nur bei zwei Indikationen:
1. Finales Leiden
2. Aggressivität
Beide Indikationen müssen von einer aus drei Ärzten bestehenden Kommission festgestellt werden. Frau Dr. Becker: "Waren etwa alle 14 Hunde aggressiv oder sterbenskrank?" Die Zeugen berichteten von einem Blutbad, wo die halberschlagenen Hunde mit gebrochenem Rückgrat mit letzter Kraft die Eisentür zu erreichen und damit zu fliehen versuchten. Die weitere Besichtigung des Tierlagers ergab ein Bild des Grauens: Tiere mit flehenden Augen, ohne Wasser oder Futter, vegetierten in ihrem eigenen Kot und Urin dahin. Die mußten schon seit Tagen nicht mehr gereinigt worden sein.
Ein steriler Operationsraum, wo Kastrationen nach dem bulgarischen Tierschutzgesetz durchgeführt werden müssen, war nicht vorhanden. Eine Quarantänestation vermißte man dort ebenfalls. Auch bei Minusgraden werden Hunde in die blaue Plastiktonne, die sich als "Desinfektionsstation" entpuppte, eingetaucht und dann in die offenen Zellen zurückgebracht, wo sie dann oft auf dem kalten Zementboden auskühlen und langsam sterben.
Ein ausführlicher Bericht mit Fotos über das Tierlager von Plovdiv kann auf der Internetseite des Vereins "Ärzte für Tiere e.V." eingesehen werden: aerztefuertiere.de/index.php?option=com_content&task=view...
Die Situation in der bulgarischen Provinz ist überall sehr ähnlich. Dem Verein "Ärzte für Tiere e.V." liegen Informationen aus 15 bulgarischen Städten vor, denen zufolge in keinem der noch existierenden Tierlager die gesetzlich vorgeschriebenen Umbauten stattgefunden haben.
Noch vor 4 Monaten waren im Zentrum der bulgarischen Hauptstadt Sofia die kastrierten und markierten Hunde in ihren dortigen Revieren zu sehen. Bis vor kurzem wurden sie dort gefüttert, nun sind sie "verschwunden". Die Verantwortlichen des städtischen Unternehmens "Ökogleichgewicht" haben dafür keine befriedigende Erklärung. Auf freundliche telefonische Anfrage von Frau Dr. Becker, wo sich die Hunde aufhalten würden, wurde lediglich geantwortet sie seien noch da, und der Hörer aufgelegt.
Die Straßentiere in Bulgarien brauchen unsere Hilfe!
Der Verein "Ärzte für Tiere e.V." hat ein Dreipunkte-Notprogramm zur Verbesserung der Situation vorgeschlagen:
1. Finanzierung einer elektronischen Überwachungsanlage für alle Bereiche des Lagers. Kameras übertragen alle Vorgänge an einen zentralen Computer und gestatten so auch von außerhalb jederzeit Einblick in die Abläufe im Lager.
2. Finanzierung einer Stelle für einen neutralen, im Lager anwesenden Beobachter.
3. Antrag vor der Generalstaatsanwaltschaft Bulgariens auf Stilllegung des „Tierheims“ und Durchführung der dringend notwendigen Umbauarbeiten seitens der Stadt Plovdiv.
Der Verein "Ärzte für Tiere e.V." hofft auf ein Einlenken der bulgarischen Generalstaatsanwaltschaft und wird die Situation in bulgarien weiterhin beobachten.
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Ärzte für Tiere e.V.
Holsteiner Straße 21
D-90427 Nürnberg
Tel.: +49 (0) 911 78067-46
Fax: +49 (0) 911 78067-47
Info E-Mail:
Presse E-Mail:
Homepage: www.aerztefuertiere.de
Ärzte für Tiere e.V. ist ein europäisches Netzwerk für politischen Tierschutz. Aus einem kollegialen Kreis tierfreundlicher Mediziner – Ärzte, Tierärzte, Zahnärzte – entstand die Idee zu diesem Verein.
