23.09.2008 - 15:27 - Politik, Recht & Gesellschaft

Mit dem vermeintlichen "Allheilmittel" Studiengebühren ist unsere Hochschullandschaft nicht zu retten

Pressemitteilung von: Landesverband Liberaler Hochschulgruppen Baden-Wuerttemberg - LHG-BW

(Stuttgart) Stellungnahme zum Ausblick von Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg vom 22. 9. 2008 auf das akademische Jahr 2008/2009 an den Hochschulen in Baden-Württemberg

Hierzu erklärt der Landesvorsitzende der Liberalen Hochschulgruppen Baden-Württemberg Alexander Schopf:

„Wenn ich das positive Bild, das uns Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg von unserer Hochschullandschaft aufzeichnet, mit dem des Berichts „Bildung auf einen Blick“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vergleiche, dann sind diese beiden Bilder schlichtweg nicht zur Deckung zu bringen.

Obwohl die deutschen Hochschulen mit 21% eines Jahrgangs die bisher höchste Absolventenzahl erreichten, liegt der OECD-Durchschnitt bei unerreichbaren 37%. Die Zahl der Studienanfänger stagniert sogar bei 37% gegenüber dem Durchschnitt von 56%. Wir haben damit knapp die Hälfte der Studierendenquote Islands. Anders ausgedrückt, würde das für Baden-Württemberg bedeuten: 10 neue Universitäten und 200.000 neue Studierende. Und es gibt einen großen und steigenden Bedarf an Hochqualifizierten – weltweit. Das Wissenschaftsministerium muss sich fragen lassen, was sind da 3.000 zusätzliche Studienanfängerplätze im Wintersemester 2008/2009? Akademiker müssen sich heute dem internationalen Wettbewerb stellen. Und das müssen sich unsere Hochschulen auch! Es bringt nichts, zu sagen, dass Studierende in Baden-Württemberg mit ihrer Studiensituation insgesamt zufriedener sind als Studierende in anderen Bundesländern.

Die Schaffung von mehr Professuren und Mitarbeiterstellen mit dem Schwerpunkt Lehre aus Studiengebühren halten wir für durchaus positiv. Jedoch müssen neue Stellen auch tatsächlich geschaffen werden und nicht nur durch Umdeklarierung alte erhalten bleiben. Dadurch könnte die Betreuung der Studierenden dann auch verbessert werden. Verbessert werden muss die Verwendung von Studiengebühren, laut Umfrage des Instituts für Marketing der Universität Hohenheim an 54 der gebührenerhebenden Universitäten in Deutschland, ohnehin in höchstem Maße: Mit einer Durchschnittsnote von 4,55 ist die Zufriedenheit über deren Verwendung am aboluten Tiefpunkt angelangt.

Deutschland liegt laut OECD bei den Hochschulausgaben seit langem nur im Mittelfeld und bezogen auf die Wirtschaftskraft, sind die deutschen Ausgaben für Hochschüler sogar nur unterdurchschnittlich. Hier gilt es anzusetzen. Mit dem vermeintlichen „Allheilmittel“ Studiengebühren ist unsere Hochschullandschaft nicht zu retten!“

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Landesverband Liberaler Hochschulgruppen Baden-Württemberg
Verantwortlich: Alexander Schopf, Landesvorsitzender
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Homepage: www.lhg-bw.de • E-Mail:
Fon: 07156/21495 • Fax: 0711/490761079

In der LHG Baden-Württemberg arbeiten unabhängige und liberale Studenten, die sich gemeinsam für die Idee des politischen Liberalismus einsetzen.

Der LHG Baden-Württemberg versteht sich als Interessenvertretung der Studenten an den Hochschulen und in der Gesellschaft. Basis der Arbeit des LHG ist die Autonomie der Mitgliedsgruppen an den Hochschulen. Zur Durchführung seiner Aufgaben sieht der LHG die Mitarbeit in den Gremien der akademischen und studentischen Selbstverwaltung als unverzichtbar an. Zur Erfüllung seiner Aufgaben arbeitet der LHG mit anderen Gruppen, Verbänden und Institutionen zusammen, insbesondere mit solchen, die gleiche oder ähnliche Ziele verfolgen. Erster parlamentarischer Ansprechpartner des LHG ist die FDP. Der Landesverband liberaler Hochschulgruppen hat es sich zum Ziel gesetzt, die Arbeit der einzelnen LHGs vor Ort optimal zu unterstützen.
Dazu gehört die Bereitstellung von Informationsmaterial sowie die Durchführung von Seminaren mit landes- und hochschulbezogenen Themenstellungen. Außerdem ist unsere Homepage erste Anlaufstelle für interessierte Studierende, Kontakt zu ihrer lokalen LHG zu finden. Durch die Vernetzung der einzelnen Gruppen entsteht ein Forum zum Kennenlernen und Erfahrungsaustausch; zur Diskussion über liberale Politik und zur gemeinsamen programmatischen und Öffentlichkeitsarbeit.

Warum Liberalismus an der Hochschule?

Die Grundlagen liberaler Politik stellen den Einzelnen in den Mittelpunkt. Der Staat sollte so wenig wie möglich durch Reglementierungen in das Leben des Einzelnen eingreifen. Seine Aufgabe ist es, die Bürger- und Freiheitsrechte zu sichern. Damit die Bürgerrechte nicht nur auf dem Papier existieren, hat der Staat zudem die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Bürger seine potenziellen Möglichkeiten auch wahrnehmen kann. Dazu gehört sowohl eine Angleichung der Startchancen als auch eine soziale Verantwortung. Die starke Repräsentanz von Bildungsbürgern unter liberalen Politikern hat auch dazu geführt, dass liberale Politik schon immer auf das Engste mit Bildungspolitik verknüpft war. Das Ziel der Bildung für alle und Humboldts Ideal von freier Forschung und Lehre reichen bis in die heutige Zeit und haben die deutsche Hochschullandschaft entscheidend geprägt. Auf der anderen Seite stellt gerade Bildung eine Vorraussetzung für liberale Politik dar. Diese versetzt den Menschen dazu in die Lage, sein Tun, seine Herkunft und seine Umwelt kritisch zu reflektieren und seine Verantwortung zu erkennen. Erst auf diese Weise entsteht eine pluralistische Gesellschaft voller Meinungsvielfalt, die für die Demokratie so wichtig ist. Im Sinne einer solchermaßen verstandenen liberalen Politik haben sich in der LHG Studierende zusammengeschlossen, die sich den unterschiedlichsten politischen Parteien zuordnen. Gemeinsam ist uns allen aber das Interesse an der Bewahrung und dem Ausbau der einzigartigen Freiheit an den deutschen Hochschulen.

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