Der Tierschutzgedanke ist ein Teil des globalen Prinzips der menschlichen Ethik, die auf dem Mitgefühl mit allen Lebewesen und dem Respekt vor ihnen basiert. Unsere Handlungen verstehen wir somit als Dienst an der Humanität.
Wir arbeiten ehrenamtlich, national und international mit Tierschutz-Organisationen, Medien und Behörden zusammen, unabhängig von politischer und religiöser Überzeugung.
Unser Kommunikationsmedium ist das Internet.
Ein Beispiel für die immer noch vorherrschende Brutalität im Umgang mit Straßentieren ist das "Tierheim" von Plovdiv, der zweitgrößten Stadt Bulgariens. Am 8. Februar 2008 wurden dort 14 Hunde von zwei Tierpflegern mit Eisenstangen erschlagen. Trotz schriftlicher Aussage zweier Augenzeugen wurde der Vorfall von der Leitung des "Tierheims" verleugnet. Beschwerden örtlicher Tierschützer bei sämtlichen Kontrollinstanzen wurden ignoriert.
Der Verein "Ärzte für Tiere e.V." organisierte daraufhin eine an den Generalstaatsanwalt der Republik Bulgarien, Boris Velchev, die bulgarische Vize Ministerpräsidentin, Meglena Plugtschieva, und den Bügermeister der Stadt Plovdiv, Slavcho Atanasov, addressierte Protestaktion, an der noch immer unter der folgenden Adresse teilgenommen werden kann: protest.aerztefuertiere.de
Die erste Reaktion auf den Protest erfolgte in Form eines dreiseitigen und von Bürgermeister Atanasov unterzeichneten Briefes, in dem der Vorfall zwar bestätigt, jedoch lediglich als Euthanasie bezeichnet wurde. Diese sei außerdem "vorschriftsgemäß", "medizinisch korrekt" und "schmerzlos" durchgeführt worden.
Eine Delegation des Vereins "Ärzte für Tiere e.V." brach daher vor wenigen Wochen nach Bulgarien auf, um sich vor Ort ein Bild von der Situation der Straßenhunde in Plovdiv und anderen Städten zu machen. Am frühen Morgen des 5. Oktobers erschien die Delegation unangemeldet vor dem Eingang des "Tierheims" von Plovdiv, wo ihr erst nach langem Zögern Einlaß gewährt wurde. "Nachdem wir das Gelände betreten hatten, liefen die Tierpfleger wie aufgeschreckte Hühner hin und her", berichtet Frau Dr. Becker, Mitglied der vierköpfigen Delegation, "und bald uns auch klar warum: Wir sollten den Dreck und die leeren Futternäpfe und Wasserbehälter nicht sehen!"
Der Besuch aus Deutschland wurde schließlich in den Raum geführt, in dem die angebliche Euthanasie der 14 Hunde stattgefunden haben soll. Auf dem Zementboden stand ein großer Transportkäfig, eine verrostete Liege und eine große, blaue Plastiktonne, gefüllt mit stinkender Flüssigkeit. Wie der Tierarzt und stellvertretende Leiter erklärte, handelte es sich bei der Platiktonne um die sogenannte "Desinfektionsstation" für Neuzugänge.
"In diesem Raum, in dem keine 4 Leute stehen können ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten, fand also die Euthanasie der 14 Hunde statt. Ohne Tierarzt, nur in Anwesenheit von zwei Tierpflegern. Eine sehr großzügige Auslegung des Tierschutzgesetzes, das eine solche Maßnahme nicht gleichzeitig an mehr als einem Tier erlaubt. Außerdem darf nur ein Tierarzt eine Euthanasie durchführen", kritisiert Frau Dr. Becker.
Das bulgarische Tierschutzgesetz erlaubt die Euthanasie nur bei zwei Indikationen:
1. Finales Leiden
2. Aggressivität
Beide Indikationen müssen von einer aus drei Ärzten bestehenden Kommission festgestellt werden. Frau Dr. Becker: "Waren etwa alle 14 Hunde aggressiv oder sterbenskrank?" Die Zeugen berichteten von einem Blutbad, wo die halberschlagenen Hunde mit gebrochenem Rückgrat mit letzter Kraft die Eisentür zu erreichen und damit zu fliehen versuchten. Die weitere Besichtigung des Tierlagers ergab ein Bild des Grauens: Tiere mit flehenden Augen, ohne Wasser oder Futter, vegetierten in ihrem eigenen Kot und Urin dahin. Die mußten schon seit Tagen nicht mehr gereinigt worden sein.
Ein steriler Operationsraum, wo Kastrationen nach dem bulgarischen Tierschutzgesetz durchgeführt werden müssen, war nicht vorhanden. Eine Quarantänestation vermißte man dort ebenfalls. Auch bei Minusgraden werden Hunde in die blaue Plastiktonne, die sich als "Desinfektionsstation" entpuppte, eingetaucht und dann in die offenen Zellen zurückgebracht, wo sie dann oft auf dem kalten Zementboden auskühlen und langsam sterben.
Ein ausführlicher Bericht mit Fotos über das Tierlager von Plovdiv kann auf der Internetseite des Vereins "Ärzte für Tiere e.V." eingesehen werden: aerztefuertiere.de/index.php?option=com_content&task=view...
Die Situation in der bulgarischen Provinz ist überall sehr ähnlich. Dem Verein "Ärzte für Tiere e.V." liegen Informationen aus 15 bulgarischen Städten vor, denen zufolge in keinem der noch existierenden Tierlager die gesetzlich vorgeschriebenen Umbauten stattgefunden haben.
Noch vor 4 Monaten waren im Zentrum der bulgarischen Hauptstadt Sofia die kastrierten und markierten Hunde in ihren dortigen Revieren zu sehen. Bis vor kurzem wurden sie dort gefüttert, nun sind sie "verschwunden". Die Verantwortlichen des städtischen Unternehmens "Ökogleichgewicht" haben dafür keine befriedigende Erklärung. Auf freundliche telefonische Anfrage von Frau Dr. Becker, wo sich die Hunde aufhalten würden, wurde lediglich geantwortet sie seien noch da, und der Hörer aufgelegt.
Die Straßentiere in Bulgarien brauchen unsere Hilfe!
Der Verein "Ärzte für Tiere e.V." hat ein Dreipunkte-Notprogramm zur Verbesserung der Situation vorgeschlagen:
1. Finanzierung einer elektronischen Überwachungsanlage für alle Bereiche des Lagers. Kameras übertragen alle Vorgänge an einen zentralen Computer und gestatten so auch von außerhalb jederzeit Einblick in die Abläufe im Lager.
2. Finanzierung einer Stelle für einen neutralen, im Lager anwesenden Beobachter.
3. Antrag vor der Generalstaatsanwaltschaft Bulgariens auf Stilllegung des „Tierheims“ und Durchführung der dringend notwendigen Umbauarbeiten seitens der Stadt Plovdiv.
Der Verein "Ärzte für Tiere e.V." hofft auf ein Einlenken der bulgarischen Generalstaatsanwaltschaft und wird die Situation in bulgarien weiterhin beobachten.
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
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Fax: +49 (0) 911 78067-47
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Der Tierschutzgedanke ist ein Teil des globalen Prinzips der menschlichen Ethik, die auf dem Mitgefühl mit allen Lebewesen und dem Respekt vor ihnen basiert. Unsere Handlungen verstehen wir somit als Dienst an der Humanität.
Wir arbeiten ehrenamtlich, national und international mit Tierschutz-Organisationen, Medien und Behörden zusammen, unabhängig von politischer und religiöser Überzeugung.
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